Accueil > Die Reise nach Westen > Kapitel93

093 Beim Jetavana-Hain ergründet man die alten Zeiten / Im Königreich von Indien wird eine Braut gefunden

Wenn sich ein Gedanke regt,

Folgt zwingend das Verlangen;

Wenn der Sinn darin verweilt,

Wird bald ein Unheil kommen.

Warum muss beseelte Klarheit

Sich in drei Podeste teilen?

Wenn der Weg vollendet ist,

Wird man doch im Urmeer weilen!461

Willst du nun zu Buddha werden,

Die Unsterblichkeit erlangen,

Musst du doch in jedem Falle

Hier im Inneren beginnen.

Dereinst frei vom Erdenstaub,

Wirst du rein und lauter sein,

Und mit dieser Rechten Frucht

Gehst du in den Himmel ein!

Doch wenden wir uns den Klosterbrüdern zu, die bei Tagesanbruch bemerkten, dass Tripitaka und seine Schüler nicht mehr da waren.

»Ach, dass wir sie nicht länger hierbehalten haben!« riefen alle, »wir konnten nicht einmal Abschied nehmen, geschweige denn um Hilfe bitten. Leibhaftige Bodhisattvas haben wir uns entgehen lassen!«

Schon kamen Dienstboten der Ölbetriebe mit neuen Einladungen daher. Die Mönche klatschten in die Hände und riefen: »Sie sind über Nacht zum Himmel aufgestiegen!«

Da wandten sich alle mit gefalteten Händen dankend zum Himmel. Flugs verbreitete sich die Kunde in der ganzen Stadt. Die Ölfamilien wurden gebeten, Opfertiere, Blumen und Obst zu spenden, um im Gedenktempel ein Dankesopfer darzubringen. Doch davon sei hier nicht weiter die Rede.

Wenden wir uns stattdessen den Pilgernden zu, die nun unbehindert ihres Weges gingen, auf freiem Felde aßen und schliefen, mehr als einen halben Monat lang, bis sie eines Tages in der Ferne einen hohen Berg erblickten.

Einmal mehr bangte der Priester und sprach: »Nehmt euch in acht, meine Schüler. Seht nur, wie gefährlich steil dieser Berg ist!«

Pilger lachte: »Wir sind schon bald in Buddhas Gefilden, hier gibt es doch keine Ungeheuer mehr. Bleibt gelassen, Meister, und macht Euch keine Sorgen!«

»Ach mein Schüler, vor einigen Tagen sagten doch die Mönche vom Kloster, allein bis zur Hauptstadt von Indien wären es noch zweitausend Meilen. Und wie weit es von dort zum Seelenberg ist, wissen wir ja noch immer nicht!«

»Aber Meister, habt Ihr schon wieder das Herz-Sutra des Meisters vom Rabennest vergessen?«

»Das Herz-Sutra der Weisheit rezitiere ich jeden Tag; ich kann es in- und auswendig«, sprach Tripitaka. »Wie könnte ich es je vergessen?«

»Ihr rezitiert es nur, ohne dass Ihr es zu verstehen sucht!« versetzte Pilger.

»Affenschädel!« fuhr Tripitaka auf, »warum behauptest du schon wieder, ich würde es nicht verstehen? Willst du es etwa verstanden haben?«

»Ich habe es verstanden«, sprach Pilger. Und von da an gab er kein Wort mehr von sich.

Schließlich prustete Bajie vor Lachen und rief: »Na so was! Er ist genau wie ich als Dämon geboren und hat niemals auch nur irgendeinen Zen-Mönch oder einen Buddhajünger die heiligen Schriften predigen hören. Er will uns doch bloß was vormachen, tut sich groß mit seinem eitlen ›Ich weiß‹ oder ›Ich habe verstanden‹. Na, warum schweigst du? Lass hören, erklär’s uns!«

»Unser Bruder reimt irgendwas zusammen, weil er den Meister zum Weitergehen bewegen will. Er weiß seine Stange zu schwingen, das ist alles. Wie könnte er je ein Sutra auslegen!« stimmte Sandmönch bei.

Tripitaka aber sprach: »Wuneng, Wujing, seid nicht so unbesonnen! Was Wukong verstanden hat, ist die Schrift ohne Worte. Das erst ist wahres Verstehen.«

Während ihrer Unterhaltung hatten Meister und Schüler eine Anhöhe erklommen und gewahrten nun weiter vorn ein stattliches Kloster. Über dem Eingangstor stand in vier großen Schriftzeichen geschrieben: »布金禪寺 – Kloster der Goldgabe«. Nachdenklich murmelte Tripitaka im Sattel: »Goldgabe, Goldgabe – sind wir etwa bereits an der Grenze zu Sravasti?«

»Wie seltsam!« rief Bajie verwundert, »all die Jahre, die ich Euch nun begleite, habt Ihr nie gewusst, wo unser Weg hinführt. Und nun kennt Ihr Euch plötzlich aus!«

»So ist das nicht«, erwiderte Tripitaka. »Aber ich habe in den Sutren gelesen, dass Buddha einst im Jetavana-Hain des Anathapindika in der Nähe von Sravasti weilte. Anathapindika wollte diesen Hain einem Prinzen abkaufen, um Buddha einzuladen, hier zu predigen. Der Prinz aber sagte: ›Diesen Hain verkaufe ich nicht, es sei denn, du lässt seinen Boden mit Gold auslegen.‹ Auf diese Worte ließ Anathapindika den ganzen Hain mit Gold bepflastern. So konnte er ihn schließlich dem Prinzen abkaufen und Buddha einladen, hier zu predigen. Ich frage mich, ob dieses Kloster wohl damit zu tun hat.«462

»Das wäre ja wunderbar!« rief Bajie, »vielleicht finden wir noch ein paar Pflastersteine zum Verschenken.«

Man lachte und scherzte eine Weile, dann sprang Tripitaka vom Pferd und trat ein. Im Eingangsbereich herrschte ein reges Treiben: Leute gingen mit Tragstangen oder Lasten auf dem Rücken hin und her, andere schoben Karren vor sich her, manche saßen in Gruppen zusammen, schliefen oder unterhielten sich. Als die Leute die Pilgernden bemerkten und sahen, wie anmutig der eine und wie garstig die anderen waren, traten sie ihnen leicht befangen aus dem Weg. Voller Angst, seine Schüler könnten wieder Ärger machen, mahnte Tripitaka in einem fort: »Benehmt euch! Seid sittsam!«

Tatsächlich blieben alle zurückhaltend. Sie waren gerade bei der Halle der Diamantwächter, da kam ihnen ein Mönch entgegen, der eine außergewöhnliche Würde ausstrahlte. In der Tat:

Mondhell strahlt sein Antlitz schön,

Sein Körper gleicht dem Bodhi-Baum;

Den Stab zur Hand, die Ärmel im Wind,

Geht er in Strohsandalen auf Stein.

Tripitaka grüßte, der Mönch grüßte zurück und fragte: »Woher kommt Ihr, werter Meister?«

»Geringer Jünger heißt Chen Xuanzang«, sprach Tripitaka, »auf Geheiß des Kaisers von China im fernen Osten pilgere ich nach dem Westhimmel, um Buddha zu huldigen und Heilige Schriften zu holen. Da unser Weg durch Eure geschätzte Ortschaft führt, wollten wir kurz hier vorsprechen und wenn möglich ein bescheidenes Nachtlager beziehen. Morgen früh werden wir gleich weiterziehen.«

»Unser abgeschiedenes Kloster ist vielbesucht«, sprach der Mönch, »jeder kann sich hier nach Belieben einrichten, umso mehr ein göttlicher Mönch wie Ihr, werter Priester aus dem Osten. Euch zu dienen ist uns eine Ehre!«

Tripitaka bedankte sich und betrat mit seinen Schülern die Abtei, wo man nach den üblichen Begrüßungsriten Platz nahm. Inzwischen hatte sich im Kloster herumgesprochen, dass Schriftenpilger aus dem fernen chinesischen Kaiserreich eingetroffen waren, und schon drängten Geistliche, Gäste, Priester und Mönchsknaben allesamt herbei, sie zu sehen. Als nach dem Tee eine Mahlzeit aufgetischt wurde, begann der Priester das Gebet zum Eröffnen der Mahlzeit zu murmeln, während Bajie schon ein Dampfbrötchen und eine Nudelsuppe verschlang. Unter den Schaulustigen draußen vor der Abtei priesen die Gebildeten Tripitakas Würde, und die Neugierigen hefteten ihre Blicke auf den fressenden Bajie. Sandmönch bemerkte es, zwickte Bajie verstohlen und flüsterte ihm zu: »Sittsam!«

Verstimmt fuhr Bajie auf: »Sittsam, sittsam! Ich hab ’nen leeren Bauch!«

Sandmönch lachte auf und meinte: »Denk mal, Bruder, wenn man all die Sittsamen dieser Welt nach dem Bauch beurteilen wollte, sind die doch auch nicht anders als du und ich!«

Schließlich sprach Tripitaka das Schlussgebet, der Tisch wurde abgeräumt, und Tripitaka bedankte sich. Einer der Mönche erkundigte sich, weshalb Tripitaka aus dem Osten hierhergepilgert sei, worauf Tripitaka seinerseits auf die alten Stätten zu sprechen kam und fragte, was es mit dem Namen des Klosters auf sich habe. Da erklärte der Mönch: »Unser Kloster hieß vormals ›Kloster des Anathapindika-Gartens von Sravasti‹. Doch weil Anathapindika einst Buddha einlud, die Heiligen Schriften zu predigen, und dafür den ganzen Boden mit Gold bepflastert hatte, nannte man den Tempel so, wie er heute heißt. Wir blicken direkt auf das Land Sravasti, wo Anathapindika damals wohnte. Weil hier an dieser Stelle ursprünglich sein Jetavana-Kloster stand, wurde es später als ›Kloster der Goldgabe des Anathapindika‹ bezeichnet. Im hinteren Teil der Anlage befinden sich noch die Ruinen des einstigen Klosters. Nach starken Regengüssen kommen manchmal sogar einige Gold- oder Silberkörnchen zum Vorschein; manche haben Glück und finden etwas davon.«

»Dann ist es also wahr, was man erzählt!« rief Tripitaka. Und er fragte: »Als ich eben Euer geschätztes Kloster betrat, habe ich im Eingangsbereich gar viele Händler mit Pferden und Mauleseln, Karren und Lasten gesehen; warum nehmen diese hier Quartier?«

Die Mönche erklärten: »Auf unserem Berg, der Hundertfüßerberg genannt wird, war es früher ganz friedlich, doch seit einiger Zeit gehen aus unbekannten Gründen Skolopendergeister um, die Reisenden oft Schaden zufügen. Zwar ist noch niemand ums Leben gekommen, doch es wagt keiner mehr hier langzugehen. Weiter unten liegt ein

Passübergang, der heißt ›Hahnenschrei‹, denn erst frühmorgens zum ersten Hahnenschrei trauen sich die Leute dort hinüber. Die Händler, die Ihr gesehen habt, haben bei uns Quartier bezogen, weil es bald dem Abend zugeht und sie sich fürchten. Beim ersten Hahnenschrei werden sie weiterziehen.«

»Dann wollen wir auch lieber den ersten Hahnenschrei abwarten«, sprach Tripitaka. Während ihrer Unterhaltung waren abermals vegetarische Speisen aufgetragen worden, und die vier Pilgernden nahmen nun ihre Mahlzeit ein. Draußen stand der anwachsende Mond hell und klar am Himmel. Als

Tripitaka mit Pilger gemächlich im Mondschein spazierenging, kam ein Klosterdiener und meldete: »Unser alter Meister möchte die verehrten Herren aus China sehen.«

Da wandte sich Tripitaka um und erblickte einen alten Mönch, der mit einem Bambusstock in der Hand auf ihn zutrat, höflich grüßte und sprach: »Ihr seid also der Meister, der aus China gekommen ist?«

»Zu viel der Ehre«, sprach Tripitaka und grüßte höflich zurück. Der alte Mönch aber sprach in einem fort seine Bewunderung aus und fragte schließlich: »Wie hoch ist Euer Alter, werter Meister?«

»Fünfundvierzig Jahre habe ich unnütz verbracht«, gab Tripitaka zur Antwort. »Darf ich nach dem geehrten Alter des werten Abtes fragen?«

Der alte Mönch lächelte und sagte: »Einen Sechzigerzyklus mehr als Ihr habe ich töricht schon verlebt.«

»Hundertfünf Jahre«, bemerkte Pilger. »Was meint Ihr, wie alt ich bin?«

»Euer Antlitz, Meister, wirkt altertümlich, doch Euer Geist wirkt sehr klar«, antwortete der Mönch, »im Mondschein aber sehen meine Augen schlecht; so leicht kann ich es nicht erraten.«

So gelangten sie plaudernd in weiter hinten gelegene Wandelgänge. Da fragte Tripitaka: »Wo befinden sich denn die

Ruinen des Anathapindika-Klosters, von denen wir gesprochen haben?«

»Dort draußen, außerhalb des Hintertores«, antwortete der Mönch und ließ sogleich öffnen. Draußen lag ein braches Feld, auf dem nur zerbröckelnde Mauerreste zu sehen waren. Tripitaka faltete die Hände, tat einen tiefen Seufzer und sprach:

Gedenken wir des Sudatta,

Der hier einst Spender war;

Er brachte Gold und Güter

Armen und Kranken dar!

Jetavana, dieser Name

Ist aus alter Zeit erhalten;

Wo mag heute der Geehrte

Sich bei Arhats wohl aufhalten?

Gemächlich gingen sie im schönen Mondschein voran und kamen bald zu einer leicht erhöhten Plattform, wo sie sich niedersetzten. Auf einmal drang ein Schluchzen an ihr Ohr. Tripitaka horchte aufmerksam, bis er in der Klage die Worte vernahm: »Vater und Mutter wissen nichts von diesem Leid!« Da wurde ihm so schwer ums Herz, dass er die Tränen nicht zurückhalten konnte. An die Mönche gewandt, fragte er: »Wo kommt denn diese Stimme her? Wer weint denn da?«

Auf diese Frage wies der alte Mönch die anderen Mönche an, zurückzugehen und Tee zu kochen. Kaum waren alle weg, warf er sich flehend vor Tripitaka und Pilger nieder. Tripitaka reichte ihm den Arm und sprach: »Wozu diese Ehrbezeugung, werter Abt?«

Da sprach der alte Mönch: »Ich Buddhajünger bin nun über hundert Jahre alt und habe von den Menschen doch einigermaßen eine Ahnung. Auch sehe ich manchmal beim Meditieren besondere Erscheinungen. Bei Euch etwa wusste ich auf den ersten Blick, dass Ihr anders seid als andere. Was nun diese Sache mit der traurigen Klage angeht, wird keiner außer diesem Meister fähig sein, Klarheit zu schaffen.«

»Sagt doch erst mal, worum es sich handelt!« meinte Pilger.

»Genau heute vor einem Jahr, als ich in tiefer Versenkung im mondhellen innersten Wesen weilte, vernahm ich plötzlich einen brausenden Windstoß, und darin war eine klagende Stimme zu hören. Da habe ich mich von meinem Lager erhoben, bin in den Jetavana-Garten gegangen, und dort fand ich eine schöne junge Frau. Auf meine Frage, aus welchem Hause sie stamme und warum sie hierhergekommen sei, sagte sie: ›Ich bin die Prinzessin des Königs von Indien. Als ich im Mondschein Blumen betrachtete, wurde ich von einem Sturmwind erfasst und hierhergetragen.‹ Ich habe sie in eine leere Kammer geschlossen und den Raum außen herum wie einen Kerker gestalten lassen, mit einer kleinen Öffnung in der Tür, durch die man nur gerade eine Reisschale reichen kann. Am selben Tage habe ich zu den Mönchen gesagt: ›Dort habe ich einen Dämon eingesperrt. Jeden Tag sollt ihr ihm zwei Mal groben Reis und Tee reichen, so mag er sein Leben fristen.‹ Die Frau war verständig und hat gleich begriffen, dass ich mir Sorgen machte, sie könnte von den Mönchen befleckt werden. So hat sie denn auch so getan, als wäre sie eine Verrückte oder ein Ungeheuer. Tagsüber redet sie wie im Wahn oder starrt wie versteinert vor sich hin, doch wenn die stille Nacht einbricht, gedenkt sie ihrer Eltern und beginnt zu weinen. Ich bin schon öfter in die Stadt gegangen und habe mich erkundigt, was denn mit der Prinzessin los sei, doch jedes Mal musste ich mir sagen lassen, sie sei wohlauf, und es gäbe kein Problem. Darum halte ich diese Frau hier fest und lasse sie nicht nach draußen. Zum Glück seid Ihr, geschätzte Meister, heute hierhergekommen, darum bitte ich Euch inständig, in unserem Lande Eure Kräfte zu entfalten, damit diese Sache geklärt werden kann. So wird einer Unschuldigen geholfen, und außerdem werden Eure Stärken zum Ausdruck kommen.«

Tripitaka und Pilger behielten die Worte tief im Gedächtnis. Während sie sich weiter unterhielten, kamen zwei junge Mönche mit der Bitte, man möge sich zum Tee in die Abtei begeben und dann das Nachtlager beziehen. Der alte Mönch ging von dannen, und Tripitaka legte sich alsbald zur Ruhe. So war es in der Tat:

Alles ruht, es sinkt der Mond,

Einsam stiller Blumentraum;

Lauer Wind dringt sachte ein

Durch der Gaze hellen Schein.

Kupferkannen tröpfeln Zeit,

Mahnen Unvollkommenheit;464

Rein leuchtet der Silberstrom

Auf Neunfache Blüten schön.465

Sie hatten noch nicht lange geschlafen, als schon die Hähne krähten. Im vorderen Teil des Klosters begannen sich die Händler geräuschvoll zu regen, zündeten Lampions an und kochten ihr Frühstück. Der Priester rief Bajie und Sandmönch wach und hieß sie das Pferd satteln und die Reisebündel schnüren. Im Kloster warteten die Mönche bereits mit heißem Tee und Kleingebäck auf sie, und nachdem sie gegessen hatten, nahmen sie dankend Abschied. Der alte Mönch schärfte Pilger nochmals ein, sich um die Sache mit der traurigen Klage zu kümmern.

»Das werde ich, verlasst Euch drauf«, gab Pilger lachend zurück.

Mit ihnen machten sich auch all die reisenden Händler rufend und lärmend auf den Weg. Vor Sonnenaufgang hatten sie den Hahnenschrei-Pass überschritten, und am späten Vormittag erblickten sie auch schon die Mauern der Stadt. Die prachtvolle Festung ragte wie ein ehernes Bollwerk empor, gleich einer himmlischen Hauptstadt in göttlichen Gefilden. Ein Gedicht beschreibt sie so:

Wie ein Tiger oder Drache,

Hoch und herrlich imposant;

Phönixdächer, Einhorntürme

Glitzern in der Sonne bunt.

Königliche Wasserläufe

Fließen wie ein Band darum,

Heiles Land am Fuß der Berge,

Wie ein Medaillon so schön!

Flaggen wehen früh am Morgen

Heiter auf den Kaiserwegen;

Trommeln, Flötenklänge dringen

Frühlingshaft von Brückenstegen.

Tugendhaft ist dieser König,

Unbeschreiblich sein Ornat.

Schöne Damen, kühne Helden

Bilden den Palast-Hofstaat.

Noch am selben Tage kamen sie in die Straßen der östlichen Vorstadt. Während sich die Händler in Herbergen verteilten, schritten Meister und Schüler in die Stadt hinein und kamen bald an einer Poststation mit amtlicher Herberge vorbei. Tripitaka und seine Schüler traten in den Vorhof, wo ein Angestellter ihr Kommen umgehend dem Vorsteher meldete: »Draußen stehen vier fremdartige Mönche mit einem weißen Pferd.« Da der Vorsteher hörte, dass ein Pferd dabei sei, konnte er davon ausgehen, dass es sich um Gesandte handeln musste, und so trat er zum Empfang aus der Halle. Tripitaka grüßte mit gefalteten Händen und sprach: »Geringer Mönch ist vom chinesischen Kaiserhof ausgesandt, im Tempel des Donnergrollens auf dem Seelenberg Buddha zu huldigen und Heilige Schriften zu erbitten. Ich habe einen Passschein dabei, den ich bei Hofe zur Begutachtung vorlegen muss. Gleichzeitig möchten wir bitten, hier eine Nacht verbringen zu dürfen; sobald wir unsere Angelegenheiten beendet haben, werden wir weiterziehen.«

Mit einer höflichen Geste sprach der Vorsteher: »Bitte, tretet ein!«

Tripitaka freute sich und winkte seinen Schülern, ihm zu folgen und den Vorsteher zu begrüßen. Beim Anblick ihrer unansehnlichen Fratzen wurde es dem Vorsteher unheimlich zumute; ängstlich überlegte er, ob es wohl Menschen oder Ungeheuer seien, doch nun blieb ihm nichts anderes übrig, als Tee und Speisen auftragen zu lassen.

»Fürchtet Euch nicht, hoher Herr«, sprach Tripitaka. »Meine Schüler sind zwar äußerlich nicht schön, doch im Herzen sind sie wohlgesinnt. So sagt es doch der Volksmund: ›Hinter einem grimmigen Gesicht mag sich ein guter Mensch verbergen.‹ Bitte misstraut ihnen nicht zu sehr!«

Da beruhigte sich der Vorsteher ein wenig und fragte: »Werter Staatsmeister, wo liegt denn das Kaiserreich China?«

»In den blühenden Gebieten der Mitte, auf dem südlichen Kontinent Jambudvipa«, antwortete Tripitaka.

»Und seit wann seid Ihr schon unterwegs?«

»Ich bin im dreizehnten Jahr der Ära Zhen’guan aufgebrochen, seither sind ganze vierzehn Jahre vergangen, in denen wir unter vielen Mühen endlose Gebirge und Gewässer überqueren mussten, bis wir endlich an diesen geschätzten Ort gelangen konnten.«

»Welch göttliche Mönche!« rief der Vorsteher bewundernd aus.

Da erkundigte sich Tripitaka: »Wie lange währt denn die Geschichte Eures werten Reiches?«

»Unsere unwerte Gegend gehört zum Großreich Indien, und dieses währt seit unserem ersten und zweiten König schon über fünfhundert Jahre. Der jetzige Herrscher ist ein Liebhaber der Natur und der Blumen; er nennt sich ›König der Harmonie‹, und seine Ära mit dem Namen ›Friedensreich‹ dauert bereits achtundzwanzig Jahre.«

»Könnte es geringem Mönch wohl möglich sein, die Majestät zu treffen, wenn ich heute zur Audienz gehe, um das Passdokument vorzulegen?«

»Das passt sehr gut!« rief der Vorsteher. »Unser König hat nämlich eine Prinzessin, die ist zwanzig Jahre jung und weilt gerade in einem hohen Zierturm an der Kreuzung der Hauptstraße, um einen schmucken Seidenball nach dem Gatten ihrer Wahl zu werfen. Zu dieser frohen Veranstaltung wird sich unser König sicher nicht zurückziehen. Wenn Ihr also Euer Dokument vorlegen möchtet, geht am besten gleich jetzt.«

Freudig wollte sich Tripitaka auf den Weg machen, doch da wurde gerade eine Mahlzeit aufgetragen. Also setzte er sich vorerst mit Pilger und den anderen zu Tisch. Inzwischen zählte man bereits die mittägliche Doppelstunde Wu. Da meinte Pilger: »Ich gehe mit Euch, Meister.«

»Nein, ich!« warf Bajie ein.

»Lass das, Bruder«, versetzte Sandmönch, »mit deiner Fratze machst du keinen guten Eindruck, du brauchst dich nicht am Palasttor zur Schau zu stellen. Lass lieber unseren ältesten Bruder mitgehen.«

Also legte Tripitaka seine Robe um, und Pilger nahm die Tasche mit dem Passdokument. In den Straßen drängten sich Soldaten und Bauern, Arbeiter und Händler, Gelehrte und gemeines Volk, und alle riefen in lebhaftem Durcheinander: »Auf zum Ballwurf!«

Tripitaka blieb am Straßenrand stehen und sprach zu Pilger: »Schau dir diese Menschen an, ihre Kleider und Hüte, ihre Häuser und Waren, ihre Sprache und ihre Gebärden, ist das nicht genauso wie im großen chinesischen Kaiserreich? Und das hier erinnert mich daran, dass einst auch meine Mutter einen Seidenball geworfen hat, um ihren Gatten zu erwählen. Nun gibt es hier sogar denselben Brauch!«

»Dann lasst uns doch auch hingehen«, meinte Pilger.

»Unsere Kleidung passt nicht dazu«, gab Tripitaka zu bedenken, »das könnte Misstrauen wecken.«

»Meister«, wandte Pilger ein, »habt Ihr denn vergessen, was der alte Mönch im Kloster der Goldgabe gesagt hat? Zum einen schauen wir uns den Zierturm an, zum anderen aber wollen wir sehen, was da wahr ist, und was falsch!«

Auf diese Worte ging Tripitaka tatsächlich mit Pilger hin. Aber oho! Wie hätte er das auch wissen können:

Als würd’ ein alter Fischer

Haken und Schnur aushängen,

Mit diesem Augenblicke

Verwicklungen begannen!

Wie berichtet wird, war dieser König, weil er ja Natur und Blumen über alles liebte, im Vorjahr mit seiner Königin, den Konkubinen und der Prinzessin bei Mondschein im Palastgarten lustwandeln gegangen, was jedoch ein Ungeheuer angelockt hatte, das schließlich die Prinzessin entführt und sich selbst in eine falsche Prinzessin verwandelt hatte. Da diesem Ungeheuer wohlbekannt war, dass Tripitaka im selbigen Jahr, im selbigen Monat, am selbigen Tag und zu selbiger Stunde hier erscheinen würde, hatte es sich den Reichtum des Landes zunutze gemacht und diesen bunten Zierturm errichten lassen, um Tripitaka zum Gatten zu nehmen, sich dessen wahre Energie der ursprünglichen Yang- Kraft anzueignen und auf diese Weise in die höchsten Ränge der Unsterblichen zu gelangen. Es war genau ein Viertel vor

Mittag, als sich Tripitaka nun mit Pilger in der Menschenmenge dem prachtvollen Zierturm näherte. Eben hatte die Prinzessin ein Räucherstäbchen angezündet und sich zu Himmel und Erde verneigt, während unter den fünfzig bis siebzig zierlichen Zofen die am nächsten stehende einen schmucken Seidenball bereithielt. Der Turm war so filigran gebaut, dass die Prinzessin nach allen Seiten Ausblick hatte. Wie sie nun sah, dass Tripitaka ganz nahe war, nahm sie den Seidenball und warf ihn Tripitaka an den Kopf. Ein Schrecken durchzuckte den Priester, sein Priesterhut saß schief, und als er den Ball aufhob, kullerte ihm dieser geradewegs in den Ärmel. Schon erschollen vom Turm her vielstimmige Rufe: »Ein Mönch! Sie hat einen Mönch getroffen!«

Wie sie nun sah, dass Tripitaka ganz nahe war, nahm sie den Seidenball und warf ihn Tripitaka an den Kopf.

Da eilten Zofen und Palastdamen vom Turm herunter, traten zusammen mit mehreren Eunuchen auf Tripitaka zu und sprachen unter tiefen Verbeugungen: »Edelmann! Lasst Euch im Palast beglückwünschen!«

Hastig erwiderte Tripitaka mit einer höflichen Geste, beeilte sich, den Verbeugenden aufzuhelfen, und warf Pilger einen tadelnden Blick zu.

»Was hat das mit mir zu tun?« lachte Pilger, »der Ball hat Euren Kopf getroffen und ist in Euren Ärmel gerollt!«

»Aber was tun wir bloß?«

»Beruhigt Euch, Meister«, meinte Pilger. »Geht einfach in den Palast, und ich benachrichtige in der Poststation Bajie und Sandmönch. Falls die Prinzessin Euch gar nicht heiraten möchte, ist die Sache erledigt, dann lasst Ihr einfach den Reisepass abstempeln, und wir ziehen weiter. Sollte sie Euch aber unbedingt haben wollen, dann sagt Ihr dem König: ›Lasst meine Schüler kommen, ich muss ihnen noch ein paar Anweisungen geben.‹ Wenn wir dann alle drei im Palast sind, werde ich gleich erkennen, wie es um die Wahrheit steht. Das nennt man ›Strategie zur Unterwerfung eines Dämons mittels Heirat‹.«

Mit einem Nicken gab Tripitaka sein Einverständnis, worauf Pilger zur Poststation zurückging. Der Priester aber wurde von zahlreichen Palastdamen umringt und zum Zierturm geführt. Dort stieg die Prinzessin herab, hielt ihm ihre makellos schöne Hand entgegen, bestieg mit ihm eine edle Kutsche, ließ ihre Gefolgschaft voranschreiten, und so fuhren sie dem Palast entgegen, wo der Torwächter auch schon die Meldung durchgab: »Majestät, die Dame Prinzessin kommt mit einem Mönch am Arm, vermutlich hat sie ihn mit dem Seidenball getroffen. Beide befinden sich am Palasttor und warten auf den königlichen Einlassbefehl.«

Diese Nachricht verstimmte den König, doch da er noch nicht wusste, wie der Sinn seiner Prinzessin stand, blieb ihm vorerst nichts übrig, als seinen Unmut zu unterdrücken und Einlass zu gewähren. Also trat die Prinzessin mit dem chinesischen Priester vor die Audienzhalle, und so war es in der Tat:

Hier begrüßt ein Ehepaar

Den König mit Respekt;

Es neigen Gut und Böse

Sich vor der Majestät.

Nach den zeremoniellen Verneigungen wurden sie in die Halle gerufen, und der König fragte: »Woher kommt Ihr denn, werter Mönch? Wurdet Ihr vom Seidenball unserer Tochter getroffen?«

Da warf sich Tripitaka dem König zu Füßen und sprach: »Geringer Mönch befindet sich im Auftrag des Kaisers von China im Kontinent Jambudvipa auf einer Reise zum Westhimmel, um im Tempel des Donnergrollens Buddha zu huldigen und Heilige Schriften zu holen. Weil ich ein Passdokument mitführe, wollte ich es Eurer Majestät zu Begutachtung vorlegen, doch da führte mich der Weg am Zierturm bei der großen Kreuzung vorbei, weshalb geringer Mönch überraschend vom Ball der werten Dame getroffen wurde. Doch wie könnte ich als fremdländischer Klosterbruder mich erdreisten, einer Tochter aus königlichem Hause als Gatte zu dienen? Ich bitte inständig, geringem Mönch die Todesstrafe zu erlassen und den Pass abzustempeln, auf dass ich weiterziehen und bald den Seelenberg erreichen möge, um bei Buddha die Heiligen Schriften zu erbitten. In meiner Heimat werde ich auf ewig der großen Gunst Eurer Majestät gedenken!«

Da sprach der König: »Ihr seid also ein heiliger Mönch aus dem fernen Osten. Fürwahr, es muss ein starkes Band sein, das Euch über viele tausend Meilen diesem Ehebund zuführt. Für unsere Prinzessin, die im zwanzigsten Lebensjahr steht, haben wir den heutigen Tag als glückverheißendes Datum erwählt und den Zierturm errichten lassen, damit sie die Gattenwahl treffe. Nun hat ihr Ball Euch also getroffen, doch weiß ich nicht, wie es um den Sinn der Prinzessin steht?«

Da kniete die Prinzessin vor dem König nieder und sprach: »Vater König, so heißt es doch: ›Die Gattin folgt dem Gatten, ob Gockel oder Hund.‹ Eure Tochter hat ein Gelöbnis getan, den Seidenball bestickt und vor Himmel, Erde und Göttern geschworen, des Schicksals Entscheid anzunehmen. Da ich nun diesen heiligen Mönch getroffen habe, muss uns die Verbindung aus einem vergangenen Leben vorbestimmt sein; wie könnte ich mich zu wehren wagen? Ich bin gewillt, ihn zum Gemahl zu nehmen.«

Nun freute sich der König doch und gab dem Hofamt für Astronomie den Auftrag, ein günstiges Hochzeitsdatum

festzulegen. Gleichzeitig wurde die Brautausstattung vorbereitet und die Nachricht im ganzen Land verkündet.

Tripitaka aber, anstatt sich gebührend für die königliche Gunst zu bedanken, rief laut: »Gnade, Gnade!«

»Dieser Mönch ist gar zu unvernünftig«, sprach der König vorwurfsvoll, »wie könnt Ihr Euch widersetzen, wenn wir Euch mit den Gütern des Reiches beglücken und Euch zum königlichen Schwiegersohn erheben? Noch ein Einwand, und

wir heißen die Palastwache, Euch vorm Palasttor hinzurichten!«

Dem Priester wollte das Herz stillstehen. Zitternd und bebend vollzog er einen Stirnaufschlag und sprach willfährig: »Dank sei der großen Gunst Eurer Majestät! Allein, geringer Mönch war zu viert auf Pilgerschaft; draußen warten noch drei Schüler. Da ich hierhergekommen bin, habe ich ihnen noch nicht die notwendigen Anweisungen geben können. Darum bitte ich Eure Majestät inständig, besagte Schüler zur Audienz vorzuladen, ihnen den Passschein abzustempeln und sie bald weiterreisen zu lassen, auf dass ihre Ankunft im Westen nicht verzögert werde.«

Der König willigte ein und fragte: »Wo befinden sich Eure Schüler?«

»Sie sind alle in der Poststation«, antwortete Tripitaka.

Da wurden Beamte geschickt, die Schüler des heiligen Mönchs herbeizurufen, damit sie nach Vorlegen des Passscheins in den Westen ziehen und der heilige Mönch als königlicher Schwiegersohn am Hofe bleiben könne. Tripitaka hatte keine andere Wahl, als sich zu erheben und neben dem König alles Weitere abzuwarten.

Doch wenden wir uns nun Pilger zu, der den Priester beim Zierturm verlassen hatte und dann hüpfend und lachend zur Poststation gekommen war. Als Bajie und Sandmönch ihn so vergnügt sahen, fragten sie: »Was macht dich so fröhlich, Bruder? Warum ist denn der Meister nicht da?«

»Unser Meister hat großes Glück!« rief Pilger.

»Was denn?« fragte Bajie.

Lachend erzählte Pilger: »Als ich mit ihm zur großen Kreuzung kam, wo der Zierturm steht, ist er just vom Ball der Prinzessin getroffen worden! Dann haben ihn Palastdamen und Eunuchen zum Turm geführt, er ist mit der Prinzessin in eine Kutsche gestiegen und bei Hofe als Bräutigam empfangen worden. Was ist das anderes als großes Glück?«

Als Bajie dies vernommen hatte, stampfte er aufgebracht mit den Füßen, hämmerte sich mit der Faust an die Brust und rief: »Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich doch selbst hingegangen! Sandmönch ist schuld; wenn er mich nicht gehindert hätte, wäre ich gleich zu diesem Turm gerannt, der hübsche Ball hätte mich alten Eber getroffen, und die Prinzessin hätte mich geheiratet. Herrlich wäre das gewesen, einfach wunderbar! Alle beide hübsch aufgeputzt, und dann kriegt jeder sein Vergnügen, eine Wonne ohnegleichen!«

Sandmönch fuhr ihm mit der Hand übers Gesicht und rief: »Schäm dich, schau dir nur deine Fratze an! Kauft einer für drei Groschen einen Esel und brüstet sich, dass er ihn reiten kann! Wärst du getroffen worden, hätte man noch in derselben Nacht Bannformeln verbrannt und nur gewartet, dich so schnell wie möglich auszutreiben. Glaubst du eigentlich, einem Griesgram wie dir würde man Einlass gewähren?«

»Du gemeiner Finsterling!« gab Bajie zurück, »ich mag ja hässlich sein, aber immerhin hab ich auch gewisse Vorzüge.«

»Lass das Gerede, du Tölpel«, rief Pilger, »mach das Gepäck bereit. Wahrscheinlich wird uns der Meister bald rufen lassen, dann können wir in den Palast gehen und ihn dort beschützen.«

»Du liegst wieder falsch, mein Bruder«, versetzte Bajie, »unser Meister ist doch jetzt königlicher Schwiegersohn und liegt glücklich bei der Prinzessin. Da geht’s doch nicht mehr drum, über Berge zu kraxeln und Dämonen abzuwehren, wovor willst du ihn da noch schützen? Er wird wohl alt genug sein zu wissen, wie man’s unter der Bettdecke treibt, was willst du ihm da noch helfen?«

In dem Moment erschien der Stationsvorsteher und meldete: »Heiliger Erlass des Kaisers: Die heiligen Mönche werden zur Audienz gebeten.«

»Und warum, wenn ich fragen darf?« wollte Bajie wissen.

»Der ehrenwerte göttliche Priester hatte das Glück, vom

Ball der Prinzessin getroffen und zum königlichen Schwiegersohn erkoren zu werden. Darum ist ein Palastbote hier, euch vorzuladen.«

»Lasst ihn hereinkommen«, meinte Pilger.

Als der Bote den höflich grüßenden Pilger erblickte, wagte er seinen Blick nicht mehr zu heben, sondern murmelte verstört: »Ein Gespenst, ein Ungeheuer? Ein Donnergott, ein Yaksa?«

»Ach, mein guter Herr!« rief Pilger, »sagt doch, was Ihr zu sagen habt, was soll denn dieses Gemurmel?«

Zitternd hielt der Bote mit beiden Händen das Edikt in die Höhe und stammelte: »Die Prinzessin lobt zur Verladung … lädt zur Verlobung!«

»Ich verhau dich doch nicht«, meinte Bajie, »sprich langsam, brauchst doch keine Angst zu haben!«

»Du meinst, er fürchtet Prügel?« warf Pilger ein, »vor deiner Fratze hat er Angst! Schnell, macht alles bereit, wir gehen zum Palast und besprechen uns mit dem Meister.«

Und da wir nicht wissen, was sie dem König sagten, lasst uns das nächste Kapitel anhören.