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054 Im Westen kommt das Wahre Wesen ins Frauenland / Der Herzaffe weiß dem Liebreiz zu entkommen

Wie berichtet wurde, hatten sich Meister und Schüler von den Leuten im Dorf verabschiedet und reisten nun weiter gegen Westen, wo sich in einer Entfernung von dreißig bis vierzig Meilen die Hauptstadt des Landes Xiliang befand.

»Wukong«, rief Tripitaka hoch zu Ross und wies nach vorn, »wir nähern uns einer umwallten Stadt. Sicher ist dies das Frauenreich Xiliang. Nehmt Euch in Acht! Ihr dürft Euch keinesfalls gehenlassen.«

Die drei Schüler versprachen, sich an die Worte des Meisters zu halten. Sie hatten noch nicht ausgesprochen, als sie bereits auf die Straße zum Stadttor gelangten. Hier trugen alle Menschen lange Röcke und kurze Blusen, ihre Gesichter waren geschminkt und gepudert, die Haare geölt, und alle, ob alt oder jung, waren ausnahmslos weiblichen Geschlechts. Als die Frauen, die auf der Straße Handel trieben, die vier Ankömmlinge erblickten, klatschten sie in die Hände, lachten fröhlich, machten sich hübsch und riefen: »Menschensamen sind da, Menschensamen!«

In kürzester Zeit füllte sich die ganze Straße, und ringsum hörte man nichts als freudiges Gelächter. Tripitaka kam mit seinem Pferd nicht mehr weiter. »Ich bin ein Zuchteber!« schrie Bajie in die Menge, »ich bin ein Zuchteber!«

»Mach keine Faxen, du Tölpel!« wies ihn Pilger zurecht, »zeig lieber mal deine alte Fratze, das reicht.«

Da warf Bajie tatsächlich den Kopf zweimal hoch, stellte seine Fächerohren auf, schwenkte seine hervorstehende Schweineschnauze hin und her und gab ein lautes Grunzen von sich, so dass die Frauen Hals über Kopf das Weite suchten.

Dazu gibt es ein Gedicht:

Auf dem Weg zu Buddha kommt

Der heilige Mönch ins Frauenland,

Das Land ist reich an reinem Yin,

Doch mangelt es hier sehr an Yang.

Hier sind Arbeiter wie Bauern,

Gelehrte und Händler lauter Frauen;

Damen fischen, holzen und hüten,

In Putz gar jene, die Felder bebauen.

Bezaubernde Dirnen rufen am Weg:

Menschensamen sind da, oh, seht!

Junge Damen strömen herbei,

Zu schauen, wer der Geliebte sei.

Wer hat wohl in fernen Weiten

Heut oder in alten Zeiten

Schon solch einen sonderbaren

Ort wie diesen je befahren?

Wie der Priester mit seinen Schülern weiter vorwärtsging, sahen sie gepflegte Häuser an der Marktstraße, in deren schmucken Geschäften genau wie anderswo Reis, Salz, Wein und Tee feilgeboten wurde. Nachdem sie sich eine Zeitlang ihren Weg durch verwinkelte Gassen gebahnt hatten, erblickten sie auf einmal eine Beamtin, die am Straßenrand stand und ihnen mit lauter Stimme zurief: »Weitgereiste Gesandte! Es ist nicht erlaubt, unangemeldet in die Stadt zu dringen. Bitte begebt euch in die Poststation und tragt euch dort ins Register ein. Sobald der Eintrag am Hofe geprüft worden ist, könnt ihr weiterreisen.«

Auf diese Worte stieg Tripitaka vom Pferd und gewahrte nun über dem Eingang des Amtshauses eine Tafel, auf der in drei Schriftzeichen geschrieben stand: » 迎陽驛 – Poststation zum Yang-Empfang«.

»Wukong«, wandte er sich an Pilger, »es stimmt, was uns die Leute vom Weiler erzählt haben; hier gibt es tatsächlich eine Station zum Yang-Empfang.«

Sandmönch lachte: »Na, zweiter Bruder, geh doch zum Embryospiegel und schau, ob du dich doppelt siehst!«

»Unsinn«, versetzte Bajie unwirsch, »ich hab doch schon abgetrieben, wozu soll ich mich noch spiegeln?«

Tripitaka mahnte die beiden zur Achtsamkeit, dann trat er auf die Beamtin zu und grüßte mit einer höflichen Verneigung. Die Frau geleitete sie in die Poststation, hieß sie Platz nehmen und ließ Tee auftragen. Nun sah man, dass auch ihre Untergebenen ausnahmslos Frauen waren, von Kopf bis Fuß in weiblicher Ausstattung.

Seht nur, wie gar jene, die den Tee einschenken, kichern!

Als man den Tee getrunken hatte, fragte die Beamtin: »Woher kommen die werten Gesandten?«

Pilger antwortete: »Wir Mönche pilgern auf Geheiß des Kaisers von China im fernen Osten zu Buddha in den Westhimmel, um Heilige Schriften zu holen. Mein Meister ist mit dem Kaiser verbrüdert und heißt Tripitaka. Wir drei sind seine Schüler, das Pferd dazugezählt, sind wir zu fünft unterwegs. Wir haben einen Reisepass dabei und bitten Euch, ihn zu begutachten, damit wir weiterreisen können.«

Nachdem die Beamtin das Gesagte mit einem Pinsel niedergeschrieben hatte, trat sie hinter dem erhöhten Pult hervor, vollzog einen Stirnaufschlag und sprach: »Werter Herr, verzeiht meine Nachlässigkeit. Ich geringe Beamtin bin nur die Vorsteherin der Station zum Yang-Empfang und wusste nicht, dass die werten Herren aus dem großen Kaiserreich stammen. Entschuldigt, dass ich euch nicht gebührend empfangen habe!«

Dann stand sie auf, befahl einer Gehilfin, für Essen und Trinken zu sorgen, und sprach zu Tripitaka: »Ich werde euren Besuch nun bei der Königin melden. Dann könnt ihr euren Reisepass abstempeln lassen, und wir werden euch mit Proviant versorgen und euch auf den Weg nach Westen geleiten.«

Die Stationsvorsteherin brachte Gewand und Kopfputz in Ordnung und begab sich vor die Tore des Königshofes, wo sie der Palastwache meldete: »Die Stationsvorsteherin bittet die Königin wegen einer Angelegenheit zu sprechen.«

Umgehend brachte die Wächterin die Meldung vor den Thron, worauf die Königin sie vorlud und nach dem Grund ihres Kommens fragte.

»Ich geringe Stationsbeamtin habe eben einen gewissen Priester Tripitaka aus dem Osten in Empfang genommen, der mit dem Kaiser von China verbrüdert ist. Er ist mit drei Schülern und einem Pferd zu fünft unterwegs, und sie wollen zu Buddha im Westhimmel, um Heilige Schriften zu holen. Darum möchte ich erlauchte Majestät anfragen, ob es genehm wäre, deren Pass abzustempeln und sie weiterziehen zu lassen?«

Da wandte sich die Königin erfreut an ihre zivilen und militärischen Beamtinnen und sprach: »Vergangene Nacht erschien mir im Traum ein goldener Paravent, der in allen Farben schillerte, und ein jadener Spiegel, aus dem Licht strahlte. Sicher waren dies Omen des frohen Ereignisses.«

Da neigten sich ihre Hofbeamtinnen vor der zinnoberroten Throntreppe und fragten: »Was meinen erlauchte Majestät mit dem frohen Ereignis?«

Da antwortete die Königin: »Dieser Mann aus dem Osten ist mit dem Kaiser verbrüdert. In unser Reich aber ist seit dem Ursprung der Welt über alle Dynastien hinweg noch nie ein Mann gekommen. Das Glück, dass wir heute einen Verbrüderten des Kaisers von China hier empfangen dürfen, ist uns gewiss vom Himmel geschenkt. Darum will ich diesem

kaiserlich Verbrüderten alle Schätze unseres Landes vermachen, ihn als König hierbehalten und ihm willig als Königin folgen. Dann können wir Yin und Yang vereinen, Kinder und Kindeskinder bekommen, und unser Königreich wird ewiglich Bestand haben. Ist das nicht ein frohes Ereignis?«

Mit anmutigen Verbeugungen gaben die Hofbeamtinnen ihrer Zustimmung Ausdruck, und alle waren überglücklich. Da meldete sich die Stationsvorsteherin aufs Neue und sprach: »Eurer Majestät Ansinnen ist gut; dieser Plan wird über Tausende von Generationen Bestand haben. Zu bedenken wäre allein, dass dieser kaiserlich Verbrüderte drei grimmige Schüler hat, die äußerst garstig anzuschauen sind.«

»Wie sehen sie denn aus?« wollte die Königin wissen.

»Der kaiserlich Verbrüderte selbst hat ein ebenmäßiges Antlitz; er ist von stattlichem Wuchs und charmantem Auftreten, wirklich wie ein Mann aus einem Kaiserreich, eine wahre Persönlichkeit aus dem fernen China vom Kontinent Jambudvipa. Seine Schüler jedoch sehen so fürchterlich aus, als wären es Ungeheuer oder Dämonen.«

»Dann behalten wir einfach den kaiserlich Verbrüderten hier; seinen Schülern geben wir Proviant für die Weiterreise, stempeln ihren Reisepass ab und lassen sie gen Westen ziehen. Das sollte doch machbar sein?« meinte die Königin.

Die Hofbeamtinnen verneigten sich und sprachen: »Höchst

angemessen ist die Rede erlauchter Majestät! Eure Untertaninnen folgen Eurem Geheiß! Nur kann ja nun mal keine Vermählung ohne Vermittlerin geschlossen werden, denn so heißt es doch seit alters her: ›Mit dem roten Blatt wird einer Ehe recht getan; mit dem roten Band verknüpft der Mondherr Frau und Mann.‹«303

Da erwiderte die Königin: »Schicken wir doch die Präzeptorin als Vermittlerin und die Stationsvorsteherin als Leiterin der Hochzeitsfeier vorab in die Station, um dem kaiserlich Verbrüderten den Heiratsantrag darzubringen. Sobald er sein Einverständnis gegeben hat, werden wir eine Eskorte schicken und ihn vor dem Stadttor in Empfang nehmen.«

Die Präzeptorin und die Vorsteherin versprachen zu tun wie geheißen und verließen den Palast.

Doch berichten wir nun von Tripitaka, der gerade mit seinen Schülern eine Mahlzeit genoss, als sie draußen jemanden rufen hörten: »Die Palastpräzeptorin und unsere Vorsteherin sind da!«

»Die Präzeptorin, was hat dies wohl zu bedeuten?« fragte Tripitaka.

»Wahrscheinlich werden wir bei der Königin vorgeladen«, mutmaßte Bajie.

»Nicht vorgeladen«, warf Pilger ein, »zur Hochzeit geladen!«

»Wukong«, ängstigte sich Tripitaka, »was tun wir bloß, wenn sie uns zur Heirat zwingen wollen?«

»Ach Meister, willigt doch einfach ein, ich alter Sun werde schon meine Mittel haben.«

Sie hatten kaum zu Ende gesprochen, als die beiden Staatsdienerinnen schon herantraten und sich vor dem Priester verneigten. Dieser erwiderte ihre Begrüßungsgeste und sprach: »Wie habe ich geringer Mönch als einfacher Jünger Buddhas die Verneigung der hohen Damen verdient?«

Als die Präzeptorin Tripitakas edles Antlitz erblickte, dachte sie erfreut: »Welch ein Glück für unser Land! Ein solcher Mann passt wahrhaftig als Gemahl unserer Königin.«

Nachdem sie sich erhoben und zu beiden Seiten aufgestellt

hatten, sprachen die Staatsdienerinnen: »Verehrter Verbrüderter des Kaisers! Wir dürfen Euch eine überaus frohe Botschaft überbringen!«

»Wie kann mir Jünger Buddhas solch frohe Botschaft zukommen?«

Die Präzeptorin verneigte sich und sprach: »In unser entlegenes Reich Xiliang ist noch niemals ein Mann gekommen. Da nun Ihr, werter kaiserlich Verbrüderter, Euch zu uns herniedergelassen habt, darf ich Euch heute den Heiratsantrag unserer Königin überbringen!«

»Gütiger Himmel!« stieß Tripitaka hervor, »ich geringer Mönch habe nur drei Schüler in Eure werten Lande mitgebracht, nun weiß ich nicht, welchem von ihnen die hohen Damen diesen Heiratsantrag bringen?«

»Geringe Beamtin hat Euch eben vor dem Throne angemeldet, und da war unsere Königin hocherfreut«, erklärte die Vorsteherin. »Sie sagte, in der Nacht sei ihr ein glückverheißender Traum erschienen, von einem goldenen Paravent, der in allen Farben schillerte, und einem jadenen Spiegel, aus dem Licht erstrahlte. Als sie dann vernehmen durfte, dass Ihr, kaiserlich Verbrüderter, aus dem großen chinesischen Kaiserreich stammt, hat sich unsere Königin entschieden, Euch den Reichtum unseres ganzen Landes anzubieten und Euch, werter Verbrüderter des chinesischen Kaisers, zum Gemahl zu nehmen, auf dass Ihr mit Blick gen Süden als König walten und unsere Königin Euch als Gemahlin zur Seite stehen möge. Sie hat die Präzeptorin zur Ehevermittlerin und mich geringe Beamtin zur Leiterin der Hochzeitsfeierlichkeiten ernannt. Aus diesem Grunde sind wir gekommen, Euch diesen Heiratsantrag zu unterbreiten.«

Als Tripitaka dies vernommen hatte, starrte er sprachlos zu Boden.

»Ein rechter Mann sollte eine gute Gelegenheit nicht ungenutzt vergehen lassen«, doppelte die Präzeptorin nach. »Dass ein Mann gebeten wird, ins Haus der Braut zu ziehen, mag bisweilen vorkommen, doch dass dafür der gesamte Reichtum eines Landes geboten wird, ist einmalig auf dieser Welt. Wir bitten Euch, Verbrüderter des Kaisers, gebt so bald als möglich Euer Einverständnis, damit wir es der Königin mitteilen können.«

Dem Priester aber hatte es die Sprache verschlagen.

Stattdessen reckte nun Bajie seine Schnauze wie einen Stößel vor und rief: »Präzeptorin, geht und meldet der Königin, dass mein Meister ein Arhat ist und sich lange Zeit in der Vervollkommnung geübt hat. Er hält nichts vom Reichtum Eures Landes, und für Frauen hat er nichts übrig, egal wie entzückend sie sind. Am besten setzt Ihr ihm gleich den Stempel in den Reisepass und lasst ihn in den Westen ziehen, dann könnt Ihr ja mich als Bräutigam hierbehalten, oder?«

Der Präzeptorin war so fassungslos, dass sie gar keine

Antwort zu geben wagte. Schließlich sprach die Stationsvorsteherin: »Zwar habt auch Ihr den Körper eines Mannes, doch seid Ihr einfach zu unansehnlich, das würde unserer Königin missfallen.«

Bajie lachte und meinte: »Ihr seid einfach zu festgefahren. So heißt es doch im Volksmund: Dicke Zweige werden zur Worfel, dünne zum Weidenkorb – Hässlichkeit ist doch beim Manne kein Grund zum Anstoß!«

»Tölpel, lass den Quatsch!« versetzte Pilger, »der Meister soll selbst entscheiden. Wenn er will, dann soll es gelten, wenn nicht, dann eben nicht. Halten wir uns nicht länger auf.«

»Wukong«, wandte sich Tripitaka an Pilger, »was sollte ich deiner Meinung nach tun?«

»Nun, von mir aus gesehen ist es ganz in Ordnung, wenn Ihr hierbleibt. So heißt es doch seit alten Zeiten: ›Heirat über tausend Meilen hängt an unsichtbaren Banden.‹ Wo wollt Ihr etwas Passenderes finden als das?«

»Aber mein Schüler«, wandte Tripitaka ein, »wer soll denn in den Westen gehen und die Heiligen Schriften holen, wenn wir hier der Versuchung des Reichtums verfallen? So werden wir unseren Kaiser in China um seine hohen Erwartungen enttäuschen!«

»Verehrter Verbrüderter des Kaisers«, sprach die Präzeptorin, »der Antrag unserer Königin betrifft nur Euch allein. Eure Schüler werden nach dem Verlobungsbankett mit Proviant versorgt, ihr Reisepass wird abgestempelt werden, und so können sie für Euch im Westen die Heiligen Schriften besorgen!«

»Ihr habt recht, Präzeptorin«, meinte Pilger nun, »wir drei brauchen Euch nicht zur Last zu fallen. Unseren Meister lassen wir Euch gerne als Gemahl der Königin hier. Macht uns so bald als möglich den Stempel in unsren Pass und lasst uns gen Westen ziehen. Wenn wir dann mit den Schriften zurückkehren, werden wir das Königspaar besuchen und die nötigen Reisespesen für die Rückkehr nach China erbitten.«

Da verneigten sich die Präzeptorin und die Stationsvorsteherin vor Pilger und sprachen: »Dank sei Euch, werter Meister, für Euer Mitwirken zum Erfolg!«

»Aber Präzeptorin«, warf Bajie ein, »das Bankett bitte nicht nur mündlich! Wenn wir schon einverstanden sind, dann lasst Eure Königin gleich jetzt die Tafel herrichten und mit uns einen Kelch erstklassigen Weines genießen!«

»Ja, gewiss, das wird gemacht«, beeilte sich die Präzeptorin zu antworten, »wir lassen sogleich ein Bankett zubereiten.«

Wie die Präzeptorin nun mit der Vorsteherin freudestrahlend zur Königin ging, sei hier nicht weiter ausgeführt.

Erzählen wir stattdessen vom Priester, der Pilger jetzt mit einem Griff packte und schimpfte: »Du Affenschädel! Willst du mich eigentlich umbringen! Wie kannst du mich hier heiraten lassen, während ihr zu Buddha geht? Eher sterbe ich, als so etwas zu tun!«

»Meister, beruhigt Euch«, beschwichtigte ihn Pilger, »ich alter Sun weiß doch, wie Euer Sinn steht! Allein, da wir nun mal hier sind und mit diesen Menschen zu tun haben, müssen wir uns vorerst fügen.«

»Was heißt hier fügen?« fuhr Tripitaka auf.

Pilger erklärte: »Wenn wir uns jetzt offen zur Wehr setzen, werden sie uns den Reisepass nicht abstempeln und uns nicht weiterziehen lassen. Und falls die Ablehnung gar den Zorn der Königin erregen sollte, könnte sie die Menge versammeln, um wirklich aus Eurem Fleisch Duftsäckchen oder sonst was zu machen. Ihr glaubt doch nicht, wir würden das durchgehen lassen? Natürlich würden wir gegen die Leute kämpfen. Doch Ihr wisst ja, dass wir hart zugreifen und schwere Waffen benutzen, und hier haben wir es ja nicht mit Dämonen und Ungeheuern zu tun, sondern mit Menschen. Gerade Ihr, der Ihr stets barmherzig sein und keiner Seele etwas zuleide tun wollt, wie könntet Ihr es ertragen, wenn wir auf einmal zahllose Menschen töten?«

»Deine Worte zeugen von sehr guter Absicht, Wukong«, meinte Tripitaka nun. »Allein, was soll ich tun, wenn die Königin mich in ihre Brautkammer führt und mit mir den ehelichen Ritus vollziehen will? Wie könnte ich als Jünger Buddhas je meine Tugend ablegen und meinen Leib der Erdenwelt verfallen lassen?«

»Nun habt Ihr ja zur Heirat eingewilligt«, meinte Pilger, »also wird Euch die Königin gewiss mit ihrer Kutsche vor dem Stadttor abholen. Wehrt Euch nicht, sondern setzt Euch einfach ins königliche Gefährt und anschließend mit Blick gen Süden auf den Thron. Dann aber sollt Ihr die Königin bitten, das Palastsiegel zu holen, uns drei Ordensbrüder mit dem Pass antreten zu lassen und den Siegelstempel aufzudrücken. Gleichzeitig können sie dann das Bankett zubereiten, während wir die Königin beglückwünschen und so tun, als würden wir von Euch Abschied nehmen. Wenn dann nach dem Bankett wieder die Kutsche bereitgestellt wird, sagt Ihr einfach, Ihr möchtet uns noch zum Abschied aus der Stadt hinausbegleiten und würdet Euch anschließend mit der Königin vereinigen. So werden sich die Königin und der ganze Hofstaat im Glück wähnen, und keiner wird daran denken, Euch irgendwie zu hindern. Sobald Ihr aber außerhalb der Stadt seid, steigt Ihr aus der Kutsche aus, und während Sandmönch Euch in den Sattel hilft, werde ich alter Sun einen Bannzauber ausführen, mit dem die Königin und ihr Gefolge an Ort und Stelle festgebannt werden. So reisen wir einfach weiter gen Westen, und wenn wir dann einen Tag und eine Nacht gewandert sind, spreche ich die Formel zur Auflösung des Zaubers, so dass die Königin und ihr Gefolge aus der Erstarrung erwachen und in die Stadt zurückkehren können. Auf diese Weise kommt erstens niemand zu Schaden, und zweitens bleibt Euer Ursprungsgeist unversehrt. Das nennt sich die Strategie, mit falscher Heirat dem Netz zu entkommen. So ist doch allen geholfen, oder?«

Tripitaka fühlte sich, als würde er aus einem Rausch erwachen, ja als wäre ein böser Traum zu Ende. Er dankte Pilger in einem fort und sprach: »Oh, wie dankbar bin ich um deinen klugen Plan, mein werter Schüler!«

Wie sich die vier nun einhellig absprachen, sei hier nicht weiter ausgeführt.

Lasst uns stattdessen berichten, wie die Präzeptorin zusammen mit der Stationsvorsteherin in den Palast zurückkehrte und der Königin meldete: »Der Traum Eurer Majestät hat sich bewahrheitet, die Freuden der Liebe werden sich erfüllen!«

Ein frohes Lächeln erhellte das Gesicht der Königin, und sie erkundigte sich: »Was hat denn der kaiserlich Verbrüderte gesagt?«

»Nachdem wir uns in der Station vor ihm verneigt und die

Angelegenheit dargelegt hatten, hegte der kaiserlich Verbrüderte anfangs noch Bedenken, doch zum Glück war sein ältester Schüler sehr offen und zeigte sich einverstanden, seinen Meister erlauchter Majestät als Gemahl hierzulassen. Er hat nur gebeten, erst ihren Reisepass abzustempeln, damit die Schüler westwärts ziehen könnten, und er sagte, wenn sie auf dem Rückweg mit den Schriften wieder hier vorbeikämen, würden sie beim Königspaar vorsprechen und um Unterhalt für ihre Rückkehr nach China bitten.«

»Und was hat der kaiserlich Verbrüderte sonst noch gesagt?« fragte die Königin lächelnd.

»Er selbst hat nicht gesprochen«, antwortete die Präzeptorin, »doch willigte er ein. Sein zweiter Schüler allerdings hat verlangt, dass wir zuvor noch ein Bankett mit erstklassigem Wein veranstalten.«

Umgehend schickte die Königin der Hofküche den Befehl, ein Festmahl zuzubereiten. Gleichzeitig ließ sie die Kutsche bereitstellen, um den Bräutigam vor dem Stadttor abzuholen. Dienstfertig führten ihre Hofbeamtinnen die Befehle aus, ließen die Palasthalle auskehren und die Festtafel aufstellen. In der Hofküche wurden in Windeseile die Speisen zubereitet, während die Verantwortlichen der Equipage umgehend die Kutsche bereitstellen ließen.

Und seht, obschon in Xiliang Frauen am Werk waren, stand die Pracht der königlichen Kutsche derjenigen im chinesischen Kaiserreich um nichts nach!

So war es in der Tat:

Sechs Drachen, Farben speiend,

Führen die Kutsche heran;

Zwei Phönixe, Glück verheißend,

Besteigen das schöne Gespann.304

Silberhelles Klingeln

Schallt durch den ganzen Hof,

Wunderschöne Schleier

Wehen zum Himmel hoch.

Scharen von Amtsträgerinnen

Mit jadnen Fisch-Emblemen

Und reichgeschmückten Haaren

Geordnet in Reihen stehen.

Hier trank nie zuvor ein Paar

Gemeinsam Hochzeitswein;

Doch heute geht die Königin

Den Bund der Ehe ein!

Es dauerte nicht lange, da fuhr die königliche Equipage aus dem Stadttor und hielt bald vor der Station zum Yang- Empfang. Unverzüglich begab sich die Vorsteherin zu Tripitaka und meldete: »Die Königin ist da!«

Tripitaka und seine Schüler strichen ihre Gewänder zurecht und traten zur Begrüßung hinaus. Da rollte die Königin den Vorhang hoch, stieg aus und fragte: »Wer ist der Verbrüderte des Kaisers von China?«

Die Präzeptorin deutete auf Tripitaka und sprach: »Derjenige in der bestickten Robe, der vor dem Altartisch steht.«

Mit Phönixaugen blickte die Königin zu ihm hin, hob ihre zarten Brauen und ließ den Blick auf Tripitaka ruhen. Wahrhaftig, er war von ausgezeichneter Gestalt. Je länger sie ihn betrachtete, desto mehr war sie ihm zugetan. Unversehens regte sich ihre Lust, bis sie mit betörten Sinnen ihre kirschenroten Lippen leicht öffnete und hauchte: »Kaiserlicher Bruder aus China, was zögert Ihr, Euren Phönix zu reiten?«

Tripitaka, dem von diesen Worten die Schamröte ins Gesicht stieg, blieb verdattert stehen und wagte den Blick nicht mehr anzuheben. Bajie hingegen, der neben ihm stand, reckte die Schnauze hoch und heftete seinen Blick auf die Königin. Sie war in der Tat von außerordentlicher Schönheit, als käme hier

Chang’e, die Osmanthus-Fee,

Vom Mondpalast ins Erdenreich;

Oder gar die Königinmutter

Der Pfirsiche vom Jaspisteich!

Während der Tölpel die entzückende Erscheinung anstarrte, lief ihm das Wasser im Mund zusammen, und sein Herz pochte wie wild. Einen Moment lang war ihm weich in den Knien, dass er schmachtete wie ein Schneelöwe am Feuer.

Nun trat die Königin auf Tripitaka zu, legte ihm den Arm um die Schultern und säuselte: »Verehrter Bruder, steige nur ein und fahre mit mir zur Audienzhalle, damit wir uns vermählen können!«

Der Priester zitterte und bebte, dass er sich kaum mehr aufrecht halten konnte; er war wie im Rausch.

Pilger rief ihm zu: »Meister, seid nicht allzu bescheiden! Steigt einfach mit der Dame ein und seht zu, dass unser Reisepass so bald wie möglich abgestempelt wird, damit wir die Heiligen Schriften holen können.«

Da blieb Tripitaka nichts anderes übrig, als mit erzwungenem Lächeln voranzuschreiten, bis er schließlich Hand in Hand mit der Königin das mit Drachen geschmückte Königsgefährt bestieg. Als alle zivilen und militärischen Beamtinnen sahen, wie ihre Königin die Kutsche bestieg und mit Tripitaka Schulter an Schulter Platz nahm, erhellten sich ihre Gesichter mit freudigem Lächeln. Schließlich machte die ganze Gefolgschaft mit Bannern und Flaggen rechtsum kehrt und begab sich in die Stadt zurück.

Der Große Heilige aber hieß Sandmönch die Bündel aufbuckeln und das Pferd am Halfter führen; so folgten sie der königlichen Eskorte. Bajie aber rannte wie verrückt nach vorn und kam als Erster beim Palasttor an, wo er schrie: »Wie romantisch! Wie unverblümt! Das ist doch unmöglich, das kann doch nicht wahr sein, erst muss der Hochzeitswein her, bevor der Bräutigam reinkommt!«

Die Frauen der Eskorte waren so erschrocken, dass sie sich nicht weiter vorwärts trauten. Sie eilten zur Kutsche und meldeten der Königin: »Majestät, derjenige mit der langen Schnauze und den großen Ohren schreit vor dem Palasttor nach Hochzeitswein!«

Da lehnte sich die Königin an Tripitaka, schmiegte ihre zarte Wange an die seine und flüsterte: »Verehrter Bruder, welcher deiner Schüler ist dieser Langschnäuzige mit den großen Ohren?«

»Der zweite«, antwortete Tripitaka. »Er hat von Natur aus einen sehr großen Appetit und liebt nahrhafte Speisen. Wir sollten ihm Wein und ein paar Gerichte auftischen, bevor wir die Ehe vollziehen.«

Sofort erkundigte sich die Königin: »Ist die Hofküche mit dem Bankett schon fertig?«

»Alles steht im Ostflügel bereit«, antwortete die zuständige Beamtin, »getrennt in fleischhaltige und vegetarische Kost.«

»Weshalb getrennt?« fragte die Königin.

»Eure Untertanen befürchten, dass der kaiserlich Verbrüderte aus China und seine Schüler fleischlose Kost gewohnt sind. Darum haben wir die Tafel in zweierlei Gerichte aufgeteilt.«

Da wandte sich die Königin mit bezauberndem Lächeln an Tripitaka und fragte: »Isst du vegetarisch, mein Lieber?«

»Ich einfacher Mönch nehme ausschließlich Klosterkost zu mir; meine Schüler allerdings trinken mitunter etwas Wein dazu.«

Kaum hatte er zu Ende gesprochen, kam die Präzeptorin und meldete: »Das Brautpaar möge sich im Ostflügel an die Festtafel setzen. Heute stehen die Sterne äußerst günstig zur Vermählung mit dem verehrten Verbrüderten des Kaisers. Morgen aber ist ein Glückstag des Himmels, dann mag der kaiserlich Verbrüderte den Thron besteigen und eine neue Ära begründen.«

Freudestrahlend stieg die Königin, eng an Tripitaka geschmiegt, aus dem Königswagen und trat mit ihm Hand in Hand in den Palast.

Im Winde wehen holde Klänge

Von den hohen Türmen nieder;

Durchs Palasttor fährt die Kutsche,

Geschmückt mit Eisvogelgefieder.

Türme und Paläste rings aufragen,

Nicht minder als in Chinas Kaiserreich,

Den hehren Jadehallen alter Zeiten

Und gar dem Goldpferd-Tore gleich!305

Als sie beim Ostflügel ankamen, sahen sie

Ein Orchester mit Gesang

Zur Mundorgel vollem Ton;

Rote Wangen in zwei Reihen,

Alle so bezaubernd schön!

In der Mitte der Haupthalle standen zwei reichgedeckte Tische bereit, beim Ehrenplatz linker Hand waren vegetarische Gerichte angerichtet, beim Ehrenplatz rechter Hand allerlei fleischhaltige Speisen. In den Reihen zu beiden Seiten waren nur Einzeltische. Nun zupfte die Königin den Ärmel ihres Gewandes zurück und erhob mit ihren zarten Fingern eine jadene Trinkschale, um das Bankett zu eröffnen. Doch da trat Pilger heran und sagte: »Wir essen alle vier vegetarisch. Bitte lasst erst unseren Meister linker Hand am vegetarischen Tisch Platz nehmen, wir Schüler können dann drei Plätze in der linken Seitenreihe einnehmen.«

»Ja, so ist es recht«, sprach die Präzeptorin, »Meister und Schüler stehen zueinander wie Vater und Sohn, daher ziemt es sich nicht, dass sie Schulter an Schulter nebeneinander sitzen.«

Eilends rückten die Palastdienerinnen die Tische um. Nun trank die Königin einem nach dem anderen zu und eröffnete damit das Bankett. Pilger bedeutete dem Priester mit einem Blick, das Zutrinken zu erwidern. Da stieg auch Tripitaka von seinem Sitz, erhob die Jadeschale und trank der Königin zu. Nachdem der gesamte zivile und militärische Beamtenstab einen Dankeskotau vollzogen hatte, nahmen alle ihren Rängen gemäß die Plätze zu beiden Seiten ein, worauf die Musik verstummte und das Bankett begann. Bajie langte wieder einmal ohne jegliche Rücksicht zu und hatte bald alles, was auf seinem Tisch stand, aufgefressen. Hinterher leerte er sechs oder sieben Schalen Wein und brummte schließlich: »Bringt einen rechten Krug her! Leeren wir noch ein paar Krüge, dann soll sich jeder an die Arbeit machen. Wir wollen doch nicht überm Saufen die Zeit versäumen. Macht den Reisepass bereit.«

In der Tat:

Es steigt der Feldherr nicht vom Sattel,

Jeder prescht nach seinem Ziele vor.

Auf Bajies Worte erteilte die Königin sogleich der neben ihr stehenden Palastdame den Befehl, alle Weinkelche mit dem edelsteinklaren Trunk zu füllen, und so trank man noch eine Runde.

Anschließend erhob sich Tripitaka mit einer leichten Verneigung, wandte sich mit gefalteten Händen an die Königin und sprach: »Majestät! Dank sei Euch für die reiche Tafel; des Weines sei nun genug. Bitte begebt Euch auf den Thron und stempelt den Reisepass ab, damit meine Schüler rechtzeitig die Stadt verlassen können.«

Seiner Bitte folgend nahm die Königin den Priester bei der Hand, erklärte die Tafel für beendet und begab sich in die Audienzhalle, wo sie dem Priester den Thron anbot.

»Nein, nein, das geht nicht!« wehrte Tripitaka ab, »eben hat doch die Präzeptorin gesagt, dass morgen ein Glückstag des Himmels sei; erst dann wage ich geringer Mönch den Thronsitz einzunehmen. Heute sei vorerst nur der Pass abgestempelt, damit wir meine Schüler verabschieden können.«

Die Königin zeigte sich einverstanden, setzte sich wieder selbst auf den Drachenthron, ließ aber zu ihrer Linken einen goldenen Klappstuhl aufstellen, den sie Tripitaka anbot. Dann befahl sie, den Reisepass vorzuweisen. Der Große Heilige brachte das Dokument mit beiden Händen dar, und die Königin besah es eingehend. Der Pass war mit neun Siegelabdrücken des Kaisers von China versehen, weiter unten

folgten die Siegel vom Königreich Baoxiang, von Schwarzhahnland und vom Land der Trägen Wagen. Nachdem die Königin alles durchgelesen hatte, fragte sie mit lieblichem Lächeln: »Du heißt also auch noch Chen mit Nachnamen, kaiserlicher Bruder?«

»Ja, von weltlichem Hause aus heiße ich Chen«, antwortete Tripitaka, »doch da unser Kaiser der Dynastie der Tang angehört, hat er mir zur Verbrüderung den Nachnamen Tang erteilt.«306

»Wie kommt es denn, dass im Reisepass die Namen deiner Schüler nicht vermerkt sind?« wollte die Königin wissen.

»Die drei Schüler stammen nicht aus dem chinesischen Kaiserreich«, erklärte Tripitaka. »Ich habe sie unterwegs aufgenommen, darum sind sie nicht eingetragen.«

»Dann will ich ihre Ordensnamen anfügen, geht das?«

»Wie es Eurer Majestät beliebt«, sprach Tripitaka.

Die Königin griff nach Pinsel und Tuschestein, erkundigte sich nach den Namen und setzte schließlich unter den Text der Urkunde die Namen Sun Wukong, Zhu Wuneng und Sha Wujing. Anschließend nahm sie das königliche Siegel zur Hand, drückte sorgsam den roten Stempel auf und fügte zuletzt ihre Unterschrift dazu. Dann ließ sie den Pass aushändigen, der Große Heilige nahm ihn in Empfang und hieß Sandmönch, ihn im Gepäck zu verwahren.

Schließlich ließ die Königin eine Platte voller Bruchgold und Bruchsilber bringen und sprach zu Pilger: »Das soll euch vorerst die Reisekosten decken, damit ihr bald in den Westen gelangt. Wenn ihr dann mit den Schriften auf dem Rückweg seid, werden wir euch noch einen besonderen Dankeslohn überreichen.«

Pilger aber sprach: »Wir Mönche nehmen kein Geld an, unterwegs werden sich schon Orte finden, wo wir Almosen erhalten.«

Da ließ die Königin zehn Ballen Brokatseide bringen und sprach zu Pilger: »Da ihr so rasch aufbrechen müsst, bleibt keine Zeit, euch etwas schneidern zu lassen; nehmt darum diese Seidenstoffe, damit ihr unterwegs etwas gegen die Kälte machen lassen könnt.«

Doch Pilger entgegnete: »Wir Mönche tragen keine Seidengewänder; alles, was wir an Kleidern brauchen, haben wir dabei.«

Wie die Königin sah, dass er nichts annahm, ließ sie drei Maß Palastreis abfüllen, damit sie unterwegs etwas hätten, den Hunger zu stillen. Bajie nahm den Reis, verstaute ihn im Gepäck und dankte mit gefalteten Händen.

Da sprach Tripitaka: »Darf ich Eure Majestät bemühen, mit geringem Mönch die drei Schüler zum Abschied aus der Stadt zu begleiten? Sobald ich ihnen die letzten Unterweisungen gegeben habe, werde ich mit Eurer Majestät zurückkehren und ewiglich Pracht und Reichtum genießen. Dann können wir uns jeder Bürde ledig wie ein Phönixpaar vereinen.«

Nicht ahnend, dass es sich um eine Strategie handelte, willigte die Königin ein und ließ die Kutsche zur Ausfahrt bereitstellen. An Tripitaka geschmiegt, bestieg sie die königliche Karosse, und so fuhren sie gemeinsam dem westlichen Stadttor entgegen. In der Stadt säumten die Leute mit Weihwasser und Räucherwerk die Straßen, zum einen, um die Königin vorbeifahren zu sehen, aber auch, um einen Blick auf den männlichen Leib des kaiserlich Verbrüderten zu erhaschen. Alle, ob Jung oder Alt, waren geschminkt und gepudert, und jede hatte ihre schwarze Haarpracht kunstvoll aufgesteckt. Es dauerte nicht lange, da hatte die Equipage die Stadt verlassen und kam zum westlichen Passtor.

In stillem Einvernehmen brachten die Schüler alles in Ordnung, schritten dann auf das königliche Gefährt zu und riefen laut: »Möge uns die Königin nicht weiter das Geleit geben, lasst uns hier Abschied nehmen!«

Da ließ der Priester den Wagen anhalten, wandte sich mit übereinandergewölbten Händen an die Königin und sprach: »Möge Eure Majestät zurückfahren. Lasst mich geringen Mönch die Heiligen Schriften holen.«

Die Königin erblasste, fasste den Priester am Arm und rief: »Aber mein kaiserlich Verbrüderter, ich habe dir doch den Reichtum des ganzen Reiches versprochen, will dich zum Mann nehmen, und morgen sollst du den Thron besteigen und die Nachfolge antreten! Wir haben doch alle schon das Festmahl gegessen, wie kannst du jetzt auf einmal den Plan ändern?«

Als Bajie dies hörte, begann er wie verrückt die Schnauze hin und her zu schütteln, wackelte wild mit den Ohren, rannte auf die Kutsche zu und schrie: »Wir sind Mönche! Wir vermählen uns doch nicht mit so einem gepuderten Knochengerüst! Lasst meinen Meister ziehen!«

Auf diese unschöne Attacke sank die Königin fassungslos in die Kutsche zurück. Sandmönch aber hob Tripitaka aus der Menge und half ihm in den Sattel. Da sah man am Wegrand eine Frau auftauchen, die fauchte: »Halt, Verbrüderter des Kaisers von China! Komm mit mir, zum schönen Spiel von Wind und Mond!«

»Halt, Verbrüderter des Kaisers von China! Komm mit mir, zum schönen Spiel von Wind und Mond!«

»Du elender Schuft!« polterte Sandmönch, schwang seinen Prunkstab und schlug nach der Gestalt. Da entfachte die Frau einen Wirbelwind, riss Tripitaka mit einem Schrei an sich und stob davon, ohne eine Spur zu hinterlassen; keiner wusste, wohin.

Ach! So war es in der Tat:

Gerade erst mit klugem Plan

Der Liebelei entronnen,

Sieht man schon ein neues Leid

Als Liebesdämon kommen!

Und da wir nicht wissen, ob das ein Mensch war oder ein Ungeheuer, lasst uns hören, was das nächste Kapitel berichtet.