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063 Zwei Mönche bekämpfen im Drachenpalast Dämonen / Die Heiligen tilgen das Übel und erlangen den Schatz

Wie berichtet wurde, sahen der König vom Lande der Dankopfer und all seine hohen und niederen Minister, wie der Große Heilige und Bajie, jeder mit einem Ungeheuer unter dem Arm, auf einem Windstoß zu den Wolken stiegen und bald ihren Blicken entschwanden. Alle falteten die Hände gen Himmel. Anschließend verneigte sich der König dankend vor Tripitaka und Sandmönch und sprach: »Mit den Augen des Fleisches haben wir nur gesehen, dass Eure hohen Schüler gewisse Kräfte besitzen, die Ungeheuer festzunehmen, doch hätten wir nicht gedacht, dass sie hohe Unsterbliche sind, die über Wolken und Nebel schweben können!«

In der Folge sprach er Tripitaka nur noch mit »ehrwürdiger Buddha« und Sandmönch mit »Bodhisattva« an. Und wie sich nun sämtliche Hofbeamten freudig vor ihnen verneigten, sei hier nicht weiter ausgeführt.

Berichten wir stattdessen, wie der Große Heilige und Bajie mit den beiden Ungeheuern zum Teich der Smaragdenen Wellen auf dem Berg der Wirren Felsen kamen. Pilger hielt seine Wolke an und behauchte den Goldreifstab mit göttlichem Odem, dass er sich in ein Messer verwandelte. Damit schnitt er dem Schwarzfisch-Geist die Ohren ab und dem Wels die Unterlippe, warf beides ins Wasser und rief mit barscher Stimme: »Geht sofort zu eurem Allerheiligen Drachenkönig und sagt ihm, unser Himmelsebenbürtiger Großer Heiliger, Ehrwürden Sun, befehle ihm, auf der Stelle den Schatz der Goldglanz-Pagode zu bringen, sonst werde seine gesamte Sippe ausgerottet!«

So kamen die Ungeheuer mit dem Leben davon und tauchten, die Ketten hinter sich herschleifend, in die Tiefe, betraten den Palast des Drachenkönigs und riefen: »Unheil!«

Der alte Drachenkönig saß gerade mit seinem Schwiegersohn, dem Neunhäuptigen, beim Wein. Wie er die beiden kommen sah, stellte er den Becher hin und fragte, was denn los sei. Da berichteten die beiden: »Gestern, bei der Inspektion, sind wir von dem Priester aus China und dem Pilger Sun, die die Pagode auskehrten, ergriffen und angekettet worden. Heute früh hat man uns vor den König gebracht, und dann sind dieser Pilger und der Eber Bajie gekommen, haben uns Ohren und Lippen abgeschnitten und uns ins Wasser geworfen, damit wir Euch melden, der Himmelsebenbürtige Große Heilige sei draußen und wolle den Schatz der Pagode.«

Als der alte Drache hörte, dass der Himmelsebenbürtige Große Heilige da sei, war er außer sich vor Schrecken.

Zitternd sprach er zum Neunhäuptigen: »Werter Schwiegersohn, mit jedem anderen ließe sich verhandeln, doch wenn er da ist, verheißt das nichts Gutes.«

Der Neunhäuptige lachte nur: »Macht Euch keine Sorgen, Schwiegervater. Ich habe mich von klein auf in der Kampfkunst geübt und einige Helden auf dieser Welt kennengelernt. Was brauchen wir uns vor ihm zu fürchten! Lasst mich hinausgehen und ein paar Runden austragen; ich verspreche Euch, dass der Kerl sich in kurzer Zeit mit gesenktem Kopf ergibt.«

Schon sprang der Unhold auf und warf sich in Rüstung, dann schritt er, mit einer Mondsichellanze bewaffnet, aus dem Drachenpalast, stieß durchs Wasser nach oben, sprang aus dem Teich und rief: »Was ist hier für ein Himmelsebenbürtiger Großer Heiliger? Komm her und lass dich umlegen!«

Pilger stellte seine Eisenstange vor sich hin und sprach: »Hier ist der ehrenwerte Sun!«

»Wie ich gehört habe, bist du ein Mönch auf Schriftensuche«, meinte der Unhold, »und da mischst du dich ungefragt in fremde Angelegenheiten ein und belästigst andere Leute! Was geht es dich an, wenn ich im Land der Dankopfer einen Schatz stehle? Ohne Grund hast du meine Leute verletzt und erkühnst dich auch noch, auf meinem Berg zu randalieren!«

»Du teuflischer Schurke!« schrie Pilger, »du weißt ja nicht, was rechtens ist! Auch wenn ich nicht in Diensten des Königs stehe, sind es doch meine Mitbrüder, die im Goldglanz-Kloster wegen deinem Diebstahl jahrelang bittere Strafen erlitten. Wie könnte ich es also unterlassen, mich für sie einzusetzen und dieses Unrecht ans Licht zu bringen?«

»Nun, wenn du das so siehst, willst du wohl einen Wettstreit ausfechten«, meinte der Neunhäuptige, »doch wie man sagt, nimmt man ja beim Kampf keine Rücksicht auf Höflichkeit. Wenn ich dich jetzt umbringe, wäre deine Schriftensuche zunichte.«

Wütend schrie Pilger: »Du verdammter Schurke, was hast du eigentlich für Fähigkeiten, dass du so großspurig zu reden wagst? Komm her und lass dir eins mit meiner Stange überziehen!«

Sowie er Bajie von hinten kommen sah, fing er den Rechen mit dem Knauf seiner Lanze ab und hielt gleichzeitig mit der mondsichelförmigen Schneide die

Eisenstange in Schach.

Furchtlos wehrte der Neunhäuptige die Eisenstange mit seiner Lanze ab, und auf dem Berg der Wirren Felsen begann ein Kampf, der sich über dreißig Runden lang hinzog, ohne dass eine Entscheidung fiel. Schließlich schwang Bajie, der das erbitterte Gefecht mitverfolgt hatte, seinen Rechen und ließ ihn von hinten auf den Unhold niedersausen. Nun hatte dieser ja neun Häupter, mit denen er gleichzeitig in alle Richtungen sehen konnte. Sowie er Bajie von hinten kommen sah, fing er den Rechen mit dem Knauf seiner Lanze ab und hielt gleichzeitig mit der mondsichelförmigen Schneide die Eisenstange in Schach. So rang er weitere sechs bis sieben Runden, bis er endlich den gleichzeitigen Hieben von hinten und vorn nicht mehr standhalten konnte. Da wirbelte er mit einem Salto durch die Luft und nahm seine ursprüngliche Gestalt an: Es war ein neunköpfiger Lindwurm, der grauenvoll aussah. Bestürzt rief Bajie Pilger zu: »Bruder, seit ich Mensch bin, habe ich noch nie eine so üble Bestie gesehen! Aus wessen Energie und Blut kann ein solches Untier bloß geboren sein?«

»In der Tat, das ist selten!« gab Pilger zur Antwort. »Warte, ich will hochgehen und weiterkämpfen!«

Jäh stob der Große Heilige auf einer Wolke gen Himmel und holte den Unhold mit wirbelnder Eisenstange ein. Der aber zeigte nun, was er konnte: Er spreizte die Flügel und schoss schräg in die Höhe, dann änderte er blitzschnell die Richtung, streifte den Berg und ließ gleichzeitig aus den Lenden einen weiteren Kopf herauswachsen, der mit grausam blutigem Maul Bajie an den Borsten schnappte und ihn in die Tiefen des Teichs der Smaragdenen Wellen riss. Vor dem Drachenpalast nahm das Untier wieder seine vormalige Gestalt an, schleifte Bajie hinter sich her und rief seinen Ungeheuern zu: »Bindet diesen Mönch dort drüben fest, wir wollen uns für unsere beiden Soldaten, die auf Inspektion waren, rächen!«

Mit großem Tumult stießen und zerrten die kleinen Ungeheuer Bajie hinein. Der alte Drachenkönig kam fröhlich herbei und empfing seinen Schwiegersohn mit den Worten: »Ihr habt große Arbeit geleistet, werter Schwiegersohn! Wie habt Ihr ihn nur festnehmen können?« Und er befahl dem Gesinde, Wein zu bringen, um ihm zu gratulieren, doch davon sei hier nicht weiter die Rede.

Erzählen wir stattdessen von Pilger, der mitangesehen hatte, wie der Dämon Bajie mit sich riss, und dachte: »Dieser Kerl ist heftig! Wenn ich jetzt zum Palast zurückgehe und dem Meister Bericht erstatte, würde sich der König wohl über mich lustig machen. Rufe ich aber noch mal zum Kampf auf, dann bin ich allein, und zudem komme ich im Wasser nicht gut zurecht. Da will ich doch lieber erst in Verwandlung runtergehen und schauen, was los ist.«

Also legte er die Finger aneinander, murmelte einen Zauberspruch, schüttelte sich und erschien abermals als Krebs. So stürzte er sich ins Wasser und kam geradewegs zu dem verzierten Torbogen, denn diesen Weg kannte er ja noch von seinem Angriff gegen den Rinderdämon. Er drang bis zum Palast vor, wo er den Drachenkönig erblickte, der gerade in familiärer Eintracht mit dem Neunhäuptigen becherte. Pilger wagte sich nicht näher heran. Stattdessen kroch er in den östlichen Korridor, wo er ein paar Hummer- und Krebsgeister antraf, die sich dort scherzend die Zeit vertrieben. Pilger hörte eine Weile zu und fragte dann: »Der Mönch mit der langen Schnauze, den unser Neunhäuptiger sich geschnappt hat, ist der eigentlich schon tot?«

»Noch nicht«, antworteten die Geister, »dort liegt er doch gefesselt und stöhnt, da drüben im westlichen Korridor!«

Nachdem er das vernommen hatte, kroch Pilger sachte zum Westkorridor, wo der Tölpel tatsächlich an eine Säule gefesselt war und vor sich hin stöhnte. Nachdem Pilger sich vergewissert hatte, dass ringsum niemand anwesend war, kroch er zu ihm und rief: »Bajie!« Dann schnitt er mit seiner Krebszange die Fesseln durch und hieß ihn schnell weggehen. Der Tölpel befreite sich aus den Fesseln und sagte: »Aber Bruder, diese Ungeheuer haben meine Waffe in den Palast genommen, was soll ich tun?«

»Dann geh erst mal zum Torbogen und warte auf mich«, meinte Pilger.

Bajie stahl sich davon. Pilger aber kroch abermals in den Palast und sah sich um. Da sah er linker Hand den Rechen glitzern. Er machte sich unsichtbar, stahl sich mit dem Rechen davon und überreichte ihn am Torbogen Bajie. Kaum hatte dieser seinen Rechen wieder, rief er: »Bruder, geh du erst mal hoch, ich alter Eber stürme den Palast! Wenn ich Erfolg habe, nehme ich die ganze Rotte fest, und falls ich fliehen muss, kannst du mir am Ufer beistehen.«

Also schwamm Pilger an die Oberfläche. Bajie aber packte seinen Rechen mit beiden Händen und stürmte mit lautem Kampfgeschrei in den Palast. Die entsetzten Wassertiere sausten ins Innere und schrien: »Schlimm! Der langschnäuzige Mönch hat sich befreit und stürmt den Palast!«

Unvorbereitet wie sie waren, sprangen der alte Drache und der Neunköpfige Lindwurm auf und suchten sich in Deckung zu bringen. Der Tölpel aber stürmte heran, zerschmetterte mit seinem Rechen das Tor und schlug drinnen die Tische und Stühle und alles, was ihm in Reichweite kam, kurz und klein. Nachdem der Lindwurm die Prinzessin in den inneren Gemächern versteckt hatte, packte er seine Mondsichellanze, trat vor und fauchte: »Du verfluchtes Wildschwein! Wie kannst du es wagen, meine Sippe zu erschrecken!«

»Du diebischer Schurke!« schimpfte Bajie zurück, »wie kannst du es wagen, mich fangen zu wollen? Dass ich hier kämpfe, ist nicht meine Schuld, du hast mich hergeholt! Rück auf der Stelle den Schatz raus, dann bringe ich ihn zum König, und die Sache ist erledigt. Ansonsten bleibt keiner deiner Sippe am Leben!«

Der Unhold biss die Zähne zusammen und begann mit Bajie zu ringen. Der alte Drache, der sich nun wieder gefasst hatte, kam ihm mit seinen Drachensöhnen und Drachenenkeln, alle mit Speer und Säbel bewaffnet, zu Hilfe. Als Bajie merkte, dass es schlecht um ihn stand, machte er einen letzten Scheinhieb, schnellte herum und ergriff die Flucht. Der alte Drache und seine Gehilfen folgten ihm auf den Fersen, und einen Augenblick später stoben alle zusammen aus dem Teich und rangen am Ufer weiter.

Pilger, der am Ufer gewartet hatte, sah alle hinter Bajie aus dem Teich springen; da schoss er hoch und tat aus halber Höhe einen einzigen Hieb mit seiner Eisenstange, da war der Kopf des alten Drachen zerschmettert, dass das Blut der armen Kreatur in den Teich spritzte und die Leiche obenauf schwamm. Die entsetzten Drachensöhne und Drachenenkel ergriffen die Flucht, und der Neunhäuptige zog sich mit der Drachenleiche in den Palast zurück.

Pilger und Bajie sahen von einer Verfolgung ab. Sie kehrten ans Ufer zurück und besprachen gerade das weitere Vorgehen, als auf einmal ein Sturmwind heranbrauste und von Osten her dichte Wolken gen Süden zogen. Pilger heftete seinen Blick darauf. Es war der Offenbarte Heilige Erlang, der mit seinen sechs Brüdern vom Pflaumenberg, mit Jagdfalken und Hunden im Sturmwind voranstob, ein jeder mit Armbrust und blanker Klinge.

»Bajie«, rief Pilger, »es sind die sieben heiligen Gebrüder! Wir wollen sie bitten, uns zu helfen; das ist eine großartige Gelegenheit. Allerdings ist darunter auch der Offenbarte Heilige, Bruder Erlang, der mich einst besiegt hat; ihm kann ich schlecht vor Augen treten. Geh du erst mal hin und halte ihre Wolke auf. Wenn er angehalten hat, werde ich ihn begrüßen.«

Flugs schoss der Tölpel auf einer Wolke auf den Berggipfel, stellte sich den Heranstürmenden in den Weg und rief laut: »Wahrer Meister Erlang! Haltet einen Augenblick inne, der Himmelsebenbürtige Große Heilige wünscht Euch zu sprechen!«

Als der ehrwürdige Herr das hörte, befahl er allen anzuhalten, begrüßte Bajie höflich und fragte: »Wo ist denn der Himmelsebenbürtige Große Heilige?«

»Unten am Fuß des Berges.«

Da rief Erlang seine sechs Gebrüder namens Kang, Zhang, Yao, Li, Guo und Zhi zu sich, bat Pilger auf den Gipfel und sprach: »Großer Heiliger, nun seid Ihr dem großen Leid entronnen, habt Euch dem Buddhismus zugewendet und die Gebote angenommen; gewiss werdet Ihr Eure Aufgabe bald vollenden und den hohen Lotosthron besteigen. Herzlichen Glückwunsch!«

»Das wage ich nicht zu behaupten«, erwiderte der Große Heilige, »zwar bin ich nun auf dem Weg in den Westen, doch keiner weiß, wann wir unser Ziel je erreichen. Zur Zeit sind wir hier, weil wir ins Land der Dankopfer gekommen sind, wo wir den Mönchen zugesagt haben, sie aus der Not zu befreien. Darum versuchen wir hier, einen Dämon festzunehmen und einen Schatz zu finden. Da ich nun zufällig Eure Equipage gewahrte, erkühne ich mich zu fragen, ob Ihr mir vielleicht behilflich sein könnt. Ich weiß nicht, ob Ihr diesem Wunsche wohl entgegenkommen mögt?«

Lächelnd antwortete Erlang: »Ich komme mit meinen Brüdern gerade von der Jagd, weil wir sonst nichts zu tun hatten. Es freut mich sehr, dass Ihr, Großer Heiliger, mich nicht verschmäht! Wie könnte ich es wagen, Eurer Weisung nicht zu folgen? Doch ist mir nicht bekannt, was für ein diebischer Dämon sich hier aufhält.«

Da riefen die sechs Heiligen: »Hast du es denn vergessen, Bruder? Das ist doch der Berg der Wirren Felsen mit dem Teich der Smaragdenen Wellen, wo sich der Drachenpalast des Allerheiligen befindet!«

»Der Allerheilige Drache wird doch nicht etwa Unheil angerichtet haben? Wie kann er es wagen, einen Schatz zu stehlen?«

Da berichtete ihm Pilger, was geschehen war, und schloss mit den Worten: »Eben habe ich den alten Drachen erschlagen. Die Bestien haben seine Leiche geborgen und halten jetzt ihre Totenwache. Wir beide haben uns gerade besprochen, als wir am Himmel Eure Flaggen entdeckten, darum die kleine Störung.«

»Wenn ihr schon den alten Drachen erschlagen habt«, meinte Erlang, »solltet ihr sofort angreifen, damit der andere euch nicht zuvorkommt. Am besten würdet ihr doch gleich die ganze Bande ausrotten!«

»Ihr habt schon recht«, erwiderte Bajie, »doch ist es nicht schon etwas spät?«

Da meinte Erlang: »Nun, wir haben Wein und Speisen mit dabei. Ich kann ja meine Diener hier auftischen lassen, dann könnten wir uns die Nacht über unterhalten und, sobald der Tag anbricht, weiterkämpfen; was meint ihr dazu?«

Er beauftragte einen seiner Offiziere, sich darum zu kümmern. Und so saßen schließlich alle Brüder gemeinsam im Lichte von Mond und Sternen auf freiem Felde unter dem Himmelszelt, erhoben die Becher und erzählten von alten Zeiten.

In der Tat ist jede frohe Nacht zu kurz! Unvermerkt hellte sich im Osten der Himmel auf. Da rief Bajie, nach mehreren Schalen Wein voller Energie: »Es ist hell! Ich alter Eber springe jetzt in den Teich und rufe zum Kampf auf.«

Seht, wie er sein Gewand glattstreicht, den Rechen packt und mit einer Wassertrenn-Magie in den Teich saust! Schnurstracks kam er zum Torbogen und stürmte mit

Kampfgeschrei in den Palast. Drinnen standen die Drachensöhne gerade in Trauerkleidung weinend um die Leiche herum, während die Drachenenkel hinten schon mit dem Schwiegersohn den Sarg bereit machten. Bajie aber trat vor und hieb seinen Rechen einem der Drachensöhne über den Schädel, dass neun Löcher aufklafften. Panisch rannte die Drachengemahlin mit den anderen ins Innere und heulte: »Der langschnäuzige Mönch hat auch noch meinen Sohn erschlagen!«

Als der Schwiegersohn das hörte, packte er seine Mondsichellanze und stürmte mit den Drachenenkeln heraus. Bajie empfing die Feinde mit erhobenem Rechen und focht mit ihnen, indem er sich immer mehr zurückzog, bis sie schließlich aus dem Wasser sprangen. Am Ufer wurden sie vom Großen Heiligen und den sieben Gebrüdern umringt; es hagelte Speer- und Säbelhiebe, und einer der Drachenenkel wurde kurzerhand in Stücke gehauen. Wie der Schwiegersohn sah, dass die Lage schlecht stand, wälzte er sich am Hang über den Boden, nahm abermals seine ursprüngliche Gestalt an, spreizte die Flügel und schwang sich kreisend in den Himmel. Da nahm Erlang seine goldene Steinschleuder und setzte eine silberne Kugel an, dann spannte er die Schnur so stark, wie er konnte, und schoss auf den Lindwurm. Dieser machte eine harte Wende und schoss auf den Berg hinab, wo er Erlang zu beißen suchte, indem er aus den Lenden einen neuen Kopf wachsen ließ. Da aber stach der kleine Jagdhund hervor, bellte und biss den Kopf vom Leibe, dass das Blut troff. Von Schmerzen gepeinigt, ergriff der Unhold die Flucht und schoss in Richtung Nordmeer davon. Bajie wollte ihm nachsetzen, doch Pilger hielt ihn zurück und sagte: »Lass das, es ist doch, wie man sagt: ›Banditen, die am Ende sind, soll man nicht verfolgen.‹ Da er vom Hund gebissen worden ist, wird er schwerlich überleben. Ich will mich jetzt mal in seine Gestalt verwandeln, und du kannst den Wasserweg freimachen und mich nach unten jagen. Dort suche ich dann die Prinzessin und schaue, dass ich ihr den Schatz ablisten kann.«

»Zwar brauchen wir ihn nicht zu verfolgen«, meinte Erlang, »doch wenn wir eine solche Kreatur auf Erden lassen, wird sie gewiss späteren Generationen zum Übel werden.«

Dass bis heute das Blut einer neunhäuptigen Bestie tropft, geht auf diese Geschichte zurück.

Wie geheißen machte Bajie einen Wasserweg frei; Pilger ging in Gestalt des Ungeheuers voran, Bajie folgte ihm nach. So tauchte er bis zum Drachenpalast, wo ihn die Allerheilige Prinzessin mit den Worten empfing: »Wieso bist du so angespannt?«

»Dieser Bajie ist mir überlegen; er hat mich hierhergejagt. Gib mir sofort den Schatz, damit ich ihn verstecken kann!« rief Pilger.

Nichtsahnend holte die Prinzessin in der hinteren Kammer ein goldenes Kästchen, reichte es Pilger und sagte: »Dies ist der buddhistische Schatz.«

Dann holte sie ein weiteres Kästchen aus weißer Jade, händigte auch dieses Pilger aus und sprach: »Und das hier ist der neunblättrige Unsterblichkeitspilz.«

Pilger steckte die beiden Kästchen ein, strich sich mit der Hand übers Gesicht und erschien wieder in seiner eigenen Gestalt. Entsetzt wollte ihm die Prinzessin die Kästchen entreißen, doch schon rannte Bajie herbei und schlug ihr den Rechen über die Schulter, dass sie zusammenbrach.

Da war noch die alte Drachengemahlin, die gerade in aller Hast davonrannte; Bajie jagte ihr nach, doch Pilger rief: »Erschlag sie nicht, lassen wir lieber einen der Drachen am Leben, dann können wir dem König unseren Erfolg vorführen.«

Also zogen sie das Drachenweib aus dem Wasser. Dahinter folgte Pilger mit den zwei Kästchen in den Händen, der Erlang dankend zurief: »Dank Eurer Macht haben wir den Schatz gewonnen und die Diebe ausgemerzt!«

Da sprachen Erlang und seine Brüder: »Da Ihr Euer Ziel erreicht habt, wollen wir uns nun von Euch verabschieden.«

Und er kehrte mit seinen Leuten zur Mündung des Guanjiang zurück.

Nun schwebten Pilger mit den zwei Kästchen und Bajie mit dem Drachenweib zwischen Wolken und Nebel dahin, bis sie nach kurzem wieder ins Land der Dankopfer kamen. Die befreiten Mönche vom Goldglanz-Kloster standen schon vor dem Stadttor zum Empfang bereit. Wie sie nun plötzlich Pilger und Bajie herbeischweben sahen, falteten alle die Hände, schlugen ehrerbietig die Stirn auf den Boden und führten sie dann in die Stadt hinein. Als der König davon erfuhr, stieg er eilends vom Thron, nahm sie gemeinsam mit Tripitaka und Sandmönch in Empfang und wollte nicht aufhören, ihnen zu danken. Dann gab er den Auftrag, ein Dankesbankett zuzubereiten.

Tripitaka aber sprach: »Bitte lasst mich geringen Jünger erst in die Pagode zurückgehen und den Schatz an seine Stelle legen! Danach können wir uns gern des Essens und Trinkens erfreuen.«

Da fragte der König: »Spricht das Drachenweib die menschliche Sprache?«

»Wie könnte sie als Frau des Drachenkönigs der menschlichen Sprache nicht mächtig sein?« versetzte Bajie.

»Nun, dann soll sie sofort darlegen, weshalb der Schatz gestohlen wurde!«

Da sprach das Drachenweib: »Vom Diebstahl des buddhistischen Schatzes habe ich nichts gewusst. Nur mein Mann, dieser Drachengeist und jener neunhäuptige Lindwurm, die wussten, dass der Glanz Eurer Pagode von buddhistischen Reliquien herrührte. Vor drei Jahren haben sie dann einen Blutregen verursacht, um den Schatz zu entwenden.«

Der König fragte weiter, wie der Unsterblichkeitspilz entwendet worden sei, und das Drachenweib sprach: »Das ist ein neunblättriger Unsterblichkeitspilz, den meine Tochter, die Allerheilige Prinzessin, im Daluo-Himmel aus der Halle der Beseelten Leere der Königinmutter des Westens gestohlen hat. Denn wenn diese Reliquie vom beseelten Odem dieser Pflanze wärmend genährt wird, hat sie Jahrtausende Bestand und verstrahlt in aller Ewigkeit ihren Glanz. Auch wenn man damit nur über den Boden streicht, leuchtet es in Tausenden von Strahlen, und eine wunderbare Aura verbreitet sich. Doch jetzt habt Ihr es weggenommen, mein Gatte und mein Sohn sind dabei umgekommen, meine Tochter und mein Schwiegersohn sind gestorben. Lasst doch um alles in der Welt wenigstens mich am Leben!«

»In keiner Sippe ist jeder schuldig«, meinte Pilger, »ich lasse dich am Leben, doch will ich, dass du dafür fortan die Pagode bewachst.«

»Lieber schlecht leben als gut sterben«, meinte das Drachenweib, »wenn Ihr mich am Leben lasst, so will ich dahin gehen, wo Ihr mich hinschickt.«

Pilger ließ eiserne Ketten bringen und schloss sie dem Drachenweib ums Schlüsselbein. Dann rief er Sandmönch zu: »Sage dem König, er möge mitkommen und zuschauen, wie wir die Pagode wiederherstellen.«

Umgehend ließ der König die Sänfte bereitstellen, trat Hand in Hand mit Tripitaka aus dem Palast und begab sich mit seinen zivilen und militärischen Hofbeamten zum Goldglanz- Kloster, wo sie die Pagode bestiegen und die Reliquie im dreizehnten Stockwerk wieder in die kostbare Vase legten. Das Drachenweib wurde an die Säule in der Mitte der Pagode gekettet. Mit einem Zauberspruch zwang Pilger den Erdgeist des Landes, den Stadtgott und die Schutzgötter des Klosters herbei und beauftragte sie, dem Drachenweib alle drei Tage etwas zu essen zu bringen, um es am Leben zu halten; sollte es sich auch nur ein bisschen ungehörig benehmen, müsse es auf der Stelle hingerichtet werden. Die unsichtbaren Götter versprachen, sich danach zu richten. Nun wischte Pilger mit dem Unsterblichkeitspilz über alle Stockwerke der Pagode und steckte ihn zuletzt ebenfalls in die Vase, um die Reliquie wärmend zu nähren. Da erst leuchtete das Licht in tausend und abertausend Strahlen, eine wundersame Aura breitete sich aus, die wieder weitherum bis in die umliegenden Länder zu sehen war. Nachdem sie die Pagode verlassen hatten, bedankte sich der König mit gefalteten Händen und sprach: »Wie hätten wir diese Angelegenheit je klären können, wenn nicht Ihr, werter Buddha, mit Euren drei Bodhisattvas gekommen wäret!«

Da sprach Pilger: »Majestät, das Wort ›Goldglanz‹ ist nicht gut; das ist nicht von Dauer. Denn Gold ist etwas Fließendes, Glanz etwas Funkelndes. Da wir geringen Mönche für Euch diese Anstrengungen unternommen haben, sollt Ihr den Namen ändern in ›Kloster der Drachenbändigung‹. So wird es auf ewig Bestand haben.«

Sofort gab der König den Befehl, eine neue Schrifttafel

über dem Eingang anzubringen, mit dem Wortlaut:

»Königliches Klosterstift Reichssegen der Drachenbändigung«. Dann ließ er das Festmahl zubereiten und gab gleichzeitig einem begabten Maler den Auftrag, die vier Pilgernden in einem Bilde festzuhalten, derweil ihnen zu Ehren ihre Namen im Eingangsportal zum Palast eingetragen wurden. Schließlich ließ der König seine Sänfte vorfahren, um Tripitaka und seinen Schülern das Abschiedsgeleit zu geben. Zudem bot er ihnen eine Dankesgabe von Gold und Edelsteinen an, doch Meister und Schüler weigerten sich, auch nur das Geringste anzunehmen.

So war es in der Tat:

Abgeschnitten ist das Ungeheuer,

Alle Himmelsgötter sind erfreut;

Glanz kehrt heim in die Pagode

Und erhellt das ganze Land erneut!

Und da wir nicht wissen, was sie auf ihrem weiteren Weg erwartete, lasst uns hören, was das nächste Kapitel berichtet.