Accueil > Die Reise nach Westen > Kapitel35

035 Ein Irrweg täuscht mit Macht das Rechte Wesen / Der Herzensaffe tilgt mit Schätzen die Dämonen

Ist das Wesen hell erleuchtet,

Fließt das Dao ungehindert,

So dass er mit einem Sprunge

Aus den Netzen herausfindet.

Der Verwandlung hohe Künste

Sind nicht einfach zu erlangen;

Ewiges Leben sich erringen

Übersteigt profanes Können!

Stets im Kreis von Klar und Trübe,221

Mit dem Großen Laufe wandelnd,

Treibt er in den Weltenzyklen,

Zwischen West und Osten pendelnd.

Ungebunden, frei und ledig

Weilt er Billionen Jahre

Als ein Funken Götterlicht

Ewig in des Weltalls Leere!

Dieses Gedicht stimmt überein mit dem wesentlichen Kern des Großen Heiligen Sun.

Nachdem er den wahren Zauberschatz des Dämons errungen hatte, huschte er aus der Grotte, nahm wieder seine eigene Gestalt an und verlangte mit lauter Stimme Einlass.

»Wer bist denn du wieder?« fragten die Torwächter.

»Richtet eurem Zankteufel sofort aus, dass Sun Pilger da ist!« rief Pilger. Die Ungeheuer verschwanden ins Innere und meldeten die Nachricht.

Erschrocken rief der alte Goldhorn: »Bruder, das sieht schlimm aus, ich glaube, wir haben ein ganzes Nest aufgescheucht!«

»Keine Sorge, Bruder«, gab Silberhorn zurück, »in meiner Kalebasse haben doch tausend Menschen Platz. Eben habe ich Sunger Pil eingesaugt, was brauchen wir uns vor einem Sun Pilger zu fürchten! Wart’s ab, ich geh gleich mal raus und fange den auch noch ein.«

Seht, wie er jetzt mit der falschen Kalebasse genau wie zuvor heldenmütig vor das Tor tritt!

»Wer bist du, dass du vor unserer Grotte zu schreien wagst?« brüllte er, »komm her! Ich kämpfe nicht mit dir, doch traust du dich, mir Antwort zu geben, wenn ich dich rufe?«

Lachend rief Pilger zurück: »Natürlich gebe ich Antwort, wenn du mich rufst. Wirst auch du antworten, wenn ich dich rufe?«

Da brach der Dämon in Gelächter aus und rief: »Ich will dich rufen, weil ich eine Zauberkalebasse habe, die Menschen einsaugt. Was hast du denn, dass du mich rufen willst?«

»Auch eine Kalebasse«, gab Pilger zurück.

»Dann zeig her!«

Pilger zog die Kalebasse aus dem Ärmel und rief: »Hier, du Zankteufel!«

Der Dämon erschrak nicht wenig. »Wieso sieht denn seine haargenau gleich aus wie meine?« wunderte er sich. Dann brüllte er: »Sun Pilger, wo hast du deine Kalebasse her?«

Pilger wusste nun mit bestem Willen nicht, was er sagen sollte, also fragte er zurück: »Woher hast du denn deine?«

»Meine Kalebasse stammt aus jener fernen Zeit, in der das große Urchaos sich gerade erst in Himmel und Erde aufteilte. Damals erschien der Höchste Alte Meister in Gestalt der Göttin Nüwa und schmolz Steine, um die Himmelskuppel zu flicken. Als er den Himmel bis zur Stelle des letzten Hexagramms Guai222 geflickt hatte, sah er am Hang des Kunlun-Gebirges eine göttliche Liane, an der eine rote Kalebasse aus Purpurgold wuchs. Diese Kalebasse hier ist keine andere als jene, die der Höchste Alte Meister Laozi überliefert hat.«

Da gab der Große Heilige zurück: »Meine kommt auch von dort.«

»Wie denn das?«

»Zu jener fernen Zeit, als sich eben erst das Reine vom Trüben getrennt hatte und der Himmel nach Nordwesten hin ebenso wie die Erde nach Südosten hin noch unvollständig war, weshalb der Höchste Alte Meister des Dao sich in die

Göttin Nüwa verwandelte, um die Lücke in der Himmelskuppel auszubessern, kam er zum Kunlun und fand am Berghang eine göttliche Liane, an der zwei Kalebassen wuchsen. Meine Kalebasse ist die männliche, deine die weibliche.«

»Ob männlich oder weiblich, Hauptsache, sie kann Menschen einsaugen!« versetzte der Dämon.

»So ist es«, bemerkte Pilger, »versuch du zuerst.«

Erfreut sprang der Unhold mit einem Satz in die Höhe, hielt seine Kalebasse hoch und schrie: »Sun Pilger!« Der Große Heilige antwortete in einem Atemzug an die acht, neun Mal hintereinander, doch nichts geschah. Der Dämon glitt nach unten, stampfte vor Wut auf den Boden und schlug sich mit der Faust an die Brust. »O Himmel!« schrie er, »das ist ja wie unter Menschen! Da fürchtet sich gar ein solcher Zauberschatz vor seinem Gatten; vor dem männlichen wagt das weibliche keine Menschen mehr einzusaugen!«

Pilger lachte und meinte: »Dann steck es ein, jetzt bin ich alter Sun an der Reihe!«

Im Wolkenüberschlag schnellte er hoch, hielt die Kalebasse mit der Öffnung nach unten über den Dämon und rief: »Großer König Silberhorn!«

Dem Unhold blieb nichts anderes übrig, als zu antworten. Augenblicklich war er in der Kalebasse, und Pilger versiegelte die Öffnung mit dem Papier, auf dem der Spruch stand: »Dringlicher Befehl des Höchsten Alten Meisters Laozi«.

»Na, mein Söhnchen«, meinte er stillvergnügt, »jetzt kannst du auch mal was Neues ausprobieren!«

Er senkte seine Wolke und schritt mit der Kalebasse stracks auf die Lotosgrotte zu. Weil der Pfad so uneben war, dass er beim Gehen wankte, schlenkerte die Kalebasse bei jedem Schritt hin und her und gluckerte dabei. Schon stand er vor dem Eingang. Wie er nun die Kalebasse schüttelte, gluckerte es noch mehr.

»Das ist ja wie einer dieser Becher mit den Bambusstäbchen zum Weissagen«, meinte Pilger, »da will ich doch mal weiterschütteln, bis ich rauskriege, wann mein Meister hier herauskommt.«

Seht, wie er unverwandt die Kalebasse schüttelt und beschwörende Formeln murmelt!

»König Wen vom Buche der Wandlung! Heiliger Konfuzius! Ehrenwerte Pfirsichblütenfrau! Meister vom Geistertal!« sprach er vor sich hin. Die Ungeheuer bei der Grotte hatten ihn beobachtet und meldeten: »Großer König, ein Unheil! Sun Pilger hat unseren zweiten König in die Kalebasse eingesaugt, und jetzt will er damit weissagen!«

Dem alten Goldhorn wollte vor Schrecken das Herz stillstehen; er brach zusammen und fiel verzweifelt schluchzend zu Boden.

»Ach, mein lieber Bruder!« heulte er, »zusammen haben wir die oberen Gefilde verlassen und uns der Welt des Staubes anvertraut; zusammen wollten wir Macht und Wohlstand genießen und ewig als Herren dieser Berge walten. Ach, dass du wegen dieses Priesters ums Leben kommen musstest, dass unsere unzertrennliche Brüderschaft zerstört wird!«

Alle Ungeheuer der Grotte stimmten aufheulend in seine Wehklage ein. Bajie, der gefesselt am Balken hing, konnte sich nicht halten zu rufen: »Lass das Geheul, du Scheusal! Nun ist dein Bruder halt tot, da hilft auch Heulen nichts. Scheure lieber den Herd und mach uns ein rechtes Klostermahl. Dann kannst du meinen Meister bitten, für deinen Bruder das Sutra der Reinkarnation zu lesen.«

Blindwütig fuhr der alte Dämon auf und wollte Bajie auf der Stelle braten lassen. Doch da meldete ein kleines Ungeheuer: »Sun Pilger steht schon wieder draußen und schimpft!«

Da bekam es der Alte mit der Angst zu tun. Er schickte seine Ungeheuer, zu schauen, welche Schätze noch übrig waren.

»Das Siebenstern-Schwert, der Palmfächer und die Jadevase sind noch da«, meldeten diese umgehend.

»Die Vase ist ja doch wertlos. Was andere hätte fangen sollen, hat meinen Bruder eingesaugt!« klagte der Dämon und rief: »Schnell, reicht mir Schwert und Fächer!«

Der Dämon steckte sich den Fächer in den Kragen, sprang mit gezücktem Schwert aus der Grotte und brüllte: »Du gemeiner Affe hast meinen Bruder ermordet und unsere brüderlichen Bande zerstört!«

»Du elendes Scheusal bist wohl lebensmüde«, schimpfte Pilger zurück, »lass sofort meinen Meister frei, dann lass ich dir dein Hundeleben!«

Ohne darauf einzugehen, richtete der Dämon das Schwert gegen ihn, während der Große Heilige ihm die Eisenstange entgegenhielt. Ihr Kampf dauerte an die zwanzig Runden, ohne dass eine Entscheidung fiel. Schließlich hielt der Dämon sein Schwert in die Höhe und rief seine Ungeheuer herbei, so

dass diese alle gleichzeitig losstürmten und Pilger umzingelten. Der Große Heilige aber bediente sich umgehend einer Außenkörper-Magie, indem er ein Büschel Pelzhaare mit dem Ruf »Verwandlung!« ausspuckte, so dass sich ein jedes in einen Pilger verwandelte, welche die Ungeheuer kreuz und quer in die Flucht schlugen.

»Großer König«, keuchten diese, »es steht schlimm, wir können nicht mehr! Der ganze Berg wimmelt von Pilger Suns!«

Erschrocken packte der Dämon mit der Linken sein Zauberschwert, zog mit der Rechten den Fächer hervor und hielt ihn gegen Süden, der Richtung der Himmelsstämme Bing und Ding, wo sich der Palast des Feuer-Trigramms Li befindet. Kaum hatte er den Fächer kräftig auf und ab bewegt, loderten auf der Stelle gleißende Flammen auf. Mit diesem Zauberfächer ließ sich nämlich auf dem nackten Boden Feuer entfachen, und zwar eine völlig andere Art von Feuer als dasjenige des Himmels oder das im Ofen. Es handelte sich um einen Funken jenes beseelten Lichts, das auf natürliche Weise den Fünf Wandlungsphasen entnommen war.

Während der Dämon nun seinen Fächer sieben, acht Mal auf und ab bewegte, verbreitete sich das Feuer in rasender Geschwindigkeit zum Flächenbrand, als würden Himmel und Erde in Flammen verzehrt. Angesichts dieser Feuersbrunst bekam es der Große Heilige nun doch mit der Angst zu tun. Sofort zog er alle Haare wieder zurück, nur eines behielt er als falschen Körper, den er vor den Flammen fliehen ließ. Er selbst aber sprang in einem Überschlag in die Höhe und sauste schnurstracks zur Lotosgrotte, wo er alle Ungeheuer kurz und klein schlug und dann ins Innere stürmte, um den Meister zu befreien. Doch da bemerkte er, dass es mitten in der Grotte feuerhell loderte. Erst beim näheren Hinsehen erkannte er, dass dies nicht von Flammen herrührte; es war vielmehr eine Art goldenes Licht. Als er direkt in die Helle blickte, sah er schließlich, dass das Leuchten von der Jadevase ausging. Er packte sie und rannte ins Freie. Doch kaum hatte er die Grotte verlassen, sah er, dass der Dämon mit gezücktem Schwert von Süden her auf ihn zuraste. Der Große Heilige vermochte ihm nicht mehr auszuweichen, schon hieb der alte Dämon mit dem Schwert auf ihn ein. Jäh schoss der Große Heilige mit einem Überschlag empor und war verschwunden.

Der Dämon kam zum Eingang seiner Grotte, wo er alles von Leichen übersät fand. Er konnte sich nicht halten und brach in lautes Heulen aus, voller Trauer und Verzweiflung. Zuletzt setzte er sich einsam in der Grotte nieder, bis er mit schwerem Kopf über einen Steintisch gebeugt einnickte. Der Große Heilige aber, der mitten in seinem Überschlag eine

Kehrtwendung gemacht hatte und vor dem Berg stehengeblieben war, band sich die Vase fest um die Hüften und kam abermals zur Grotte. Beide Torflügel standen weit offen, und alles war still. Drinnen fand er den Dämon in tiefem Schlaf, der Palmfächer lugte aus seinem Kragen, das Siebenstern-Schwert lehnte an der Tischkante. Auf leisen Sohlen schlich er hin, zog den Fächer heraus, machte kehrt und stürzte ins Freie. Schon war der Dämon erwacht und verfolgte ihn mit gezücktem Schwert. Doch der Große Heilige, der schon draußen war, steckte den Fächer in seinen Gürtel und stürmte, die Eisenstange mit beiden Händen schwingend, dem Dämon entgegen. Das war ein Kampf! So sah es aus:

Hin das Schwert,

Her die Stange!

Keiner lässt auf beiden Seiten

Hier noch Rücksicht walten!

Um den Schriftenholer einst ans Ziel zu führen,

Auf dem Seelenberg des Buddhas Thron zu ehren,

Müssen hier Metall und Feuer

Feindlich miteinander ringen,224

Und der Wandlungsphasen Wirren

Wird sie um die Eintracht bringen.

Beide glänzen sie in Heldenmut,

Alle Zauberkräfte sie entfalten;

Doch des Dämons Stärke schwindet,

Am Ende kann er nicht standhalten.

Nachdem der alte Dämon mit dem Großen Heiligen dreißig oder vierzig Runden ausgefochten hatte, konnte er sich nicht länger verteidigen und floh nach Südwesten, geradewegs in die Drachenjochgrotte.

Der Große Heilige aber rannte in die Grotte, wo er Tripitaka, Bajie und Sandmönch befreite. Glücklich bereiteten Meister und Schüler gleich in der Grotte eine Mahlzeit zu, sättigten sich und legten sich zur Ruhe, bis der Morgen dämmerte.

Doch lasst uns vom alten Dämon erzählen, der nun auf dem Drachenjochberg all die großen und kleinen Teufelinnen versammelte. Dann begab er sich mit ihnen auf die andere Seite des Berges, wo sich die Grotte des jüngeren Bruders seiner Mutter befand, der sich Großer Fuchskönig Aqi, der Siebte, nannte. Der versammelte seine dämonischen Krieger, während der alte Dämon die Teufelinnen kommandierte. So marschierten sie gemeinsam gen Nordosten. Wie der Große Heilige nun das Brausen eines nahenden Sturmwinds hörte, trat er aus der Grotte und sah, dass es eine Heerschar

dämonischer Krieger war, die von Südwesten her heranstürmten.

»Bruder!« rief er Bajie zu, »die Ungeheuer haben Verstärkung geholt!«

Rasch steckte er die Zauberschätze ein, packte seine Eisenstange, befahl Sandmönch, den Meister zu beschützen, und stürzte sich mit Bajie in den Kampf.

Die Ungeheuer hatten ihre Schlachtreihen aufgestellt, an der Spitze Fuchskönig Aqi. Dieser hatte ein jadeweißes Gesicht mit langem Backenbart, stählernen Augenbrauen und spitzen Ohren, schwang eine Hellebarde und schrie: »Weh dir, du tollkühner Zankaffe! Wie kannst du es wagen, jemanden derart zu betrügen! Los, halt deinen Hals hin und lass dich köpfen, damit ich meine Schwester rächen kann!«

»Du mit deiner haarigen Rotte!« schimpfte Pilger zurück, »keine Ahnung hast du von den Fähigkeiten deines Ahnherrn

Sun! Stillgestanden, lass dir eins mit der Stange verabreichen!«

Der Dämon aber stürmte mit der Hellebarde auf ihn los, und die beiden fochten auf dem Gipfel drei, vier Runden aus. Schon war es mit den Kräften des Unholds zu Ende, und er ergriff die Flucht. Als Pilger ihm nacheilte, wurde er von Goldhorn abgefangen, der nach drei weiteren Kampfrunden wieder vom Fuchskönig abgelöst wurde. Bajie hatte die Szene beobachtet und kam nun mit seinem Rechen zur Wehr. So dauerte das Gefecht lange an, ohne dass eine Entscheidung fiel. Schließlich schrie der alte Goldhorn ein Kommando, worauf sämtliche Ungeheuer gleichzeitig lospreschten, sie zu umzingeln. Gleichzeitig aber trat Sandmönch mit erhobenem Prunkstab aus der Grotte und schlug nun die ganze Horde in die Flucht. Angesichts der unvorteilhaften Lage nahm der Fuchskönig Reißaus, doch Bajie konnte ihn einholen und hieb ihm den Rechen über den Rücken, dass er tot hinfiel. Als er die Leiche heranschleifte, konnte man sehen, dass es ebenfalls ein Fuchs gewesen war.

Als Goldhorn merkte, dass sein Onkel getötet worden war, ließ er von Pilger ab und fuhr mit gezücktem Schwert auf Bajie los, der dem Hieb jedoch mit seinem Rechen standhielt. Als nun mitten im Gefecht Sandmönch mit dem Prunkstab zu Hilfe kam, vermochte der Dämon nicht länger standzuhalten und stob als Windstoß gen Süden, Bajie und Sandmönch dicht auf seinen Fersen. Da schnellte der Große Heilige hoch, löste die Jadevase vom Gürtel, hielt sie mit der Öffnung zum Dämon hin und schrie: »Großer König Goldhorn!«

Der Dämon stob als Windstoß gen Süden, Bajie und Sandmönch dicht auf seinen Fersen.

Im Glauben, ein Ungeheuer seiner Grotte hätte ihn gerufen, wandte sich Goldhorn um, gab Antwort, und schon war er in die Vase eingesogen. Als Pilger sie mit der Bannformel versiegelte, fiel das Siebenstern-Schwert in den Staub hinunter. So kam auch dieser Schatz zu Pilger. Nun waren alle unheilvollen Kräfte ausgerottet, und Pilger rief, zurück in der Grotte, Tripitaka die frohe Botschaft zu: »Der Berg ist rein, es gibt keine Dämonen mehr! Steigt aufs Pferd, wir können weiterreisen.«

Tripitaka war außer sich vor Freude. Nachdem sie gefrühstückt hatten, eilten sie weiter dem Westen entgegen. Während sie voranschritten, tauchte am Wegrand auf einmal ein Blinder auf, ergriff die Zügel und sprach: »Wo wollt ihr denn hin, ihr Mönche? Gebt mir meine Zauberschätze zurück!«

Als Pilger genauer hinsah, erkannte er den Höchsten Alten Meister Laozi. Eilends grüßte er ihn mit einer höflichen Geste und fragte: »Na, wohin des Weges, ehrwürdiger Herr?«

Da schwebte der Alte auf einen Jadethron und rief aus der Höhe des neunten Himmels herunter: »Pilger Sun! Gib mir meine Schätze zurück!«

Der Große Heilige stieg ebenfalls empor und fragte: »Welche Schätze denn?«

Laozi erklärte: »Die Kalebasse diente mir zum Aufbewahren der Pillen der Unsterblichkeit, die Vase brauche ich als Wasserbehälter; mit dem Zauberschwert läutere ich Dämonen, mit dem Fächer fache ich das Feuer an, und das Seil brauche ich, mein Bündel zu schnüren. Die beiden Dämonen aber sind meine Diener, der eine hütet meinen Goldofen, der andere meinen Silberofen. Die beiden haben mir meine Schätze gestohlen und sich in die unteren Sphären abgesetzt; ich wusste gar nicht mehr, wo suchen, da sehe ich, dass ihr sie schon festgenommen habt.«225

»Aber mein Herr«, versetzte Pilger, »wenn Ihr zulasst, dass Eure Diener auswärts ihr Unwesen treiben, dann müsst Ihr eigentlich wegen Nachlässigkeit bestraft werden!«

»Das hat nichts mit mir zu tun!« gab Laozi zurück. »Das ist nur eines der Leiden, die euch widerfahren müssen. Ohne diese könnt ihr die wahre Frucht der Erlösung gar nicht erlangen.«

Der Große Heilige verstand. »Nun, da Ihr schon persönlich gekommen seid, will ich Euch die Sachen zurückgeben«, meinte er.

Laozi nahm die fünf Zauberschätze in Empfang. Als er die Kalebasse und die Vase entkorkte, stieg aus beiden ein göttlicher Odem, der sich auf einen Fingerzeig in zwei Diener verwandelte, die Laozi zur Seite standen. Da war nur noch strahlendes Licht zu sehen. So war es in der Tat:

Den fernen Tusita-Hallen

Steigen sie im Dunst entgegen;

Hoch zum Daluo-Himmel

Frei und heiter sie entschweben.

Und da wir nicht wissen, was im Folgenden noch alles geschehen sollte, lasst uns das nächste Kapitel anhören.