Accueil > Die Reise nach Westen > Kapitel7

007 Der Große Heilige entspringt dem Ofen der Trigramme / Der Herzensaffe festigt sich im Berg der Wandlungsphasen

Wie berichtet wurde, hatte man den Himmelsebenbürtigen Großen Heiligen auf den Geister-Richtplatz zur Enthauptung geführt, wo er an der Geisterjoch-Säule festgebunden wurde. Doch alle Versuche, ihn mit Säbel, Axt, Speer oder Schwert zu verwunden, schlugen fehl. Da befahl der Sternfürst des Südgestirns den Göttern der Abteilung für Feuer, einen Brand zu entfachen, um den Affen zu versengen. Doch auch dies vermochte ihm nichts anzuhaben. Schließlich hieß er die Götter der Abteilung für Donner, ihn mit Donnersplittern zu besprengen, doch selbst damit wurde ihm kein Haar gekrümmt.

Da begab sich der Kraftvolle Geisterkönig mit den anderen zum Jadekaiser und meldete: »Erhabene Majestät! Irgendwo muss dieser Große Heilige die Kunst der Unverletzlichkeit erlernt haben. Eure Minister haben alles versucht, doch können ihm weder Säbel- und Axthiebe noch Donnersplitter oder Feuer etwas anhaben. Was sollen wir tun?«

Als der Jadekaiser dies hörte, fragte er seinerseits: »Wie können wir den Kerl nur bestrafen, wenn er derartige dämonische Kräfte besitzt?«

Da meldete sich der Alte Meister Laozi und sprach: »Dieser Affe hat bereits Unsterblichkeitspfirsiche gegessen und himmelskaiserlichen Wein getrunken, außerdem hat er meine Pillen der Unsterblichkeit gestohlen, ganze fünf Kalebassen von rohem und gereiftem Elixier hat er verschlungen! Im geistigen Feuer tiefster Versenkung verschmilzt all dies zu einem Stück, deshalb hat er jetzt einen diamantenen Körper, der kaum mehr zu verletzen ist. Am besten wäre es, ich alter Daoist würde ihn mitnehmen und in meinen Ofen der Acht Trigramme stecken. Dort kann ich ihn mit starkem und schwachem Feuer läutern und mein Elixier aus ihm herausschmelzen. Dann wird er zu Asche verglühen.«

Umgehend schickte der Jadekaiser die sechs Ding- und die sechs Jia-Götterkrieger aus, den Affen loszubinden und dem Alten Meister mitzugeben. Laozi nahm den kaiserlichen Befehl entgegen und trat ab. Außerdem ließ der Jadekaiser den Offenbarten Heiligen Erlang rufen und erteilte ihm zum Lohn hundert Goldblumen, hundert Flaschen Wein, hundert Pillen geläuterten Elixiers, kostbare Schätze und leuchtende Perlen, herrliche Brokatseide und vieles andere mehr, mit dem Hinweis, alles mit seinen Gebrüdern zu teilen. Wie Erlang sich für die kaiserliche Huld bedankte und zur Mündung des Guanjiang zurückkehrte, sei hier nicht weiter ausgeführt.

Inzwischen war Laozi aber beim Tusita-Palast angekommen, wo er dem Großen Heiligen die Fesseln und den Haken am Schlüsselbein löste und ihn in seinen Ofen der Acht Trigramme stieß. Einem Jünger befahl er, das Feuer zu schüren und den Schmelzprozess in Gang zu bringen.

Nun bestand dieser Elixierofen ja aus den Acht Trigrammen Qian, Kan, Gen, Zhen, Xun, Li, Kun und Dui, und darum drängte sich der Große Heilige sofort in den Bereich des Trigramms Xun, denn dieses entspricht dem Wind, und wo der Wind geht, ist kein Feuer. Allerdings wehte ihm der Wind den ganzen Rauch ins Gesicht und rötete seine Augen so sehr, dass er sich ein Augenleiden eintrug. Darum sprach man später immer von seinen »feurigen Augen mit goldenen Pupillen«.

Flugs verging die Zeit, die für den Schmelzprozess notwendigen sieben mal sieben Tage waren um, und es war Zeit, den Ofen zu öffnen, um das Elixier herauszunehmen. Der Große Heilige rieb sich gerade mit beiden Händen seine tränenden Augen, als er über sich ein Geräusch hörte, die Augen aufriss und Licht sah. Da konnte er sich nicht halten, schnellte hoch und sprang heraus. Polternd stürzte der Ofen um, und der Große Heilige suchte das Weite. Die Feuerwärter, Ofenwächter und Götterkrieger jagten ihm nach, doch er schüttelte einen nach dem anderen ab, rasend wie ein tollwütiger Weißstirn-Tiger oder ein irrsinniger Einhorn- Drache. Laozi, der hinzulief und ihn packen wollte, wurde von einem Schlag getroffen und purzelte hintüber. Der Große Heilige aber stob davon, nahm seinen Wunscherfüllenden Stab aus dem Ohr und schwang ihn in den Wind, bis er die Dicke einer Reisschale hatte, dann packte er ihn mit beiden Händen und bahnte sich rücksichtslos seinen Weg durch den ganzen Himmelspalast. Er wütete so wild, dass die Neun Strahlenden Tür und Tor verriegelten und die Vier Großen Himmelskönige spurlos verschwanden.

Polternd stürzte der Ofen um, und der Große Heilige suchte das Weite.

Guter Affengeist! Ein Gedicht besagt:

Sein Körper aus dem Urchaos

Ist das Sein im Vor-Kosmos;65

Tausendfach, Äonen lang,

Weilend nur in seinem Gang.

Unermesslich, ohne Tun,

Des Höchsten Einen Allgewalt;

Unbewegt im So-Sein ruhend,

Urmysterium genannt.

Was im Ofen lang geläutert,

War nicht Quecksilber und Blei,66

Denn der Göttliche verweilet

Außerhalb der Stofflichkeit.

In der Wandlung ohne Ende

Wandelt er sich immerfort;

Drei Gelübde, Fünf Gebote,

Davon rede hier kein Wort.67

Und ein weiteres Gedicht:

Des Affen Dao-Körper,

Gehört dem Herzen an;

Das Herz, es ist ein Affe,

Hierin liegt tiefer Sinn!

Pferd und Affe sind zusammen

Die Gedanken und das Herz.68

Zügle sie und halt sie fester,

Suche nicht nach außen hin!

Diesmal wütete der Affenkönig mit seiner Eisenstange so ungestüm durch den Himmelspalast, dass keiner ihn aufhalten konnte und er sich seinen Weg bis zur Halle der Himmelshöhen schlug. Zum Glück hielt hier gerade Wächtergott Wang, Beistand des Schutzpatrons der Heiligkeit, Wache. Wie er den Großen Heiligen heranstürmen sah, stellte er sich mit erhobener Goldpeitsche in den Weg und rief: »Wohin, du elender Affe? Hör auf mit dieser Raserei, nimm dich in Acht!«

Ohne darauf einzugehen, stürmte der Große Heilige mit erhobener Stange auf ihn los, während ihm der Wächtergott mit der Peitsche entgegentrat. So entspann sich vor der Halle der Himmelshöhen ein hitziges Gefecht, in dem keiner dem anderen unterlegen war. In der Zwischenzeit hatte der Schutzpatron der Heiligkeit bereits einen Krieger zum

Donnerpalast geschickt, um die sechsunddreißig Donnerkrieger zu mobilisieren, die nun den Großen Heiligen umzingelten und ihm einen erbitterten Kampf lieferten. Der aber zuckte mit keiner Wimper. Erst als die vielen Waffen ihm zu nahe rückten, machte er einen leichten Dreh und wurde zu einem dreiköpfigen Monster mit sechs Armen, schwang den Goldreifstab, bis er sich verdreifachte, und wirbelte schließlich drei Stangen in sechs Händen, dass er in der Mitte surrend wie eine Spindel einen wilden Tanz vollführte. Nun wagten ihn nicht einmal mehr die vereinten Donnergeneräle anzugreifen. So war es in der Tat:

Kreiselnder Tanz,

Funkelnder Glanz!

Wer kann je lernen,

Was ewig bestand?

Kein Feuer kann ihn brennen,

Kein Wasser ihn umbringen!

Denn es strahlt sein Licht so rein

Wie der Mani-Perle Schein;

Weder Lanze, Schwert noch Speer

Tragen ihm Verwundung ein.

So mag er denn im Guten

Wie auch im Bösen walten,

Wie er sich entscheidet,

Ist nur ihm vorbehalten.

Im Guten kann er Buddha

Und Unsterblicher sein;

Im Bösen trägt er Hörner,

Packt in Pelz sich ein.

In steter Wandlung stürmt er

Durch alle Himmelshöhen;

Dass die Götter, Donnerkrieger

Sich vergeblich mühen!

Nun hatten ihn die Götter also umzingelt, doch vermochten sie sich ihm nicht zu nähern. Inzwischen war aber auch der Jadekaiser auf den Lärm des Gefechts aufmerksam geworden und entsandte den Wandelnden Götterboten mit dem Schirmherrn der Heiligkeit, den ehrwürdigen Buddha Tathagata im Westen um Hilfe zu bitten.69

Nachdem die beiden Heiligen das Gebot erhalten hatten, begaben sie sich umgehend zum hehren Tempel des Donnergrollens in die bezaubernden Gefilde des Seelenbergs. Dort verbeugten sie sich vor den vier Diamantwächtern und acht Bodhisattvas und baten sie, ihr Anliegen Buddha zu melden. Die Gottheiten begaben sich vor den Lotosthron, wo sie den Buddha in Kenntnis setzten, und forderten dann die beiden Heiligen auf, Buddha mit dreimaliger Umschreitung ihre Ehrerbietung zu erweisen und sich dann vor den Thron zu stellen.

Da fragte Buddha: »Welche Gründe haben den Jadekaiser bewogen, die Heiligen hierherzusenden?«

Ausführlich schilderten die beiden die Sache mit dem Großen Heiligen und schlossen mit den Worten: »Weil wir uns in dieser Notlage nicht zu helfen wissen, ersucht der Jadekaiser Ehrwürden Buddha um Beistand.«

Als Buddha dies vernommen hatte, wandte er sich an die Bodhisattvas und sprach: »Bleibt achtsam hier im Tempel, bis ich diesen Dämon geläutert habe.«

Dann hieß er seine Jünger Ananda und Kasyapa, ihm zu folgen. Gemeinsam verließen sie den Tempel und kamen zur Halle der Himmelshöhen, wo schon ein wildes Kampfgetöse

zu hören war. Es rührte von den sechsunddreißig Donnerkriegern, die den Großen Heiligen in Schach hielten. Da verkündete Buddha: »Mögen die Donnerkrieger die Waffen niederlegen und das Kampffeld freigeben! Ruft den Großen Heiligen heraus, damit ich ihn befragen kann.«

Unverzüglich wichen die Krieger zurück. Der Große Heilige stellte seine Verwandlung ein, trat in eigener Gestalt wutschnaubend vor Buddha und schrie: »Wo kommst du her, du Frommer, dass du es wagen kannst, die Krieger aufzuhalten, um mich zu befragen?«

Buddha lachte und sprach: »Ich bin Ehrwürden Shakyamuni aus dem Paradies des Westens, Namo Amithaba Buddha. Heute habe ich vernommen, dass du dich wild und rücksichtslos aufführst und bereits mehrfach gegen den Himmelspalast rebelliert hast. Wo bist du geboren, in welchem Jahr hast du das Dao erlangt, und was führt dich zu solcher Gewalttätigkeit?«

Da gab der Große Heilige zur Antwort: »Im Grunde bin ich

Ein beseelt vermengter Geist,

Von Himmel und Erde erschaffen

Auf dem Blumen-Früchte-Berg

Zum alten Menschenaffen.

In der Wasservorhang-Grotte,

War ich einst daheim,

Bis ich einen Meister fand

Und erfuhr, was tief geheim.

Viele Künste langen Lebens

Lernte ich dabei,

Seither kann ich mich verwandeln,

Grenzenlos und frei.

Weil mir dieses Erdenleben

Allzu eng geworden,

Bin ich nun entschlossen,

Den Himmel zu erwerben.

Das azurne Himmelszelt

Gehört bald nicht mehr ihm,

Auch der Menschen Könige

Wechseln Dynastien!

Dem Stärkeren die Macht,

Jetzt ist’s an mir!

Von allen Helden traut es sich

Einzig dieser hier!«

Da lachte Buddha auf und sprach: »Du Lump! Ein Affe bist du also, der zu einem Geist geworden ist! Wie kannst du derart gewissenlos sein, dem Jadekaiser den Thron streitig machen zu wollen? Er hat den Weg der Vervollkommnung von klein auf beschritten und kultiviert ihn seit mehr als 1750 Kalpas. Ein Kalpa zählt 129 600 Jahre; nun kannst du dir selbst ausrechnen, wie viele Jahre er brauchte, in den Genuss dieses allerhöchsten Großen Dao zu kommen! Du Bestie in deiner ersten menschlichen Gestalt, wie kannst du dir derart anmaßende Worte erlauben? Unwürdiger, o Unwürdiger! Das wird dich dein Leben kosten. Bekehre dich und lass die eitlen Reden. Es braucht dir nur jemand übelzuwollen, und dein Leben wäre auf der Stelle zunichte; schade wär’s um das ursprüngliche Antlitz deines Wesens!«

»Mag er sich auch Jahrtausende in der Vervollkommnung geübt haben«, gab der Große Heilige zurück, »trotzdem braucht er sich nicht so lange hier aufzuhalten. Das Sprichwort geht: ›Der Vorsitz wird reihum besetzt, im nächsten Jahr bin ich der Herr.‹ Es genügt doch, wenn er abgesetzt wird und man den Himmelspalast mir übergibt. Geschieht das nicht, dann stürme ich ihn mit Gewalt, und ihr kriegt keine Ruhe mehr!«

»Was für Fähigkeiten hast du denn, abgesehen vom ewigen Leben und den Verwandlungskünsten, dass du dir anmaßest, den Himmelspalast besetzen zu wollen?« fragte Buddha.

»Eine ganze Menge! Ich beherrsche alle zweiundsiebzig Verwandlungen, verstehe mich auf die Kunst, Jahrmillionen lang jung zu bleiben, und ich kann in einem einzigen Wolkenüberschlag 108 000 Meilen zurücklegen. Was soll mich da noch hindern, den Himmelsthron zu besteigen?«

»Dann will ich mit dir eine Wette schließen«, sprach der Buddha. »Wenn du es schaffst, mit einem Wolkenüberschlag über meine rechte Handfläche hinauszukommen, hast du gewonnen. Dann lassen wir die Waffen ruhen, ich bitte den

Jadekaiser, sich im Westen niederzulassen, und der Himmelspalast gehört dir. Falls du aber nicht darüber hinausgelangst, musst du als Dämon zur Erde zurück und dich noch einige Jahrtausende der Vervollkommnung widmen, bevor du wieder Streit suchst.«

Der Große Heilige lachte stillvergnügt und dachte: »Wie ist doch dieser Buddha einfältig. Ich alter Sun schaffe in einem Wolkenüberschlag 108 000 Meilen, und seine Handfläche misst nicht mal eine Elle! Wie könnte mir dieser Sprung je misslingen?« Dann rief er laut: »Wirst auch halten können, was du mir da versprichst?«

»Ja, das werde ich«, sprach der Buddha und streckte seine rechte Hand aus, die nun so groß aussah wie ein Lotosblatt. Da steckte der Große Heilige den Wunscherfüllenden Stab ins Ohr, ballte seine Energie, sprang mit einem Satz auf Buddhas Handfläche und schrie: »Los geht’s!«

Seht, wie er auf lichten Wolken davonsaust und in der Ferne entschwindet!

Mit weisem Auge beobachtete Buddha, wie der Affenkönig einem Windrad gleich voranstürmte. Auf seinem Weg aber sah der Große Heilige plötzlich fünf fleischfarbene Säulen, welche den blauen Äther zu stützen schienen. Da sagte er sich: »Hier ist das Ende. Jetzt geh ich zurück, der Buddha ist Zeuge, und der Himmelspalast ist mein!« Doch dann überlegte er: »Ich muss noch ein Zeichen hinterlassen, damit ich die Sache mit Buddha besprechen kann.«

Er zupfte sich ein Pelzhaar aus, behauchte es, und mit dem Ruf »Verwandlung!« hielt er einen tuschegetränkten Pinsel in der Hand, mit dem er nun in großen Zeichen auf die mittlere Säule schrieb: »Der Himmelsebenbürtige Große Heilige kam bis hier!«

Anschließend fing er sein Haar wieder auf und hinterließ zuletzt sehr unfeierlich am Sockel der ersten Säule eine Lache Affenpisse. Dann wirbelte er mit einem Wolkenüberschlag zurück, landete in der Mitte von Buddhas Handfläche und meinte: »Ich bin schon wieder zurück. Jetzt kannst du dem Jadekaiser sagen, dass er mir den Himmelsthron abtreten soll!«

»Du Pissaffe!« schimpfte der Buddha. »Du bist gar nicht über meine Handfläche hinausgekommen!«

»Du hast ja keine Ahnung!« erwiderte der Große Heilige, »ich bin bis zum Ende des Himmels gekommen, wo fünf fleischfarbene Säulen das blaue Firmament stützen. Dort habe ich ein Zeichen hinterlassen; traust du dich, mit mir hinzugehen?«

»Wir brauchen nicht hinzugehen«, sprach Buddha, »schau nur hierher.«

Da riss der Große Heilige seine feurigen Augen auf und richtete den Blick auf Buddhas Hand. Am Mittelfinger der rechten Hand stand geschrieben: »Der Himmelsebenbürtige Große Heilige kam bis hier!« Aus der Vertiefung neben dem Daumen drang der Gestank von Affenurin.

Der Große Heilige erschrak. »Wie ist das möglich!« stammelte er. »Wie kann das sein! Ich habe diese Zeichen auf die Säule geschrieben, die den Himmel stützt! Warum sind sie jetzt auf seinem Finger? Hat er etwa irgendeinen Zauber? Nein, das glaube ich ihm nicht, niemals! Jetzt geh ich gleich noch mal hin.«

Der wackere Große Heilige! Schon machte er sich zum Sprung bereit, doch gerade als er hochschnellen wollte, stülpte Buddha die Hand über ihn und beförderte den Affenkönig zum Westlichen Himmelstor hinaus. Aus den Fingern aber machte er fünf aneinandergereihte Gipfel aus Metall, Holz, Wasser,

Feuer und Erde, nannte sie den »Berg der Fünf Wandlungsphasen« und setzte sie sachte auf den Affenkönig.

Da falteten die Donnergötter, Ananda und Kasyapa die

Hände, priesen Buddha und sprachen: »Wundervoll, wundervoll!

Einst aus einem Ei entstanden,

Lernte er, ein Mensch zu sein,

Der Erlösung galt sein Ziel,

Er fand das Dao wahr und rein.

Doch heute ist das Maß zu voll,

Das Böse muss vergolten werden;

Wer weiß, wann die Zeit erfüllt,

Dass ihm Rettung kommt auf Erden?«

Da Buddha nun den dämonischen Affen bezwungen hatte, hieß er Ananda und Kasyapa, den Rückweg in den Westen anzutreten. Da aber eilten von der Halle der Himmelshöhen Marschall Tianpeng und Marschall Tianyou herbei und riefen: »Möge Buddha noch einen Augenblick verweilen, unsere Majestät fährt ein!«

Als der Buddha dies vernommen hatte, wandte er den Blick nach oben, und tatsächlich, binnen kürzester Zeit sah er die herrlich geschmückte und von neunfarbig schillernden

Baldachinen überdeckte himmelskaiserliche Sänfte herniederschweben, bis sie schließlich im bezaubernden Klang sphärischer Musik und unerschöpflicher Göttergesänge unter Blütenregen und Wohlgerüchen vor Buddha zu stehen kam. Der Jadekaiser sprach: »Dank sei der großen Macht Eurer Lehre, dass der schlimme Dämon endlich bezwungen werden konnte! Möge Buddha einen Tag verweilen, damit alle Unsterblichen Euch zu Dank ein Festmahl geben können!«

Der Buddha konnte die Einladung schlecht ausschlagen. Er faltete die Hände und sprach: »Ich geringer Mönch bin nur auf Geheiß der himmlischen Hoheit hierhergekommen und darf mich keiner Macht rühmen. Unseren Erfolg verdanken wir dem hehren Glück des Himmelsherrschers und der Götter.«

Der Jadekaiser sandte nun die Götter der Donnerabteilung in alle Himmelsrichtungen, um die Drei Reinen, die Vier Kaiser, die Fünf Alten, die Sechs Minister, die Sieben Ursprünglichen, die Acht Pole, die Neun Strahlenden, die

Zehn Höllenkönige sowie die tausend Wahren und zehntausend Heiligen zu diesem Anlass einzuladen, damit man gemeinsam die Gunst des Buddha vergelte. Außerdem befahl er den Vier Großen Himmelsmeistern und der Fee vom Neunten Himmel, die Goldenen Tore des Himmelspalastes, die Halle des Höchsten Mysteriums und die Jadehalle der Profunden Yang-Kraft weit zu öffnen, Buddha zum Thron der Sieben Kostbarkeiten zu geleiten, die Sitzordnung der geladenen Gäste anzuordnen und eine Festtafel mit

Drachenleber, Phönixmark, Jaspistrunk und Unsterblichkeitspfirsichen bereitzustellen.

Es dauerte nicht lange, da erschienen unter Flaggen und paarweise getragenen Baldachinen die Drei Reinen: der Himmlische Ehrwürdige des Uranfangs aus dem Himmel der Jadereinheit, der Himmlische Ehrwürdige des Magischen Juwels aus dem Himmel der Oberen Reinheit und der Himmlische Ehrwürdige des Weges und der Wirkkraft aus dem Himmel der Höchsten Reinheit. Ihnen folgten die Wahren Meister der Fünf Planeten, die Sternfürsten der Fünf Sternbilder, die Drei Minister und Vier Heiligen, die Neun Strahlenden, der Linke und der Rechte Adjutant des Siebengestirns, die Himmelskönige mit Prinz Nata, ja sämtliche Wesen des Himmels. Alle brachten Buddha glänzende Perlen, herrliche Schätze, Früchte der Langlebigkeit und bezaubernde Blütenkelche dar, verneigten sich und sprachen: »Dank sei Eurer Allmächtigkeit, o Buddha! Ihr habt den dämonischen Affen bezwungen. Da wir die Ehre haben, vom Großen Erhabenen des Himmels zu diesem frohen Festmahl geladen zu sein, wollen wir uns Euch erkenntlich zeigen. Dürfen wir Ehrwürden Buddha bitten, unserer Zusammenkunft einen Namen zu verleihen?«

Da sprach Buddha: »Sie soll ›Große Versammlung zum Himmlischen Frieden‹ heißen.«

»Wohlan!« riefen alle Anwesenden: »Die Große Versammlung zum Himmlischen Frieden!«

Daraufhin nahmen alle ihre Plätze ein, Kannen und Krüge machten die Runde, man steckte sich Blumen ins Haar, Trommeln und Zithern wurden geschlagen; es war ein herrliches Fest, und alle waren bei bester Laune.

Da sah man die Königinmutter des Westens mit Feen und Grazien in wiegendem Tanze auf Buddha zuschweben, wo sie sich verneigte und sprach: »Zwar ist das Große Pfirsichbankett durch den dämonischen Affen verwüstet worden, doch dank Euch, verehrter Buddha, der Ihr mit Allmacht den störrischen Affen bezwanget, dürfen wir nun in hehrer Glückseligkeit die Große Versammlung zum Himmlischen Frieden zelebrieren. Ich habe nichts, womit ich Euch gebührend Dank bezeigen könnte, außer diesen großen Unsterblichkeitspfirsichen, die ich mit reiner Hand gepflückt habe.«

Buddha dankte der Königinmutter mit gefalteten Händen, worauf sie die Feen und Grazien von neuem singen und tanzen ließ, derweil die Festgesellschaft weiter schmauste.

Wenig später traf unter herrlichen Düften der Stern der Langlebigkeit vom Südpol ein, vollführte vor dem Jadekaiser die erforderlichen Verbeugungen, trat dann vor den Buddha, dankte und sprach: »Damals, als ich hörte, dass Meister Laozi jenen dämonischen Affen in seinem Ofen im Tusita-Palast geläutert habe, glaubte ich, es würde fortan Friede herrschen, und hätte nicht gedacht, dass dieser Affe von neuem sein Unwesen treiben würde. Glücklicherweise habt Ihr, verehrter Buddha, dieses Ungeheuer nun unterworfen. Da ich von dem Festbankett erfahren, das Euch zu Dank gegeben wird, habe ich mich hierherbegeben. Leider habe ich nichts anderes für Eure Heiligkeit als diese purpurnen Unsterblichkeitspilze, Edelsteinkräuter und jadenen Lotoswurzeln.«

Ein Gedicht besagt:

Ewig möge Buddha leben

Jahre wie der Sand am Meer;

Möge er in Frieden thronen

Auf dem Lotos immerdar!

Wahrer Meister hoher Lehre

Von gestaltenlosem Sein;

In der Leerheit aller Dinge

Ist der Himmelsgötter Heim.

Buddha bedankte sich freudig, und der Stern der Langlebigkeit begab sich an seinen Platz. Nun sah man den Barfüßigen Unsterblichen kommen, der erst dem Jadekaiser mit tiefen Stirnaufschlägen seine Reverenz erwies, sich dann an Buddha wandte und sprach: »Tief dankbar bin ich Eurer Heiligkeit für die Bezwingung des dämonischen Affen durch die Macht der Lehre! Ich habe leider nichts, Euch meine Hochachtung gebührend auszudrücken, doch möchte ich Euch diese zwei Birnen und ein paar Datteln offerieren.«

Der Buddha dankte auch ihm, dann hieß er Ananda und Kasyapa, die Geschenke der verschiedenen Unsterblichen sorgfältig einzupacken, und dankte dem Jadekaiser für die Einladung. Alle waren tief berauscht.

Da erschien ein himmlischer Aufsichtsbeamter und meldete: »Der Große Heilige hat den Kopf herausgestreckt.«

»Keine Sorge«, meinte Buddha, holte aber gleichzeitig aus seinem weiten Ärmel einen Papierstreifen, auf dem in sechs goldenen Schriftzeichen geschrieben stand: »唵嘛呢叭咪吽 – OM MANI PADME HUM«. Diesen reichte er Ananda und hieß ihn, die Schriftzeichen auf dem Berggipfel anzubringen.

Ananda begab sich zum Berg der Fünf Wandlungsphasen und klebte sie auf einem kubischen Felsblock fest. Da verwurzelte sich der Berg, und alle Öffnungen zogen sich zu, so dass der Affe nur noch atmen und die Hände herausstrecken konnte, den Körper vermochte er fortan nicht mehr zu regen.

Nachdem Ananda zurückgekehrt war, verabschiedete sich der Buddha vom Jadekaiser und allen Göttern und trat mit den beiden Jüngern aus dem Himmelstor. Als sie am Berg der Fünf Wandlungsphasen vorbeikamen, rief er in barmherziger Regung mit einem Zauberwort den Erdgeist hervor und befahl ihm, den Berg gemeinsam mit den Genien der Fünf Himmelsrichtungen zu bewachen, den Affen bei Bedarf mit Eisenkugeln zu füttern und mit geschmolzenem Kupfer zu tränken. Sobald die Frist seines Leidens um sei, werde von selbst jemand kommen, ihn zu erlösen.

Und da wir nicht wissen, wann seine Leidenszeit endlich ein Ende nehmen würde, lasst uns das nächste Kapitel anhören.