Wie berichtet wurde, bedankte sich der König des Landes der Dankopfer bei Tripitaka und seinen Schülern für die Wiedererlangung des Schatzes und die Unterwerfung der Dämonen. Er beauftragte seine Hofdiener, Kleider, Schuhe und Socken anfertigen zu lassen, Gebäck und Dörrfrüchte zuzubereiten, und setzte Stempel und Unterschrift auf den Reisepass. Dann wurde die königliche Sänfte bereitgestellt, und der König geleitete die vier Pilgernden, zusammen mit vielen Hofbeamten und Bürgern der Stadt sowie den Mönchen vom Kloster der Drachenbändigung, mit Trommeln und Trompeten aus der Stadt hinaus. Nach etwa zwanzig Wegmeilen nahmen sie zuerst vom König Abschied, während die Menge sie weitere zwanzig Wegmeilen begleitete. Die Mönche des Klosters jedoch wanderten ganze fünfzig bis sechzig Meilen weit mit den Pilgernden einher; die einen wollten gar mit in den Westen gehen, die anderen wollten ihnen zu Diensten stehen und sich auf Pilgerschaft der Vervollkommnung widmen.
Schließlich griff Pilger zu einem Zaubertrick: Er zupfte sich an die vierzig Pelzhaare aus und verwandelte sie in große wilde Tiger, die den Mönchen brüllend und fauchend den Weg versperrten. Erst jetzt hatten die Mönche Angst und wagten nicht weiterzugehen. Pilger aber führte den Meister voran, der gab dem Pferd die Sporen, und so waren sie binnen kurzer Zeit in der Ferne verschwunden, worauf die Mönche unter lauter Klage den Rückweg antraten.
Erst als die vier Pilgernden auf die Landstraße kamen, fing Pilger seine Haare wieder ein, und sie wanderten weiter dem Westen entgegen. In der Tat, die Jahreszeiten wandeln sich geschwind, schon ging der Winter zu Ende, und es nahte der Frühling. Während sie ihres Weges gingen, gewahrten sie auf einmal eine lange Hügelkette, und ihr Weg führte geradewegs über deren Grat. Tripitaka zügelte das Pferd und hielt Ausschau. Die Hügel waren über und über von Ranken und Dornen bewachsen. Zwar ließ sich die Spur eines Pfades ausmachen, doch links und rechts davon war nichts als Dorngestrüpp. Tripitaka wandte sich an seine Schüler und rief: »Wie sollen wir diesen Weg begehen? Man sieht zwar, wo er langgeht, doch ist er so sehr mit Dorngestrüpp überwachsen, dass höchstens Schlangen und Käfer hier durchkommen. Hier könnt ihr ja nicht mal aufrecht gehen, wie soll ich erst auf dem Pferd durchkommen?«
»Keine Sorge«, rief Bajie, »ich werde mich mal als Roder betätigen. Wenn ich dieses Gestrüpp mit meinem Rechen durchkämme, kommt Ihr auch mit der Sänfte durch!«
»Du bist zwar kräftig, doch über eine lange Strecke hin durchzuhalten ist trotzdem nicht leicht. Wie lang mag der Bergkamm wohl sein?«
»Ich schaue mal nach«, meinte Pilger, schoss mit einem Satz in die Höhe und überschaute das Gebiet. Er sah:
Weit und breit Lianen
Sich um Bäume schlingen;
Schwere Dornenranken
In den Zweigen hängen.
Wer hätte nicht auf Erden
Dornen schon erfahren?
Doch wohl noch nie so viele,
Wie sie am Westweg waren!
Nachdem Pilger sich alles besehen hatte, kam er hinunter zum Meister und sagte: »Meister, diese Gegend breitet sich aus, so weit das Auge reicht. Es müssen an die tausend Meilen sein.«
»Wie kommen wir da jemals durch?« fragte Tripitaka erschrocken.
»Dazu braucht man eben mich!« rief Bajie lachend.
Der gute Tölpel! Mit einem magischen Fingerzeichen und einem Zauberspruch neigte er sich leicht vor und rief: »Wachsen!« Schon wuchs er zu einer Größe von gut zwanzig Klaftern an, schwang seinen Rechen und rief: »Verwandlung!« Schon verlängerte sich auch der Rechen auf gut dreißig Klafter. So schritt er aus, den Rechen in beiden Händen schwingend, und räumte links und rechts das Dorngestrüpp aus dem Weg. Schließlich rief er: »Meister, Ihr könnt nachkommen!«
So schritt er aus, den Rechen in beiden Händen schwingend, und räumte links und rechts das Dorngestrüpp aus dem Weg.
Tripitaka freute sich sehr, gab dem Ross die Sporen und ritt dicht hinter Bajie her. Sandmönch schulterte das Gepäck, und Pilger half mit der Eisenstange nach, wo noch etwas aus dem Weg zu räumen war. So machten sie den ganzen Tag lang weiter, ohne anzuhalten, und wanderten über hundert Meilen weit. Gegen Abend erreichten sie eine offenere Stelle, wo am Wegrand eine steinerne Stele angebracht war, auf der in drei großen Schriftzeichen » 荊棘嶺 – Dornenkamm« geschrieben stand. Darunter waren zwei Verse von insgesamt vierzehn Schriftzeichen, die lauteten:
Auf achthundert Meilen Weite
Hier nur Dornenranken hängen;
Dieser Weg aus alten Zeiten
Wurde selten je begangen.
Als Bajie dies gelesen hatte, lachte er auf und meinte: »Da will ich alter Eber mal zwei Verse hinzufügen:
Doch seit hier Bajie war,
Der bestens roden kann,
Geht’s stracks zum Westen vor,
Auf freiem Weg voran!«
Erleichtert sprang Tripitaka vom Pferd und sprach: »Hab Dank für deine Mühe, mein Schüler! Lass uns doch gleich an dieser Stelle die Nacht verbringen und morgen zeitig weiterziehen.«
Doch Bajie erwiderte: »Haltet nicht inne, Meister! Jetzt, wo der Himmel so klar ist, laufen wir doch einfach die ganze Nacht drauflos!«
Dem Priester blieb nichts übrig, als ihm zu folgen, und Bajie schritt kräftig voran. So ging es ohne zu rasten weiter, das Pferd trabte ununterbrochen, und es verging noch einmal ein ganzer Tag, bis es von neuem Abend wurde. Vor ihnen rankten sich die Lianen, man hörte den Wind durch den Bambus rascheln und über die Kiefern streichen. Da kamen sie abermals auf eine Lichtung, wo ein alter Tempel stand, vor dem tiefgrüne Kiefern und Zypressen wuchsen, daneben Pfirsichbäume und Winterkirschen, einer schöner als der andere. Tripitaka stieg ab und hielt mit seinen Schülern eine kleine Rast. Da meinte Pilger: »Das ist kein guter Ort, hier können wir nicht lange bleiben!«
Kaum hatte er zu Ende gesprochen, wehte ein kalter Windstoß heran, und aus dem Tempelportal trat ein alter Mann in bescheidener Kleidung; er hatte ein Kopftuch umgebunden und stützte sich auf einen Stock. Hinter ihm folgte ein feuerroter Geist, der hatte eine grünblaue Fratze mit hervorstehenden Zähnen und einem roten Bart und trug eine Schale Kuchen auf dem Kopf. Die beiden knieten vor den Pilgernden nieder, und der alte Mann sprach: »Großer Heiliger, geringer Geist ist der Erdgeist des Dornenkamms. Weil ich wusste, dass ihr kommt, habe ich euch eine Schale gedämpfte Kuchen mitgebracht. Die werten Herren mögen sich daran erlaben. Es gibt in dieser Gegend achthundert Meilen weit kein Haus, so mögt ihr vorerst den Hunger stillen.«
Bajie freute sich und wollte gerade einen Kuchen nehmen, als Pilger, der die ganze Zeit über still geblieben war, ihm zuvorkam und fauchte: »Halt! Der Kerl ist kein guter Mensch. Was gibst du dich hier als Erdgeist aus und versuchst den alten Sun hinters Licht zu führen! Gib acht auf meine Stange!«
Wie der Alte Pilger angriffslustig auf sich zukommen sah, verflüchtigte er sich zu einem kalten Windstoß, riss den Priester mit sich und brauste durch die Lüfte, keiner wusste, wohin. Wie nun der Große Heilige mit seinen Ordensbrüdern fieberhaft nach ihm suchte, sei hier nicht weiter ausgeführt.
Berichten wir stattdessen, wie der Alte, zusammen mit dem Geist, den Priester sachte vor einem dunstumhüllten kleinen Steinhaus absetzte, ihn an der Hand nahm und sprach: »Fürchtet Euch nicht, heiliger Mönch, wir sind keine schlechten Menschen. Ich bin Meister Achtzehn vom Dornenkamm. Wir wollten Euch in dieser schönen Mondesnacht nur einladen, mit uns ein wenig über Poesie zu plaudern und frohgemut die Zeit zu vertreiben.«
Nun betrachtete der Priester die Umgebung, sah den hellen Mond und die klaren Sterne am Himmel, und es wurde ihm allmählich heiterer zumute. Da hörte er mehrere Stimmen durcheinanderreden, alle sagten: »Meister Achtzehn hat den heiligen Mönch eingeladen!«
Der Priester wandte sich um und sah nun drei ältere Herren. Der erste machte einen heiteren, aufgeweckten Eindruck, der zweite hatte einen üppigen grünen Haarschopf, der dritte wirkte bescheiden und etwas düster. Alle waren ganz unterschiedlich, sowohl von Antlitz als auch in der Bekleidung. So kamen sie höflich grüßend auf Tripitaka zu. Dieser grüßte zurück und fragte: »Wie verdiene ich einfacher Jünger die Gunst der werten Unsterblichen?«
Lächelnd sprach Meister Achtzehn: »Lange hörten wir von Eurer hohen Tugend reden, heiliger Mönch, und nun ist uns nach langem Warten endlich das Glück vergönnt, Euch zu begegnen! Wenn Ihr uns Eure Weisheit nicht vorenthalten wollt, so setzt Euch doch ein Weilchen zu uns, dass wir uns unterhalten und etwas über den Kerngehalt des Buddhismus erfahren können.«
Tripitaka verneigte sich und sprach: »Darf ich fragen, wie die werten Herren heißen?«
Meister Achtzehn stellte sie vor und sprach: »Der Heitere hier ist der Herr Einsam-Aufrecht. Der mit dem grünen Haarschopf heißt Meister Himmelhoch; der Bescheidene nennt sich Greis Wolkenfühler. Und meine Wenigkeit heißt Fester Anstand.«334
»Und wie hoch ist das Alter der geehrten Herren?« fragte Tripitaka weiter.
Meister Einsam-Aufrecht sprach:
»Mein Leben dauert wohl
Schon an die tausend Jahre;
Mit dem immergrünen Laub
Stütze ich die Himmelssphäre.
Süßer Duft liegt im Geäst,
Wie ringelnde Drachen gebogen;
Altehrwürdig steht mein Leib
Von Schattenspiel umwoben.
Von klein auf bin ich hart und zäh,
Weiß dem Alter standzuhalten;
Kann mich heut’ aufrechten Sinnes
In Vollendung froh entfalten.
Phönixe und Raben nisten,
Kein gewöhnliches Getier;
Redlich und mit weiten Ästen
Steh ich fern vom Staub allhier.«
Meister Himmelhoch sprach:
»Tausend Jahre bin ich alt,
Trotze stolz dem Wind und Frost;
Hoher Stamm, beseelte Zweige,
Alle sind von starker Kraft.
Schön rauscht es in stiller Nacht,
Wie wenn Regen leise rinnt;
Schatten breiten sich im Herbst,
Fast wie Wolken ausgespannt.
Meine Wurzeln kennen längst
Das Geheimnis langen Lebens;
Denn mir ist vom Schicksal schon
Die Verjüngungskunst gegeben.
Kraniche sind hier und Drachen,
Nicht profane Lebewesen;
Majestätisch und gelassen
Bin ich nah an Paradiesen.«
Greis Wolkenfühler fuhr fort und sprach:
»Nutzlos hab’ ich alter Mann
Tausend Herbste schon verbracht;
Lebe alt und abgeschieden,
Doch mit tiefer, klarer Sicht.
Unberührt vom Lärm der Welt,
Bin ich kühl und anspruchslos;
Kenne Reif und Schnee genug,
Lebe schlicht und frei mein Los.
Wie die Sieben Weisen einst
Können wir der Lyrik frönen,335
Und den Sechs Einsiedlern gleich
Miteinander Lieder reimen.336
Jadereine Töne klingen337
Nicht von ungelenker Hand,
Eins bin ich mit der Natur,
Mit Unsterblichen im Bund.«
Fester Anstand, der Meister Achtzehn, sprach:
»Auch ich zähle tausend Jahre,
Und sogar ein wenig mehr;
Redlich und in hohen Würden
Steh’ ich ungebunden hier.
Kann dank Morgentau und Regen,
Die mir Kraft zum Wachsen geben,
Zwischen Firmament und Erde
In der großen Schöpfung leben.
Keiner hier in allen Tälern
Ist von solchem Wuchs wie ich;
Aller Jahreszeiten Gäste
Halten mich so heiter wach.
In dem schattenreichen Laube
Weilen Götter zu Besuch,
Rezitieren Dao-Schriften,
Spielen Zither oder Schach.«
Tripitaka bedankte sich und sprach: »Eure Ehrwürden sind von beachtlichem Alter und außergewöhnlicher Anmut. Könnte es sein, dass ich gar die Vier Weißhäuptigen aus dem Shang- Gebirge vor mir habe?«338
»Zu viel der Ehre«, antworteten sie bescheiden, »nicht die Vier Weißhäuptigen sind wir, sondern die Vier Tugenden im Gebirge. Dürfen wir Euch fragen, heiliger Mönch, wie reich an edlen Jahren Ihr seid?«
Tripitaka verneigte sich mit gefalteten Händen und sprach:
»Vierzig Jahre ist es her,
Dass die Mutter mich gebar,
Doch bevor sie niederkam,
Ihr ein Unheil widerfuhr.
In der Not kam ich ins Wasser,
Trieb auf Wellen schaukelnd hin;
Bis mir in dem Goldberg-Kloster
Rettung noch entgegenkam.
Fleißig übte ich den Geist,
Lernte aus den hehren Schriften;
Buddha ehrte ich von Herzen,
Nie würd’ ich darauf verzichten!
Dann entsandte mich der Kaiser
Nach dem weit entfernten Westen;
Und nun darf ich unterwegs
Bei Unsterblichen gar rasten!«
»Also widmet sich der heilige Mönch seit seiner Geburt der buddhistischen Lehre und hat in der Tat von klein auf den Weg zur Vervollkommnung beschritten«, sprachen die Herren anerkennend. »Ein wahrhaft hoher Priester, der das Dao erlangt hat! Da uns nun das große Glück gegeben ist, Euer Antlitz zu schauen, wagen wir um erhabene Belehrung zu bitten und hoffen, dass Ihr uns das eine oder andere von der buddhistischen Lehre offenbaren könnt. Dies wird uns lebenslang ein Geschenk sein.«
Wohlwollend ging der Priester auf die Bitte ein und sprach:
»Die meditative Versenkung ist Stille; die buddhistische
Lehre das Mittel zur Erlösung. In der Stille Erlösung
erlangen ist allein durch Erleuchtung möglich. Erleuchtung
aber bedeutet das Reinigen des Herzens und der Gedanken
in Abgeschiedenheit vom Staube der Welt.
Wohlan, eine menschliche Existenz ist schwer zu
erlangen; eine Wiedergeburt in der Mitte der Welt ist
schwer zu erreichen, und der wahren Lehre begegnet man
nicht leicht. So gibt es denn kein größeres Glück, als diese
drei Voraussetzungen in sich vereint zu wissen. Die höchste
Tugend und das wundervolle Dao sind grenzenlos und
unfassbar;339 damit können die sechs Sinne und die sechs
Wahrnehmungen abgelegt werden. Bodhi, der Zustand
vollkommener Erleuchtung, ist unvergänglich, frei von
Geburt und Tod. Es ist hierin nichts zu viel und nichts zu
wenig; Leerheit wie Form sind darin enthalten, jeder
Unterschied zwischen heilig und profan ist aufgehoben.
Wenn die schonungslose Lehre des Uranfangs wahrhaftig
erfahren und die Mittel des Shakyamuni wirklich erfasst
worden sind, dann löse man sich von dem
Absichtslosen342 und zertrete das Nirvana! Wichtig ist es,
inmitten der Erkenntnis zu erkennen, inmitten der
Erleuchtung erleuchtet zu sein. Der so erfahrene Funke
beseelten Lichtes werde vollkommen bewahrt. Mit dieser
entfesselten Flamme beleuchte man die ganze wirre
Erdenwelt, auf dass das alleinzige Licht alles in Raum und
Zeit erhelle. Bis ins Tiefste und Subtilste muss es dringen
und dabei doch fest im Grunde verankert sein. Denn wer
könnte je allein aufgrund gesprochener Worte den Zugang
finden zu dem tiefsten Mysterium? Seit Anbeginn begehe
ich den Weg des Großen Erwachens; allein wem es vom
Schicksal her bestimmt ist und wer einen festen Willen hat,
kann zur Erleuchtung finden.«344
Aufmerksam hatten die vier Ehrwürdigen seiner Rede gelauscht und zeigten große Freude. Ein jeder warf sich Tripitaka ehrerbietig zu Füßen, sie verneigten sich, dankten ihm und sprachen: »Fürwahr, der heilige Mönch hat den Kern der Sache vollkommen erkannt!«
Da ergriff Greis Wolkenfühler das Wort und sprach: »Gewiss ist Meditation Stille und die Lehre das Mittel zur Erlösung; wichtig aber ist es, im innersten Wesen gesammelt zu sein und im Herzen wahrhaftig. Auch wenn er ein wahrer Unsterblicher des Großen Erwachens sein mag, erfährt er doch letztlich den Weg der Inexistenz. Unser Geheimnis hingegen ist ein ganz anderes!«
»Der Weg des Dao ist doch das, was das Gewöhnliche übersteigt; in ihm sind Substanz und Wirkung eins; was kann dabei anders sein?« fragte Tripitaka.
Da lächelte Greis Wolkenfühler und sprach:
»Wir sind von Natur aus solide und stark, doch in Substanz
und Wirkung sind wir anders als Ihr. Himmel und Erde
verdanken wir unseren Leib, Regen und Tau unser
Wachstum; lächelnd trotzen wir Wind und Frost, vertreiben
uns die Tage und Monate in Muße. So welkt kein einziges
Blatt, und alle Zweige stehen in blühendster Tugend. Eure
Rede hingegen richtet sich nicht nach der hehren Lehre der
Unsterblichkeit, sondern klammert sich an Begriffe aus dem
Sanskrit. Die Lehre vom Dao stammt aus China; Ihr
hingegen sucht die Wahrheit im Westen! Umsonst lauft Ihr
Euch die Schuhe kaputt; was sucht Ihr eigentlich? Wie ein
steinerner Löwe ohne Herz und Leber seid Ihr; bis aufs
Mark vom Speichel wilder Füchse durchtränkt! Da
vertieft Ihr Euch in die Meditation und vergesst Euren
eigenen Ursprung; so sucht Ihr vergeblich nach der Wahren
Frucht Buddhas! Was Ihr da redet, ist so wirr wie das
Rankengestrüpp auf unserem Dornenkamm, ein Dickicht
vager Worte. Wo soll man einen solchen Herrn noch
abholen? Wie kann ein solches Ausmaß noch Aufklärung
finden? Ihr müsst Euer eigen Antlitz wirklich betrachten; in
der Stille erst zeigt sich das wahre Leben. Hier schöpft der
bodenlose Bambuskorb Wasser; hier trägt der wurzellose
Eisenbaum Blüten! Wenn Ihr dann mit beiden Füßen fest
auf dem Gipfel des Seelenbergs steht, werdet Ihr zur
Drachenblüten-Versammlung des Buddha Maitreya
einkehren!«
Als Tripitaka diese Worte gehört hatte, berührte er dankend mit der Stirn den Boden, und Meister Achtzehn half ihm auf. Meister Himmelhoch aber sprach mit versöhnlichem Lachen:
»Wolkenfühlers Rede hat ganz offensichtliche Ungereimtheiten; bitte stört Euch nicht daran. Eigentlich wollten wir zu diesem schönen Mondschein ja auch gar nicht über den Weg der Vervollkommnung diskutieren, sondern uns einfach gemeinsam mit ein bisschen Poesie entspannen.«
Da deutete der Greis Wolkenfühler lächelnd auf das steinerne Häuschen und meinte: »Zum Dichten könnten wir doch drinnen einen Tee trinken?«
Der Priester neigte sich leicht vor, um das Steinhaus besser sehen zu können. Über dem Eingang war eine Inschrift, auf der in drei Schriftzeichen geschrieben stand: »木仙庵 – Haus der Baumgeister«. Schließlich folgte er den anderen hinein, wo man der Rangordnung gemäß die Sitzplätze verteilte. Auf einmal fiel sein Blick auf den feuerroten Geisterdiener, der jetzt mit einer Platte voll schwarzem Pudding aus Poria-Pilzen daherkam, den er zu fünf Schalen duftendem Tee servierte. Die vier Ehrwürdigen baten Tripitaka, davon zu kosten, doch dieser zögerte ängstlich. Erst als seine Gastgeber zu essen begannen, nahm auch Tripitaka ein wenig von dem Pudding. Nachdem der Tee getrunken war, wurden die Schalen
abgeräumt. Derweil betrachtete Tripitaka aus den Augenwinkeln die in wunderbares Licht getauchte Umgebung, die ihm erschien, als läge sie im schönsten Mondschein. So war es in der Tat:
Wasser sprudelt aus dem Fels,
Duft entströmt den Blüten.
Edel ist der holde Bund,
Fern vom Staub auf Erden!
In dieser paradiesischen Umgebung wurde es dem Priester ganz wohl ums Herz, ja es dünkte ihn so schön, dass er unwillkürlich einen Vers vor sich hin murmelte:
»Das stille Herz ist wie der Mond,
Fernab von Staub, vollkommen frei.«
Lächelnd nahm Meister Achtzehn sein Wort auf und reimte:
»Es ist des Dichters Eingebung
Dem Himmel gleich, so frisch und neu!«
Nun fuhr Meister Einsam-Aufrecht fort:
»Angefüllt mit hübschen Versen,
Wie Brokat auf edlem Putz.«
Und Meister Himmelhoch fügte hinzu:
»Aus ganz wenig schönen Reimen
Wird ein gar aparter Schatz!«
Zuletzt sprach Greis Wolkenfühler:
»Lasst uns allen Schwulst und Prunk
Der Sechs Reiche Lyrik räumen;349
Dass wir mit dem Buch der Lieder
Wieder neue Strophen reimen!«
Da meinte Tripitaka verlegen: »Ganz unbesonnen habe ich diese Verse gemacht; geradeso, als würde ich vor den Toren des Tischlergottes mit der Axt hantieren. Eure Verse hingegen, die ich eben vernehmen durfte, waren von solch reiner und beispielloser Eleganz, dass man euch wahre Meister der Poesie nennen darf!«
»Lasst die höflichen Umschweife, heiliger Mönch«, erwiderte Meister Achtzehn. »Doch wer sich zum Mönchtum bekennt, sollte Angefangenes zu Ende führen. Da Ihr also nun den ersten Vers gemacht habt, könntet Ihr doch auch noch einen Schlussvers reimen? Wir wünschten gar sehr, dass Ihr dies Poem vollendet!«
Tripitaka blieb nun nichts anderes übrig, als dem Gedicht eine letzte Strophe beizufügen. Er sprach:
»In der Kiefern Säuseln lehnend,
Während anbei Tee noch siedet,
Schwillt mein Herz von Poesie
Frühlingstrunken in mir über!«
»Herrlich!« lobte Meister Achtzehn, »welch ein schöner Satz: ›Schwillt mein Herz von Poesie frühlingstrunken in mir über!‹ Doch unser heiliger Priester ist ein gebildeter Herr von hoher Tugend; wir wollen ihn nicht länger mit dem Reimen einzelner Zeilen bemühen, sondern ihn bitten, uns mit einem vollständigen Gedicht zu beehren. Anschließend werden wir uns bemühen, ebenfalls mit ganzen Gedichten darauf zu antworten.«
Tripitaka musste der Bitte wohl oder übel nachkommen, und so dichtete er lächelnd:
»In den fernen Westen pilgernd
Hin zu Buddha, ihn zu ehren;
Suche ich die edlen Schriften,
Um sie weithin zu vermehren.
Wie die Pilze langen Lebens350
Möge diese Dichtkunst laben;
Edler Bäume tausend Blüten
Lotosdüfte weitertragen.351
Auch wer Großes schon erreicht,
Schreite unentwegt voran,352
Auf dass er in allen Welten
Rechtes tun und lassen kann.353
Wird er durch Vervollkommnung
Wie ein Edelstein so rein,
Soll am Tor zum höchsten Glück
Einst sein wahrer Tempel sein!«
Die vier ehrwürdigen Alten pflichteten ihm aufs höchste bei. Dann sprach Meister Achtzehn: »Ich ungeschickter Alter will mich erkühnen, ein Gedicht beizufügen.« Und er hob an:
»Fest und aufrecht lache ich
Über Königsbäumen hoch;
Nicht einmal der Götterbaum
Genießt einen solchen Ruf.
Hoch über den weiten Bergen
Spielen Schatten im Geäst;354
Tausendjährige Quellen spülen
Meines Harzes Amberduft.
Ich weiß mit dem Lauf des Alls
Große Kräfte zu beleben;
Wandle gerne meinen Weg
Mit dem Lauf von Wind und Regen.
Leider habe ich im Alter
Kein unsterbliches Gebein;
Dann wird nur der Kieferpilz
Auch im Tode bei mir sein.«355
Nun folgte Meister Einsam-Aufrecht und sprach:
»Hochbejahrt nehm ich mit Freuden
Könige der Vögel auf;
Vor dem Hause der Aparten356
Breit’ ich meine Größe aus.
Schwerer Tau in Perlenfäden
Auf dem grünen Wipfel hängt;
Tropfen rieseln in der Brise,
Die den kalten Duft verdrängt.
Nachts ertönt in langen Gängen
Leise der Gesang der Stille;
Fahle Schattenwürfe fallen
In die herbstlich kühle Halle.
Zu Neujahr im holden Lenz
Brachte ich Geschenke dar,
Heut im Alter rage ich
In den Bergen stolz hervor.«
Meister Himmelhoch fuhr fort:
»Gutes Holz für Trägerbalken
Liefern wir dem Königshaus;
Beim Palast zur Höchsten Reinheit
Kennt sich jeder mit uns aus.
In der hell besonnten Kammer
Liegt ein Hauch von herber Frische;
Auch an dunklen Mauern haften
Des Wacholders Wohlgerüche.
Heldenhaft mit ernster Würde,
Wohlgeformt in tausend Jahren,
Reichen unsre Wurzeln tief,
Die Neun Quellen zu bewahren.357
Hoch zum Himmel strebe ich
Aus dem Schatten dieser Welt;
Außerhalb der großen Menge,
Deren Freuden längst abhold!«
Und Greis Wolkenfühler sprach:
»In der Bucht am Qi-Fluss wachsend,
Weise Herrscher wir erfreuten;358
Konnten uns am Strome Wei
Über tausend Mu verbreiten.359
Keine Konkubinentränen
Netzen mehr die grünen Stämme,360
Auf gefleckten Bambusstreifen
Duftet Han-Geschichte lange.361
Jahr für Jahr sind unsre Blätter
Allzeit taubenetzt und grün;
Nur die raureifweißen Stämme
Lassen neue Ringe sehn.
Seit Ziyous Tod haben wir
Wenig echte Freunde mehr;362
Doch in Schrift und Malerei
Lebt der Name immerdar!«363
Während dieser Worte waren zwei junge Frauen in blauen Gewändern mit einem roten Lampion hereingekommen, und hinter ihnen trat eine Unsterbliche, die einen blühenden Aprikosenzweig zwischen den Fingern hielt, mit anmutigem Lächeln ein. Die vier ehrwürdigen Alten machten eine leichte
Verneigung und fragten: »Woher kommt Ihr, Aprikosengöttin?«
Die Dame grüßte mit einem Knicks, hauchte ein »Zehntausend Glück!« und sprach: »Ich habe vernommen, dass ein seltener Gast anwesend sei und dass ihr hier Gedichte austauscht. So bin ich eigens gekommen, um einen Blick auf sein Antlitz zu erbitten.«
Meister Achtzehn deutete auf Tripitaka und sprach: »Der ehrenwerte Gast sitzt hier, Ihr braucht nicht zu bitten.«
Tripitaka neigte sich stumm vor, wagte aber nichts zu sagen. Da rief die Dame: »Bringt Tee!«
Schon brachten zwei junge Dienerinnen in gelben Gewändern Teeschalen und eine Teekanne, aus der sich ein intensiver Duft von aromatischem Tee verbreitete. Nachdem man eingeschenkt hatte, erhob die Dame eine Schale und reichte sie Tripitaka, wobei sie unter dem Ärmel ihre grazile Hand zum Vorschein kommen ließ. Dann reichte sie auch den vier Ehrwürdigen je eine Schale, nahm zuletzt eine für sich und setzte sich entspannt in den Kreis. Nachdem alle ausgetrunken hatten, verneigte sie sich leicht und fragte: »Darf
ich anlässlich dieser nächtlichen Versammlung von Unsterblichen bitten, mich mit ein paar schönen Versen zu belehren?«
»Wir machen alle nur ungehobelte Verse«, meinte Greis Wolkenfühler bescheiden, »nur der heilige Mönch versteht sich wahrhaftig auf die große Lyrik aus der Blüte der Tang- Dynastie. Es ist überaus bewundernswert!«
Und die vier Ehrwürdigen beschrieben ausführlich, welche Verse der Priester anfangs und im weiteren Verlauf gemacht und wie er die buddhistische Lehre dargelegt hatte. Da sprach die Dame mit strahlendem Lächeln: »Ich bin ganz unbegabt in Poesie und sollte meine Schwächen eigentlich nicht zur Schau stellen, doch da ich nun solch schönen Versen lauschen durfte, wäre es doch nicht schicklich, gar nichts dazu beizutragen. Darum will ich doch, so gut es geht, auf seine letzte Strophe ein Gedicht zu reimen suchen, falls ihr nichts dagegen habt.«
Dann trug sie mit klarer Stimme vor:
»Königin von allen Blumen
Nennt man mich in Kaisers Garten;
An den Ufern des Si-Flusses
Preisen Dichter meine Würden.
Dong der Göttliche liebte eigens364
Mein frühjährlich’ Blütenmeer;
Sun Chu brachte meinen Duft
Am Fest der Kalten Speisen dar.
Regen nässt das frische Rosa
Zierlich und von heller Fülle;
Dunst steigt aus dem klaren Grün,
Nur der Tau verbirgt sich stille.
Liebenswert ist in der Reife
Die leicht säuerliche Süße,
Dass ich zur Getreideernte
Jährlich Früchte fallen lasse.«
Nachdem sie geendet hatte, sprachen die vier ehrwürdigen Alten lobend: »Sehr schön, rein und edel, dem Staub der Welt enthoben! Und wie in ihren Worten auch noch ein holder Frühlingssinn mitschwingt! Wundervoll sind die Verse ›Regen nässt das frische Rosa, zierlich und von heller Fülle; Dunst steigt aus dem klaren Grün, nur der Tau verbirgt sich stille.‹!«
»Ach, schrecklich schlecht«, wehrte die Dame bescheiden lächelnd ab. »Die Verse aber, die ich zuvor von dem heiligen Mönch vernehmen durfte, waren in der Tat wie schimmernder Brokat, entsprungen einem Herzen von Samt und Seide. Wenn Ihr mir Eure Weisheit nicht verwehret, möchte ich Euch bitten, mich mit einem weiteren Gedicht zu belehren.«
Tripitaka gab keine Antwort. Da begann die Dame mit ihrem Liebreiz zu spielen, rückte näher zu Tripitaka, bis sie sich schließlich an ihn schmiegte und flüsterte: »Verehrter Gast, worauf wartet Ihr noch? Lasst uns doch in dieser schönen Nacht vergnüglich beisammen sein! Das Leben ist so kurz, solch großartige Augenblicke sind so selten!«
Da meinte auch Meister Achtzehn: »Wie könnt Ihr unserer
Aprikosengöttin bei ihrer Hochachtung Euer Entgegenkommen verwehren? Es wäre doch allzu ungalant, ihr Eure zärtliche Zuwendung zu verwehren!«
»Unser heiliger Mönch besitzt hohe Bildung und großen Ruhm«, wandte nun Meister Einsam-Aufrecht ein, »er wird sich gewiss nicht leichtsinnigem Handeln hingeben. Wenn wir ihn auf diese Weise nötigen, machen wir uns an ihm schuldig. Doch wenn ihm unsere Aprikosengöttin wirklich zugeneigt ist, könnten ihm Greis Wolkenfühler und Meister Achtzehn gern als Ehevermittler dienen, Meister Himmelhoch und ich wären die Brautzeugen, und so würden die beiden ein wundervolles Hochzeitspaar!«
Während dieser Worte verfärbte sich Tripitakas Gesicht; schließlich sprang er auf und rief: »Ihr seid doch alle Ungeheuer, dass ihr mich derart verführen wollt! Dass wir zuvor in lyrischen Worten über das Mysterium des Dao gesprochen haben, war in Ordnung. Doch wie könnt ihr bloß versuchen, mich geringen Mönch durch die List der Verführung ins Leid zu stürzen?«
Auf Tripitakas zornige Rede wagten die vier ehrwürdigen Alten nichts zu entgegnen. Doch plötzlich fuhr der feuerrote Geisterdiener auf und schrie: »Der Mönch weiß sich nicht zu benehmen! Was habt Ihr eigentlich an meiner Schwester auszusetzen? Ganz abgesehen von ihrer beispiellosen Schönheit und Grazie würde sie Euch allein mit ihrer kunstvollen Handarbeit und erst recht mit dem Gedicht, das sie eben vorgetragen hat, weit übertreffen! Lasst Euch eine solche Gelegenheit doch nicht entgehen! Was Meister Einsam- Aufrecht sagt, ist höchst angemessen. Wenn ihr euch nicht gleich verkuppelt, dann bestimme ich über Eure Heirat!«
Tripitaka erblasste vor Schreck und nahm fortan von allen keine Notiz mehr, was auch immer die anderen sagen mochten.
»Mönch!« fing da der Geisterdiener wieder an, »da reden wir Euch gut zu, und Ihr wollt einfach nicht auf uns hören. Wenn Ihr kein Weib kriegt, verbringt Ihr Euer Leben doch umsonst!«
Still in sich gekehrt, sann Tripitaka: »Wo mögen mich wohl meine Schüler suchen?« Unvermittelt kamen ihm die Tränen. Die Dame lächelte ihm zu, schmiegte sich an ihn und tupfte ihm mit einem honigfarbenen Damasttüchlein die Tränen aus dem Gesicht. »Grämt Euch nicht, verehrter Gast«, flüsterte sie, »lasst uns doch miteinander Freude haben; ich werde mich Euch mit Leib und Seele hingeben!«
Da stieß der Priester einen wütenden Schrei aus und lief davon. Die anderen aber fielen ihm in den Weg, versuchten ihn zurückzuziehen und ließen nicht eher locker, als bis der Morgen graute. Auf einmal erklang eine Stimme: »Meister! Meister! Wo habt Ihr eben gerufen?«
Der Große Heilige war nämlich mit Bajie, Sandmönch, Pferd und Gepäck die ganze Nacht hindurch gelaufen; in allen Richtungen hatten sie sich durchs Dorngestrüpp gekämpft und hatten schließlich auf Wolken den achthundert Meilen weiten Dornenkamm überquert. Wie sie nun Tripitakas wütenden Schrei vernahmen, riefen sie nach ihm. Der Priester kämpfte sich aus der Tür und rief: »Wukong! Hier bin ich, rette mich!«
Mit einemmal waren die vier Alten, der Geisterdiener und die Dame spurlos verschwunden. Einen Augenblick später eilten Bajie und Sandmönch heran und fragten: »Meister, wie seid Ihr bloß hierhergekommen?«
Da berichtete Tripitaka alles, was sich in der Nacht ereignet hatte.
»Habt Ihr sie denn nicht nach ihren Namen gefragt, wenn Ihr schon mit ihnen plaudert und Gedichte macht?« fragte Pilger.
»Doch, ich kenne ihre Namen«, erwiderte Tripitaka, »der Älteste hieß Meister Achtzehn, mit Beinamen Fester Anstand; die drei anderen nannten sich Meister Einsam-Aufrecht, Meister Himmelhoch, Greis Wolkenfühler, und die Frau wurde Aprikosengöttin genannt.«
»Wo sind die Dinger jetzt?« fragte Bajie, »wohin sind sie verschwunden?«
»In welche Richtung sie gegangen sind, kann ich nicht sagen«, antwortete Tripitaka, »doch der Ort, wo wir Gedichte gemacht haben, ist ganz nahe.«
Die drei Schüler folgten seinem Blick und entdeckten nun eine Steinstele, auf der geschrieben stand: »Haus der Baumgeister«.
»Hier ist es«, sagte Tripitaka. Pilger sah sich die Umgebung genauer an und gewahrte nun einen hohen Wacholderbaum, eine alte Zypresse, eine alte Kiefer und einen alten Bambus. Hinter dem Bambus stand ein roter Ahorn. Schließlich entdeckte er neben einer Felswand auch noch einen alten
Aprikosenbaum, zwei Winterkirschen und zwei Osmanthussträucher.
Pilger lachte und fragte: »Habt ihr die Ungeheuer gesehen?«
»Nein«, meinte Bajie.
»Ihr wisst das eben nicht. Es sind diese Bäume hier, die sich in Geister verwandelt haben.«
»Woher weißt du das, Bruder?« wunderte sich Bajie, und Pilger erklärte: »Meister Achtzehn ist die Kiefer, Meister Einsam-Aufrecht die Zypresse, Meister Himmelhoch der Wacholder und Greis Wolkenfühler der Bambus. Der feuerrote Geist ist der Ahorn, die Aprikosengöttin der Aprikosenbaum, und die jungen Frauen sind die Osmanthussträucher und die Winterkirschen.«
Als Bajie dies gehört hatte, drosch er ohne Wenn und Aber mit seinem Rechen auf die Bäume ein und wühlte mit der langen Schnauze, bis die Winterkirsche, der Osmanthus, der Aprikosenbaum und der Ahorn zerstört am Boden lagen. Tatsächlich tropfte frisches Blut aus ihren Wurzeln. Tripitaka fiel ihm in den Arm und rief: »Wuneng, du darfst sie nicht verletzen! Sie haben sich zwar so weit vollendet, dass sie als Geister erscheinen können, doch haben sie mir ja nichts angetan. Lasst uns den Weg suchen und weiterziehen!«
»Meister, Ihr braucht kein Mitleid zu haben«, versetzte Pilger, »es kann gut sein, dass sie später zu schlimmen Ungeheuern werden und den Menschen nicht geringen Schaden zufügen!«
Da legte der Tölpel kurzerhand auch noch die Kiefer, die Zypresse, den Wacholder und den Bambus um, half dann dem Meister aufs Pferd, und so zogen sie weiter dem Westen entgegen. Und da wir nicht wissen, wie es weiterging, lasst uns hören, was das nächste Kapitel berichtet.