Lasst uns weiter vom Prächtigen Affenkönig erzählen, der den Weltverheerenden Dämonenkönig umgebracht und dessen großen Säbel erbeutet hatte. Von da an übte er sich Tag für Tag in der Kampfkunst und lehrte die kleinen Affen, aus Bambusstangen Wurfspieße anzufertigen, Holzsäbel zu schnitzen und Feldlager aufzustellen. Lange vertrieben sie sich so die Zeit, bis den Affenkönig plötzlich ein Gedanke durchfuhr, und er sagte: »Wenn wir so weitermachen, riskieren wir, dass aus dem Spiel Ernst wird. Was tun, wenn auf einmal ein Menschenkönig, ein Tier- oder Vogelkönig darauf aufmerksam wird? Und wenn sie dann im Glauben, wir planten einen bewaffneten Aufstand, ihre Krieger mobilisieren und uns angreifen? Mit diesen Bambusstangen und Holzsäbeln könnten wir ihnen doch niemals standhalten! Wir müssen unbedingt scharfe Schwerter und Hellebarden besorgen. Aber wie sollen wir das anstellen?«
Seine Worte versetzten das ganze Affenrudel in Aufregung. Während alles durcheinanderredete, schritten vier ältere Affen aus der Menge; es waren zwei Rotgesäß-Makaken und zwei Gibbons. Diese traten nun vor und sprachen: »Großer König, gute Waffen zu besorgen ist ein Kinderspiel! Zweihundert Meilen östlich von hier übers Wasser im Reich Aolai liegt eine Stadt mit zahlreichen Bürgern und Wehrtruppen. Gewiss gibt es da auch Kupfer- oder Eisenschmiede. Eure Majestät brauchen dort nur Waffen zu kaufen oder anfertigen zu lassen, dann könnt Ihr uns ausbilden, damit wir unseren Berg verteidigen können. Fürwahr, das ist eine Strategie zur Bewahrung des Friedens auf lange Frist!«
Wukong hörte diese Worte mit großer Erleichterung. Flugs stieg er in die Lüfte, legte pfeilschnell im Wolkenüberschlag zweihundert Meilen übers Wasser zurück und fand tatsächlich eine umwallte Stadt mit regem Treiben auf breiten Straßen und Marktplätzen.
»Hier muss es doch gebrauchsfertige Waffen geben«, sann Wukong. »Aber eigentlich brauche ich doch gar nicht runterzugehen und welche zu kaufen. Ich kann sie mir doch einfach mit Magie beschaffen!«
Zu einem magischen Fingerzeichen murmelte er einen Zauberspruch, holte gen Südosten, der Richtung des Trigramms Xun,48 tief Luft und pustete sie aus. Unverzüglich brauste ein wilder Orkan übers Land, der Sand und Kieselsteine mit sich riss und in Aolai den König und die ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzte. In aller Hast wurde Tür und Tor verriegelt, und kein Mensch wagte sich mehr nach draußen. Wukong senkte seine Wolke, stürmte durchs Palasttor zum königlichen Arsenal, riss die Tür auf und
fand sämtliche achtzehn Waffengattungen ordentlich aufgereiht vor. Beglückt murmelte er: »Alleine kann ich gar nicht so viel tragen. Ich will sie lieber mit einer Teilungsmagie befördern!«
Schon rupfte er sich ein Büschel Pelzhaare aus, zerkaute sie und spuckte sie aus, murmelte einen Zauberspruch und rief: »Verwandlung!« Auf der Stelle wimmelte es von Affen, die sich zu Hunderten auf die Geräte stürzten, sie an sich rissen und sich balgten, bis alles leergefegt war. Der Affenkönig aber stieg auf eine Wolke, zog die Affen mit Zauberkraft an sich und führte sie heim. Beim Landen fing er seine Haare mit einem Schütteln wieder auf, so dass die Beute als ein wilder Haufen am Berghang liegen blieb.
»Kinderchen!« schrie er, »kommt her und holt euch eure Waffen!«
Schon stürzten die Affen herbei, packten Säbel und Speere, spannten Bogen und Armbrust und vergnügten sich den ganzen Tag damit. Als tags darauf wieder die Manöver abgehalten wurden, ließ Wukong die ganze Horde antreten. Es waren insgesamt über siebenundvierzigtausend Affen.
Längst waren die Ungeheuer und Bestien des ganzen Berges darauf aufmerksam geworden, und so trabten bald die Dämonenkönige aller zweiundsiebzig Grotten an, um dem Affenkönig ihre Aufwartung zu machen. Fortan brachten sie Jahr für Jahr Tribute dar, erschienen vierteljährlich zum Appell, traten den Manövern bei und entrichteten den Jahreszeiten entsprechend Kornabgaben. So verlief alles in bester Ordnung, und der Blumen-Früchte-Berg wurde so unbesiegbar wie eine stählerne Bastion. Täglich ging der Kampfdrill weiter.
Eines Tages sprach der Affenkönig zur Menge: »Nun versteht ihr mit Bogen und Armbrust umzugehen und kennt euch mit den verschiedenen Waffen aus. Mir aber scheint mein Säbel nun wahrlich zu plump; er gefällt mir nicht mehr. Was ließe sich da machen?«
Da traten die vier alten Affen vor, verbeugten sich und sprachen: »Großer König, für einen Unsterblichen wie Euch sind gewöhnliche Waffen untauglich. Nun wissen wir allerdings nicht, ob Eure Majestät auch das Wasser zu begehen vermag?«
»Ich beherrsche zweiundsiebzig Verwandlungen und
verfüge mit dem Wolkenüberschlag über immense Zauberkräfte. Wo sollte ich nicht hingehen können?« gab Wukong zurück.
»Gut, dass Ihr solche Kräfte besitzt«, sprachen die alten Affen. »Im Wasser unter unserem eisernen Brückensteg gibt es nämlich eine Verbindung zum Drachenpalast des Östlichen Ozeans. Wenn Eure Majestät bereit ist, dort den alten Drachenkönig aufzusuchen, könntet Ihr von ihm eine Waffe anfordern. Das wäre doch etwas?«
Diese Worte erfüllten Wukong mit Freude. Schon sprang er auf den Brückensteg, vollführte mit einem magischen Fingerzeichen einen Wasserwehr-Zauber und stürzte sich in die Fluten. Die Wassermassen teilten sich, und so gelangte er geradewegs auf den Grund des Östlichen Ozeans. Doch plötzlich trat ihm ein patrouillierender Yaksa in den Weg und rief: »Was für ein Geist stößt hier das Wasser vor sich her? Gebt klare Auskunft, damit ich Euch zum Empfang melden kann.«
»Ich bin der Himmelsgeborene Heilige Sun Wukong vom Blumen-Früchte-Berg, ein Nachbar deines Drachenkönigs«, gab Wukong zur Antwort, »wie kommt es, dass du mich nicht erkennst?«
Der Yaksa machte rechtsum kehrt und meldete im
Wasserkristallpalast: »Majestät, draußen ist ein Himmelsgeborener Heiliger vom Blumen-Früchte-Berg. Er nennt sich Sun Wukong und behauptet, ein Nachbar Eurer Majestät zu sein. Er wird sogleich im Palast eintreffen.«
Drachenkönig Aoguang vom Ostmeer trat aus der Thronhalle und rief dem Gast entgegen: »Möge der werte Unsterbliche eintreten!«
Im Palast begrüßten sie einander, und nachdem sie sich gesetzt hatten und Tee aufgetragen worden war, fragte der Drachenkönig: »Wann habt Ihr, werter Unsterblicher, Vollendung im Dao erlangt, und was für Künste habt Ihr dabei erlernt?«
»Schon bald nachdem ich geboren wurde, zog ich aus, mich zu vervollkommnen«, erklärte Wukong, »und so habe ich schließlich einen unvergänglichen Körper erlangt. Seit kurzem unterrichte ich meine Kinder und Kindeskinder in der Kampfkunst, damit wir unseren Berg und unsere Grotte verteidigen können. Leider fehlt mir aber noch eine rechte Waffe. Da ich schon lange sagen hörte, dass Ihr, mein edler Nachbar, der Ihr in Jadehallen und Muscheltürmen wandelt, überzählige göttliche Waffen besitzen sollt, bin ich eigens gekommen, eine davon zu erbitten.«
Der Drachenkönig konnte ihm die Bitte nicht gut abschlagen und schickte Kommandeur Barsch aus, der alsbald einen Säbel mit breitem Griff herbeitrug. Wukong wehrte ab: »Mit Säbeln weiß ich alter Sun nicht umzugehen. Bitte bringt was anderes!«
Da schickte der Drachenkönig Leutnant Weißfisch und Leibwächter Aal, einen neunzackigen Rechen zu bringen. Wukong sprang auf und nahm die Waffe entgegen, doch kaum hatte er ihn in der Hand gewogen, stellte er ihn hin und meinte: »Viel zu leicht, viel zu leicht! Das liegt nicht recht in der Hand. Bitte bringt noch etwas anderes.«
Lachend meinte der Drachenkönig: »Werter Unsterblicher, dieser Rechen wiegt 3600 Pfund!«
»Er liegt einfach nicht recht in der Hand«, beharrte Wukong.
Dem Drachenkönig wurde es unbehaglich. Er ließ nun Admiral Brasse und Brigadier Karpfen eine große Hellebarde mit eckigem Beil und verziertem Schaft herbeischaffen, die 7200 Pfund wog. Wukong nahm die Waffe entgegen, vollführte ein paar Kampfposen und wirbelte sie herum. Dann rammte er sie in den Boden und rief: »Auch das ist zu leicht, viel zu leicht!«
Dem Drachenkönig wurde angst und bange. »Werter Unsterblicher«, versicherte er, »diese Hellebarde ist die schwerste Waffe im ganzen Palast. Etwas anderes kann ich nicht bieten.«
»Wie sagten doch die alten Weisen«, lachte Wukong: »›Dem Drachenkönig wird es nicht an Schätzen fehlen!‹ Macht Euch noch mal auf die Suche. Wenn Ihr was Zufriedenstellendes findet, will ich auch einen rechten Preis zahlen.«
»Ich habe wirklich nichts mehr!« beteuerte der Drachenkönig.
Da mischten sich von hinten die Drachengemahlin und die
Drachentochter ins Gespräch und flüsterten dem Drachenkönig zu: »Majestät, dieser Heilige ist gewiss kein Geringer. In unserer Schatzkammer befindet sich doch das Göttliche Edelerz zur Erdung der Milchstraße; das leuchtet seit einigen Tagen in allen Farben und verströmt eine glückverheißende Aura. Könnte es nicht sein, dass es gerade diesem Heiligen begegnen muss?«
»Das ist doch der Stab, mit dem einst der Yu der Große50 nach der Bändigung der Fluten die Tiefe der Ströme und Meere festlegte. Es ist ein göttliches Stück, doch wozu soll es brauchbar sein?«
»Kümmert Euch nicht darum, schenkt es ihm einfach. Er soll damit machen, was er will; Hauptsache, wir werden ihn los«, drängte die Drachengemahlin. Schließlich willigte der Drachenkönig ein und teilte Wukong die Sache mit.
»Bringt es her, damit ich es sehen kann«, meinte Wukong.
Der Drachenkönig winkte ab: »Wir können es weder tragen
noch anheben. Der werte Unsterbliche müsste höchstpersönlich hingehen.«
»Dann führt mich hin«, sagte Wukong. Der Drachenkönig geleitete ihn in die Schatzkammer, wo ihnen ein tausendfach glitzerndes Goldlicht entgegenfunkelte. Der Drachenkönig zeigte darauf und sprach: »Was da leuchtet, ist es.«
Wukong krempelte die Ärmel hoch und befühlte den Gegenstand. Es war eine eherne Säule vom Durchmesser eines Reisscheffels und einer Länge von über zwanzig Fuß. Mit aller Kraft stemmte er sie hoch und murmelte dabei: »Ein bisschen zu dick und zu lang. Etwas dünner und kürzer wäre ganz praktisch.«
Kaum hatte er dies ausgesprochen, verkürzte sich der wunderbare Gegenstand um ein paar Fuß und wurde schmaler. Wukong wog ihn in den Händen und sprach: »Noch dünner wäre noch besser.«
Tatsächlich schrumpfte der Zauberschatz weiter. Überglücklich hob Wukong die Stange aus der Schatzkammer und betrachtete sie eingehend. Beide Enden waren mit Gold umringt, während der Mittelteil aus schwarzem Erz bestand. Unter dem einen Goldreif war eine Reihe Schriftzeichen eingekerbt, die lauteten: »Wunscherfüllender Goldreifstab, 13 500 Pfund von Gewicht.«
Wukong frohlockte: »Dieser Schatz gehorcht also den Wünschen!«
Im Gehen wog er den Stab in der Hand und murmelte: »Noch etwas kürzer wäre wunderbar.« Als er ihn schließlich nach draußen trug, maß der Stab nur noch zwölf Fuß und hatte den Durchmesser einer Reisschale.
Seht, wie er jetzt seine Zauberkräfte spielen lässt, Kampfkunst vollführt und im Scheingefecht durch den Wasserkristallpalast wirbelt!
Vor Angst zitterte der Drachenkönig am ganzen Körper, und seinen Drachenprinzen wollte schier die Seele aus dem Leibe fliehen. Die Meeresschildkröten zogen ihre Hälse ein, Fische, Hummer, Riesenschildkröten und Krebse versteckten sich in Schlupfwinkeln.
Schließlich setzte sich Wukong mit seinem Schatz im Palast nieder und meinte lachend zum Drachenkönig: »Besten Dank für Eure Großzügigkeit, werter Nachbar. Doch habe ich noch eine Bitte: Bevor ich diesen Eisenstab besaß, war das nicht weiter schlimm, doch jetzt, da ich ihn in den Händen halte, merke ich, dass mir eine passende Rüstung fehlt. Falls Ihr eine haben solltet, so schenkt sie mir doch, ich wäre Euch sehr dankbar.«
»Damit kann ich nicht dienen«, gab der Drachenkönig zur Antwort.
Doch Wukong insistierte: »Ein Gast belästigt nicht zwei Gastgeber. Solange Ihr mir keine Rüstung auftreiben könnt, verlasse ich diesen Palast nicht.«
»Möge der werte Unsterbliche ein anderes Meer aufsuchen, da wird sich womöglich etwas finden lassen.«
»Lieber in einem Haus sitzen bleiben als zu drei Häusern laufen«, gab Wukong zurück. »Ich ersuche Euch unter allen Umständen um eine Rüstung!«
»Ich habe wirklich keine«, beteuerte der Drachenkönig, »hätte ich eine, würde ich sie Euch auf der Stelle überreichen.«
»Wenn Ihr wirklich keine habt, werde ich diese Eisenstange an Euch ausprobieren«, drohte Wukong.
Der Drachenkönig zuckte zusammen und rief: »Werter Unsterblicher, lasst ab! Wartet, ich will schauen, ob meine Brüder etwas für Euch haben.«
»Wo befinden sich die werten Brüder?« wollte Wukong wissen.
»Meine Brüder sind Drachenkönig Aoqin vom Südmeer, Drachenkönig Aoshun vom Nordmeer und Drachenkönig Aorun vom Westmeer.«
»Da geh ich alter Sun nicht hin«, versetzte Wukong. »Ihr kennt die Volksweisheit: ›Gibt man auf Kredit für drei, kriegt man am Ende nur noch zwei.‹ Ich will einzig und allein, dass Ihr mir, auf welche Art auch immer, eine Rüstung schenkt.«
»Ihr braucht nicht selbst hinzugehen«, versprach der alte Drache, »ich habe hier eine eherne Trommel und eine goldene Glocke; wann immer es einen Notfall gibt, lasse ich sie schlagen, dann erscheinen meine Brüder unverzüglich.«
»Dann lasst jetzt sofort Trommel und Glocke schlagen!«
Tatsächlich dröhnten schon im nächsten Augenblick Trommel- und Glockenschläge. Die Drachenkönige der drei Meere horchten auf und waren in kürzester Zeit zur Stelle.
»Was ist geschehen, älterer Bruder, dass du die Glocke läutest?« fragte Aoqin.
»Werter Bruder«, hub der alte Drache an, »es ist mir peinlich, es zu sagen. Da ist ein Himmelsgeborener Heiliger von einem Blumen-Früchte-Berg, der mich heute früh als Nachbar besucht hat. Er wollte eine Waffe haben, doch der Stahlrechen war ihm zu klein und die verzierte Hellebarde zu leicht, schließlich hat er ganz allein das Göttliche Edelerz zur Erdung der Milchstraße ergriffen und damit Kampfkünste vollführt. Nun sitzt er im Palast und verlangt auch noch eine Rüstung. Da ich hier nichts vorrätig habe, ließ ich Trommel und Glocke schlagen, um die werten Brüder herzubitten. Wenn ihr irgendeine Rüstung habt, so schenkt sie ihm, dann werde ich ihn los.«
»Mobilisieren wir doch unsere Krieger und nehmen ihn fest!« rief Aoqin wütend.
»Nur das nicht!« wehrte der alte Drache ab, »schon ein leichter Streich mit diesem Eisen wäre fatal, ein Hieb wäre tödlich.«
»Zweiter Bruder«, stimmte Aorun bei, »legen wir uns nicht mit ihm an. Lieber wollen wir ihm eine Rüstung
zusammenstellen, um ihn loszuwerden. Anschließend
verfassen wir eine Throneingabe an den Obersten Himmelsherrscher, damit der Himmel ihm ein Ende bereite.«
»Gute Idee«, pflichtete Aoshun bei. »Ich habe hier ein Paar Wolkenstiefel aus Lotoswurzelfäden.«
»Ich habe einen goldenen Kettenpanzer«, fügte Aorun hinzu.
»Und ich einen purpurgoldenen Helm mit Phönixfedern«, schloss Aoqin. Der alte Drache war erleichtert. Er führte seine Brüder in den Palast hinein, wo sie Wukong begrüßten und ihm die Sachen überreichten. Wukong setzte sich den goldenen Helm auf, zog die goldene Rüstung und die
Wolkenstiefel an, dann wirbelte er mit dem Wunscherfüllenden Stab aus dem Palast hinaus und rief den Drachen zu: »Entschuldigt die Störung und lebt wohl!«
»Entschuldigt die Störung und lebt wohl!«
Aufgebracht blieben die vier Meeresdrachen zurück und besprachen, wie sie die Throneingabe einreichen wollten. Doch davon sei hier nicht weiter die Rede.
Der Affenkönig aber teilte die Wassermassen, kehrte zur Stelle unter dem eisernen Brückensteg zurück und schnellte hoch. Die Affen, die neben der Brücke warteten, sahen Wukong aus den Wogen hochschnellen und ohne einen Tropfen Wasser in glänzender Pracht auf die Brücke treten. Verblüfft fielen alle auf die Knie und riefen: »O Majestät, wie wundervoll!«
Wukong strahlte übers ganze Gesicht, bestieg den hohen Thron und stellte den Eisenstab in der Mitte auf. Die Affen, die nicht wussten, was sie davon halten sollten, kamen herbei und versuchten den Schatz zu ergreifen. Doch es war gerade so, als ob Libellen an einem Steinpfeiler rüttelten – er war um keine Haaresbreite zu bewegen! Die Affen bissen sich auf die
Finger und keuchten mit heraushängender Zunge: »Großväterchen, was für ein Gewicht! Wie habt Ihr es bloß geschafft, das hierherzutragen!«
Wukong trat vor, breitete die Arme aus und hob den Stab hoch. Lachend sprach er zu den Affen: »Es hat eben jedes Ding seinen Herrn. Dieser Schatz hat nun wer weiß wie viele Jahrtausende dort unten in der Meerschatzkammer gelegen, und just in der letzten Zeit begann er zu leuchten. Der
Drachenkönig sah darin nicht mehr als ein Stück Schwarzeisen, das er ›Göttliches Edelerz zur Erdung der Milchstraße‹ nannte. Er hat mich gebeten, es selbst zu holen, weil keiner der Kerle dort unten imstande war, es zu tragen. Damals war dieser Schatz noch über zwanzig Fuß lang und so dick wie ein Reisscheffel. Doch kaum habe ich in Gedanken seine Größe bemängelt, ist er geschrumpft, und als ich das wiederholte, ist er noch kleiner geworden. Da sind eine Reihe Schriftzeichen eingekerbt: ›Wunscherfüllender Goldreifstab, 13 500 Pfund von Gewicht‹. Nun, geht mal alle zur Seite und lasst mich die Veränderung noch einmal ausprobieren.«
Er wog den Schatz in den Händen und rief: »Kleiner, kleiner, kleiner!« Da schrumpfte der Stab so sehr, dass er nur noch so groß war wie eine Sticknadel, so dass er ihn im Ohr unterbringen konnte.51
Staunend bettelten die Affen: »Großer König, nehmt es noch mal heraus!«
Der Affenkönig klaubte das Stäbchen aus dem Ohr, legte es auf seine Handfläche und rief: »Größer, größer, größer!«
Sofort wuchs der Zauberschatz bis zur Dicke eines Scheffels an und gewann eine Länge von gut zwanzig Fuß. Wukong kam in Hochstimmung, sprang aus der Grotte und vollführte mit dem Stab in beiden Händen eine Magie zur Nachahmung von Himmel und Erde, indem er sich vorbeugte und rief: »Wachsen!«
Schon wuchs er selbst auf hunderttausend Fuß an, dass sein Kopf nun aussah wie der Gipfel des Taishan. Die Hüften glichen hochragenden Felswänden, seine Augen funkelten wie Blitze, der Mund war so groß wie ein Stadttor und die Zähne sahen aus wie Schwerter und Hellebarden. Nun reichte der Stab in seiner Hand bis in den dreiunddreißigsten Himmel und hinab bis zur achtzehnten Hölle. Zu Tode erschrocken warfen sich die Dämonenkönige aller zweiundsiebzig Grotten zitternd und bebend ihm zu Füßen. Da machte Wukong die Verwandlung auf einen Schlag rückgängig, reduzierte seinen Schatz auf Stecknadelgröße, steckte ihn ins Ohr und verschwand in der Grotte.
Die Dämonenkönige waren so eingeschüchtert, dass sie allesamt antrabten, ihre Verehrung zu erbringen. Bald wurden Flaggen gehisst und Trommeln geschlagen, und die Manöver gingen weiter.
Der Affenkönig verlieh nun den vier alten Affen den Titel »Tapfere Generäle«, ernannte die beiden Rotgesäß-Makaken zu Oberst Ma und Oberst Liu und die beiden Gibbons zu General Beng und General Ba. Ihnen unterstellte er alle
Aufgaben, vom Errichten von Feldquartieren und Befestigungsanlagen bis zum Verteilen von Lohn und Strafe. Er selbst jedoch ließ nun sein Herz schweifen. Täglich wandelte er über Wolken und Nebel, unternahm weitläufige Reisen zu allen vier Weltmeeren und schloss allerlei neue Freundschaften. Zu jener Zeit verbrüderte er sich auch mit verschiedenen Dämonenkönigen: Es waren der Rinderdämon, der Drachendämon, der Wundervogel-Dämon, der Langhaar- Löwenkönig, der Makakenkönig und der Gorillakönig, zusammen mit dem Prächtigen Affenkönig waren es sieben an der Zahl. Tag für Tag frönten sie nun Gesprächen über Literatur und Kampfkunst, reichten den Weinkelch reihum und genossen von früh bis spät ihr ausgelassenes Beisammensein.
Eines Tages veranstaltete der Affenkönig in seiner Grotte ein Festmahl und lud die sechs Könige zum Zechen. Alle tranken sich einen tiefen Rausch an. Nachdem er die sechs verabschiedet hatte, sackte er neben der Brücke im Schatten der Kiefern zusammen und fiel auf der Stelle in tiefen Schlaf. Die vier Tapferen Generäle hielten mit den Affen zusammen Wache, und keiner wagte ein lautes Wort zu sprechen.
Im Schlaf aber sah der Affenkönig zwei Männer mit einer Vorladung auf ihn zukommen, auf der die drei Schriftzeichen » 孫悟空 – Sun Wukong« geschrieben standen. Ohne ihn zu Wort kommen zu lassen, legten sie ihn in Fesseln und schleppten seine Seele mit sich fort, bis er schließlich hinter ihnen herstolpernd zu einer Stadt gelangte. Hier fühlte sich der Affenkönig allmählich wieder nüchtern und blickte um sich. Auf einmal bemerkte er über dem Stadttor eine eherne Tafel, und darauf prangten die drei großen Schriftzeichen: »幽冥界 – Finstere Unterwelt«. Blitzartig ging dem Affenkönig ein Licht auf.
»Die finstere Unterwelt ist doch da, wo Höllenkönig Yama wohnt«, rief er, »warum kommen wir hierher?«
Die beiden erwiderten: »Deine Lebenszeit auf Erden ist
heute abgelaufen. Wir haben den Auftrag, dich hierherzubringen.«
Der Affenkönig protestierte: »Ich alter Sun habe bereits alle Drei Welten überwunden und bin nicht mehr an die Materie der Fünf Wandlungsphasen gebunden! Ich gehöre gar nicht zu seinem Verwaltungsbereich! Wie kann er nur so hirnlos sein, mich hierherbringen zu lassen?«
Die beiden Todesschergen aber zerrten ihn weiter, fest entschlossen, ihn in die Stadt zu bringen. Da fuhr der Affenkönig auf, riss seinen Schatz aus dem Ohr, schwang ihn zur Dicke einer Reisschale und schlug die Schergen mit einem Streich zu Brei. Dann befreite er sich von den Fesseln und stürmte mit wirbelndem Goldreifstab in die Stadt. Entsetzt wichen der Rinderköpfige und der Pferdegesichtige zurück und gingen in Deckung, die Geistersoldaten jagten zum Senluo-Palast und meldeten: »Majestät, ein Unheil, ein Unheil! Draußen wütet ein stoppelgesichtiger Donnergeist und kommt geradewegs auf uns zu!«
Bestürzt strichen die Zehn Höllenkönige ihre Gewänder zurecht und hielten Ausschau. Als sie sahen, wie grimmig der Affenkönig heranstürmte, stellten sie sich in Reih und Glied auf und riefen: »Möge der werte Unsterbliche sich mit Namen vorstellen!«
»Warum schickt ihr Leute aus, mich zu holen, wenn ihr mich nicht mal kennt? Ich bin der Himmelsgeborene Heilige Sun Wukong aus der Wasservorhang-Grotte im Blumen- Früchte-Berg. Und was für Ränge bekleidet ihr denn? Los, stellt euch vor, sonst gibt’s Prügel!«
»Wir sind: König Guang von Qin, König des Ersten Flusses, König Di von Song, König der Fünf Ämter, König Yama, König der Gerechtigkeit, König des Bergs Taishan, König der Hauptstadt, König der Stadt Bian und König des Kreisenden Rades der Wiedergeburten.«
»Königsposten habt ihr inne! Warum wisst ihr denn nicht, was rechtens ist? Ich alter Sun bin unsterblich geworden und habe die Vollendung im Dao erlangt; mir ist ein himmelsebenbürtiges Alter beschieden. Ich habe die Drei Welten überwunden und bin nicht mehr an die Fünf Wandlungsphasen gebunden. Was also soll das heißen, dass ihr Leute ausschickt, mich hierherzuschleppen?«
Die Höllenkönige antworteten: »Möge sich der werte Unsterbliche beruhigen. Auf Erden gibt es viele, die gleiche Vor- und Nachnamen tragen, es könnte sich ja vielleicht um einen Irrtum der Schergen handeln.«
»Unsinn«, rief Wukong, »so heißt es doch im Volksmund: ›Die Verantwortung für den Befehl trägt der Kommandant, nicht jener, der ihn überbringt.‹ Bringt sofort das Buch der Lebenden und Toten!«
Die Zehn Höllenkönige führten Wukong in den großen Senluo-Palast und wiesen ihm einen Ehrensitz mit Blick gen Süden zu. Der für die Akten zuständige Höllenrichter wurde beauftragt, die Aufzeichnungen zu bringen und jeden Eintrag zu überprüfen. Unter den Kategorien der nackten, behaarten, gefiederten, insektenartigen und beschuppten Kreaturen war sein Name nicht zu finden. Weiter wurde der Eintrag über Affenartige durchsucht. Nun glich dieser Affe eigentlich einem Menschen, doch war sein Name unter der Kategorie Menschen nicht verzeichnet. Obschon er auch einem Tier glich, unterstand er doch nicht der Macht des Einhorns, und trotz seiner Nähe zu fliegenden Kreaturen wurde er auch nicht vom Phönix regiert. Es gab aber noch eine separate Liste, die Wukong nun eigenhändig durchblätterte. Endlich, unter dem Eintrag der Seele Nr. 1350, war der Name Sun Wukong registriert, mit dem Vermerk: »Himmelserzeugter Steinaffe, Lebensalter: 342 Jahre, friedlicher Tod.«
»Ich kann mich an die Anzahl meiner Lebensjahre nicht erinnern«, meinte Wukong, »aber es reicht doch, wenn wir den Namen einfach streichen.«
Er langte nach einem Pinsel und strich alles durch, was unter der Kategorie »Affen« namentlich aufgeführt war. Als er fertig war, schmiss er die Liste hin und rief: »So, diese Rechnung wäre beglichen! Von jetzt an habt ihr keine Macht mehr über uns!«
Mit wirbelnder Stange bahnte er sich seinen Weg aus der Unterwelt. Die Zehn Höllenkönige wagten ihm nicht in den Weg zu treten. Stattdessen begaben sie sich zum Palast der Smaragdenen Wolken, verbeugten sich vor Bodhisattva Ksitigarbha und besprachen mit ihm, dass sie eine Throneingabe verfassen und den Vorfall im Himmel melden wollten. Doch sei dies nicht weiter ausgeführt.
Wie der Affenkönig nun mit wirbelnder Stange aus der Stadt stürmte, strauchelte er plötzlich über ein Grasbüschel und wachte jäh auf. Alles war nur ein Traum gewesen. Da riefen die vier Tapferen Generäle und die umstehenden Affen laut: »Großer König, wie viel habt Ihr bloß getrunken, Ihr seid ja nach einer ganzen Nacht noch nicht erwacht!«
»Schlafen ginge ja noch«, gab Wukong zurück, »mir träumte, ich würde von zwei Männern in die Unterwelt geschleppt. Dort aber habe ich meine Kräfte spielen lassen und bin bis zum Senluo-Palast gestürmt, wo ich mit den Zehn Höllenkönigen aneinandergeraten bin. Dann habe ich mir die Liste der Lebenden und Toten angeschaut und alle unsere Namen gestrichen. Jetzt hat Yama, dieser Kerl, keine Macht mehr über uns.«
Dankend warfen sich die Affen ihm zu Füßen. Dass es seither in den Bergen viele Affen gibt, die nicht altern, liegt eben daran, dass ihre Namen im Jenseits nicht mehr aufgelistet sind. Wie der Prächtige Affenkönig fortan Tag für Tag mit den anderen schwelgte, sei hier nicht weiter ausgeführt.
Wenden wir uns stattdessen dem Hohen Himmelskaiser zu, der eines Tages gerade in der Halle der Himmelshöhen thronte und mit all seinen zivilen und militärischen Ministern die Morgenaudienz abhielt, als auf einmal der Unsterbliche Qiu Hongji erschien und meldete: »Majestät, vor der Halle der Durchdringenden Klarheit steht Drachenkönig Ao Guang vom Ostmeer mit einer Throneingabe und wartet auf Einlass.«
Der Jadekaiser befahl, ihn vorzulassen. Ao Guang wurde vor die Treppe der Palasthalle geführt, wo er die rituellen
Verbeugungen vollführte. Ein Götterpage nahm die Throneingabe in Empfang. Das Schreiben lautete:
»Ehrerbietig überreicht geringer Drache, Untertan Ao
Guang aus der Unterwasserwelt im Ostmeer des östlichen
Kontinents Purvavideha, dem Heiligen Herrn des Großen
Himmels und Hohen Kaiser der Azurnen Himmelskuppel
folgende Throneingabe: Kürzlich begab es sich, dass der
dämonische Unsterbliche Sun Wukong aus der
Wasservorhang-Grotte vom Blumen-Früchte-Berg geringen
Drachen täuschte und belästigte, indem er den
Wasserkristallpalast besetzte, um eine Waffe und eine
Rüstung anzufordern. Untertan Ao Guang u. a. überreichten
ihm einen wertvollen Eisenstab aus göttlichem Edelerz,
eine goldene Kopfbedeckung mit Phönixfedern, einen
goldener Kettenpanzer und ein Paar Wolkenstiefel, in der
Hoffnung, ihn mit den Geschenken außer Haus weisen zu
können. Er jedoch spielte mit Kampfkunst und Zauber auf,
stellte seine Macht zur Schau, drohte mit Gewalt und erwies
sich als äußerst schwer bezwingbar. Ehrfürchtig erwartet
Euer Untertan das heilige Urteil Erlauchter Majestät und
bittet um Entsendung himmlischer Truppen zur Festnahme
dieses dämonischen Ungeheuers, auf dass in Meeren und
Gebirgen wieder Ruhe und Ordnung einkehre und Friede
sei auf Erden. Mit Hochachtung.«
Nachdem der Heilige Himmelskaiser das Schreiben durchgelesen hatte, ließ er verkünden: »Der Drachengott möge ins Meer zurückkehren, wir werden unverzüglich Krieger entsenden, dieses Ungeheuer festzunehmen.«
Der alte Drachenkönig bedankte sich mit einem Kotau und trat ab. Da meldete sich Himmelsmeister Ge Xianweng und sprach: »Majestät, König Guang von Qin aus der Unterwelt ist hier und möchte eine Throneingabe von Bodhisattva Ksitigarbha einreichen.«
Eine Jadejungfer nahm das Schreiben im Empfang. Es lautete:
»Es bildet die finstere Unterwelt das Jenseits zur Erdenwelt;
im Himmel weilen Götter, auf Erden Geister, und so
wandeln sich im ewigen Kreislauf Yin und Yang. Vögel und
Bestien leben und sterben, kommen und gehen, mal
männlich, mal weiblich. Dergestalt folgt alles dem großen
Gesetz der Natur. Nun aber hat es sich zugetragen, dass der
himmelserzeugte dämonische Affe Sun Wukong aus der
Wasservorhang-Grotte vom Blumen-Früchte-Berg unter
Missachtung eines amtlichen Aufgebots böswillig Gewalt
ausübte, mit magischen Kräften Geisterdiener aus dem
Reiche der Neunfachen Finsternis erschlug, den zehn
barmherzigen Fürsten der Unterwelt Gewalt androhte, den
Senluo-Palast in Aufruhr versetzte und eigenmächtig in
Namenlisten Einträge durchstrich, so dass fortan die
Affenartigen uneinschränkbar bleiben und ein viel zu hohes
Alter erreichen werden, wodurch der Kreislauf der
Wiedergeburten gestört wird, da sie von Geburt und Tod
verschont bleiben. Mit diesem Schreiben bittet geringer
Mönch Erlauchte Majestät ehrerbietig um Entsendung
göttlicher Truppen zur Bändigung dieses Ungeheuers, auf
dass Yin und Yang wieder ins Gleichgewicht gelangen und
in der Unterwelt auf ewig Friede herrsche. Mit
Hochachtung.«
Nachdem der Jadekaiser zu Ende gelesen hatte, ließ er verkünden: »Der Fürst der Unterwelt möge ins Jenseits zurückkehren. Wir werden unverzüglich Generäle und Krieger entsenden, dieses Ungeheuer festzunehmen.«
König Guang von Qin dankte ebenfalls mit einem Kotau und trat ab. Nun berief der Erhabene Jadekaiser alle seine zivilen und militärischen Amtsträger ein und fragte: »Wann wurde dieser dämonische Affe gezeugt, und in welcher Epoche ist er geboren, dass er derartige Vollendung im Dao erreicht hat?«
Tausend-Meilen-Auge und Wie-der-Wind-Ohr traten vor und sprachen: »Es handelt sich um jenen Steinaffen, der vor über dreihundert Jahren vom Himmel erzeugt wurde. Damals hielten wir die Sache für belanglos. Irgendwo muss er sich
neulich der Vervollkommnung gewidmet und die Unsterblichkeit erreicht haben, so dass er nun Drachen und Tiger zu bändigen weiß und gar im Jenseits Namenlisten zu ändern vermag.«
Der Jadekaiser fragte: »Welcher Göttergeneral ist bereit, sich in die niederen Gefilde zu begeben, um ihn einzufangen?«
Seine Worte waren noch nicht verklungen, da trat der Abendstern Changgeng aus den Reihen, vollzog einen Stirnaufschlag und sprach: »In den Drei Welten der alten Heiligen ist allen Wesen, welche neun Körperöffnungen besitzen, die Möglichkeit gegeben, sich zur Unsterblichkeit zu vervollkommnen. Unterscheidet sich dieser Affe, dessen Körper von Himmel und Erde erzeugt und von Sonne und Mond genährt wurde, der nun unsterblich ist und Drachen und Tiger zu bezwingen vermag, etwa vom Menschen? Euer Untertan bittet Erlauchte Majestät, eingedenk der Kostbarkeit des Lebens, Barmherzigkeit walten zu lassen und den Affen per Dekret in die himmlischen Gefilde zu beordern. Durch Zuweisung eines geringen Amtes könnten wir ihn dergestalt im Himmel behalten. Sofern er sich an die Regeln des Himmels hält, mag er später Beförderung erfahren; sollte er sie jedoch missachten, kann er auf der Stelle festgenommen werden. Auf diese Weise brauchen wir zum einen keine Truppen zu mobilisieren und vollbringen außerdem die gute Tat, einen Unsterblichen in unsere Reihen aufzunehmen.«
Erleichtert sprach der Jadekaiser: »Die Worte des Ministers sollen gelten.«
Sogleich beauftragte er den Literatenstern mit der Erstellung eines kaiserlichen Edikts und sandte den Abendstern mit der Botschaft auf den Weg. Auf einer glückverheißenden Wolke durch das Südliche Himmelstor entschwebend, gelangte der Abendstern geradewegs zur Wasservorhang-Grotte auf dem Blumen-Früchte-Berg. Dort teilte er der Affenschar mit: »Ich bin ein Himmelsbote und komme mit einem heiligen Edikt, Euren Großen König in den Himmel einzuladen. Bringt sofort Meldung!«
Die Affen riefen einander die Botschaft weiter, bis sie in die Tiefen der Grotte drang: »Großer König, draußen steht ein alter Mann mit einer Schriftrolle auf dem Rücken. Er sagt, er sei ein Himmelsbote und überbringe ein heiliges Edikt mit einer Einladung.«
Freudestrahlend rief der Affenkönig: »Dieser Tage ist mir gerade die Idee gekommen, mich mal im Himmel umzuschauen, und schon kommt ein Bote mit der Einladung! Schnell, bittet ihn herein.«
Eilig zupfte der Affenkönig sein Gewand in Ordnung, rückte seine Kopfbedeckung zurecht und trat zur Begrüßung nach draußen. Der Abendstern trat näher, blieb mit Blick gen Süden stehen und sprach: »Ich bin der Abendstern vom Westen und komme im Auftrag des Jadekaisers mit einem heiligen Edikt hernieder. Ihr seid hiermit gebeten, Euch in den Himmel zu begeben und in die Liste der Unsterblichen eintragen zu lassen.«
»Besten Dank für Euer Kommen, alter Stern«, lachte Wukong, »ich lasse meine Kleinen gleich ein Bankett auftischen.«
»Mit dem heiligen Schreiben wage ich mich nicht unnötig aufzuhalten. Ich bitte Euch, sogleich mit mir aufzubrechen«, erwiderte der Abendstern.
Da rief Wukong die vier Tapferen Generäle zu sich und sprach: »Unterweist meine Kinder und Kindeskinder mit Umsicht in der Kampfkunst! Sobald ich mich im Himmel umgeschaut habe, werde ich dafür sorgen, dass ich Euch mitnehmen kann.«
Die vier Tapferen Generäle versprachen ihr Bestes. Alsbald schnellte der Affenkönig mit dem Abendstern zu den Wolken empor, und beide schwebten dem hohen Himmel entgegen. Und da wir nicht wissen, was für ein Amt dem Affenkönig zukam, lasst uns das nächste Kapitel anhören.